Kartoffelanbaufläche im Kreis Schwandorf gestiegen - Ernte heuer mit besserer Qualität

Auf einem Acker in Schanderlhof bei Stulln drehte sich alles um die Kartoffel. Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg-Schwandorf (AELF) und die Gebietsgemeinschaft Oberpfalz der Erzeugergemeinschaften für Qualitätskartoffeln hatten zum Informationsgespräch „Kartoffelernte Oberpfalz 2025“ geladen.
Gekommen waren Behördenvertreter, Vertreter der Erzeugergemeinschaften und der Firmen, die den Großteil der Ernten aufkaufen, und natürlich die Bauern, die Erzeuger.
Sebastian Betz, Vorsitzender der Gebietsgemeinschaft Oberpfalz, der die Erzeugergemeinschaften vertritt, sprach über „die Oberpfalz als Kartoffelregion“. Problem der Kartoffelbauern sei, dass sie sehr stark in finanzielle Vorleistung gehen müssten, und dann käme alles auf das Wetter an. Für Düngung und Pflanzgut würden vorab circa 2000 Euro pro Hektar fällig.
24 Hektar dazugekommen
Thomas Zirngibl Geschäftsführer des Erzeugerrings Oberpfalz erläuterte die aktuelle Situation. Die Anbaufläche betrage in der Oberpfalz 5169 Hektar und im Landkreis Schwandorf 832 Hektar. Damit sei die Anbaufläche zum ersten Mal seit mehreren Jahren gestiegen, und zwar um 226 Hektar im Bezirk und um 24 Hektar im Kreis. Dieser Trend sei deutschland- und europaweit zu beobachten.
Hitze und Trockenheit hätten in den vergangenen Jahren zu einem Rückgang geführt. Für die Kartoffel beginne Hitze bereits bei 25 Grad Celsius. Der Klimawandel sei ein Problem für den Kartoffelanbau. Eindeutig im Vorteil seien die Regionen, in denen bewässert werden könne.
Mehr von der diesjährigen Ernte wird vermarktet
Die Ernteprognose für das Jahr 2025 sei aber gut. Zwar werde der Ertrag mit 368 Dezitonnen (dt) – eine Dezitonne entspricht 100 Kilogramm – geringer als im Vorjahr mit 416 dt, allerdings sei die Qualität besser, so dass 91 Prozent der Ernte zu vermarkten sind. Im Vorjahr waren es nur 70 Prozent. Josef Irlbacher, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, verwies in seinem Grußwort auf die Bedeutung der Kartoffel als wichtiges Nahrungsmittel der Bevölkerung. Insofern sei es wichtig, dass die Landwirtschaft die entsprechenden Mengen auf den Markt bringen kann, um die Versorgung sicherstellen zu können. Am Preis merke der Verbraucher, wie sich die jährliche Erntesituation darstelle.
Annette Dodel, Bereichsleiterin Landwirtschaft des AELF, betonte die Wichtigkeit der Kartoffel für die Ernährung. Der Pro-Kopf-Verbrauch liege in Deutschland bei 65 Kilogramm. Der schlechte Ruf als Dickmacher sei längst widerlegt. Die Kartoffel habe stattdessen viele Nährstoffe und sei sehr gesund. „Ein Hektar Kartoffelanbau versorgt 300 Menschen. Das ist etwas Besonderes. So einen Ertrag haben wir nirgends sonst“.
Was den Ertrag betreffe, liege Bayern bundesweit auf dem zweiten Platz. Für sämtliche Formen der Kartoffelverarbeitung gebe es Firmen in der Region, seien es Chips, Knödelteig, Kartoffelstärke oder die Belieferung des Handels. Optimal sei, dass die regionale Erzeugung und die Vermarktung in der Region kurze Wege ermöglicht.
Schilf-Glasflügelzikade greift Blätter der Kartoffel an
Anhand einer Kartoffelpflanze erklärte Zirngibl ein relativ neues Problem, das seit einigen Jahren die Kartoffelbauern besorgt. Die an sich harmlose Schilf-Glasflügelzikade trägt in sich ein Bakterium, das die Blätter der Kartoffel angreift und damit das Wachstum schädigt. Das kann zum Ausfall der Ernten führen. Alle Beteiligten beschäftigen sich intensiv mit der Verbreitung des Schädlings und seiner Bekämpfung. Vertreter der großen Abnehmer der heimischen Kartoffeln waren ebenfalls bei dem Treffen dabei. Sie äußerten sich zuversichtlich im Hinblick auf die diesjährige Ernte. Das System der frühzeitig vereinbarten Abnahmepreise garantiere sowohl den Erzeugern als auch den Abnehmern ein hohes Maß an Sicherheit und Planbarkeit.
Mit Verspätung, denn sie war im Stau hängen geblieben, kam die Bayerische Kartoffelkönigin, Elena Heckl. Sie plädierte für Austausch und Kommunikation – gerade im Hinblick auf die neuartigen Probleme. Sie wolle ihr Amt nutzen, um Politiker im Gespräch dafür zu sensibilisieren.