Das Cave Gladium in Furth im Wald ist für die Lagernden wie heimkommen

Von Alexander Frimberger · 13. August 2025 um 05:00

Am Donnerstag um 16 Uhr startet das Cave Gladium. Vier Tage lang hat das Mittelalter in Furth im Wald Hochkonjunktur. Wer könnte besser erklären, was die Faszination dieses Zeitalters im Allgemeinen und die des Cave im Besonderen ausmacht, als Teilnehmer, die tatsächlich von Anfang an dabei sind.

Fünf Gruppen gehören zu den Urgesteinen, sagt Dagmar Hastreiter, die seit heuer für die Öffentlichkeitsarbeit der Traditionsveranstaltung verantwortlich ist. Drei Vertreter der Gruppen hat sie zum Gesprächstermin hinzugeladen. Einer von ihnen ist Christoph aus Passau.

Gewänder, keine Kostüme

Der Familienvater ist diesmal mit 18 Mitstreitern nach Furth im Wald gekommen, gehört der Gruppe Betavis Gladii aus der Dreiflüssestadt an. Sie machen die Zeit von 1380 bis 1412 lebendig, halten sich an historische Vorbilder. Das Gewand. das er während des Gesprächs trägt, hat ein Ritter damals so in zivil getragen.

Und um das ein für alle Mal zu klären: Es sind Gewänder, die während des Cave getragen werden und keine Kostüme oder Verkleidungen, wie Albin und Patrick von den Custodes Biburgiensis aus Vilsbiburg erklären. Was die circa 80 Gruppen, die auch heuer laut Hastreiter am Mittelalterfest teilnehmen, machen, sei gelebtes Mittelalter. Und auch wenn das für das Frühmittelalter, die Vilsbiburger bewegen sich im Zeitraum ab 700, also Frühmittelalter, aufgrund von fehlenden Aufzeichnungen nicht so einfach ist, so versucht man doch, dem Original so nahe, wie möglich zu kommen.

Wie das gelingt, erklären Nina und ihr Mitstreiter, die sich Ubo’s Söldner (800 bis 1066) nennen und mit 26 Gleichgesinnten aus München gekommen sind. Gräberfunde können hilfreich sein oder der Teppich von Bayeux, auf dem die Eroberung Englands im 11. Jahrhundert thematisiert wird. Klar ist viel Interpretation dabei, trotzdem geht es immer darum, dem Original möglichst nahe zu kommen. Dazu gehört auch, dass Frauen zur damaligen Zeit oft das Sagen hatten, gleichberechtigt waren. Zum Beweis zeigt Nina einen Schlüssel zur Speisekammer, den sie umhängen hat und grinst: „Wenn die Frauen nicht aufgesperrt haben, haben auch die Männer nichts zu essen bekommen.“ Wieso aber Mittelalter? Christoph sagt, dass er schon als kleiner Junge mit Helm und Stockschwert durch die Gegend gerannt ist. Statt Cowboy und Indianer hat er lieber Ritter gespielt. Viele sind auch über Rollenspiele dazu gekommen. Das Cave, da sind sich alle einig, ist etwas ganz Besonderes. „Man freut sich das ganze Jahr darauf, es ist eine besondere Stimmung, die sich nur schwer beschreiben lässt“, sagt der Ritter in zivil und ergänzt: „Es ist tatsächlich so, als wenn man heimkommt.“ Alle nicken. Schon eine Woche vorher reisen sie an, oftmals geht mit Vor- und Nachbereitung der komplette Jahresurlaub drauf. Aber das macht nichts: Wenn man durch das Tor tritt, ist es, als sei man durch ein Sternentor in eine andere Zeit getreten: Sofort sind alle Alltagssorgen vergessen.

Fragen stellen erlaubt

Und was ist mit den Besuchern, stören die? Gar nicht, jeder ist eingeladen Fragen zu stellen, die gerne beantwortet werden. Auch fotografieren ist erlaubt. Fragen wäre nett, meinen alle.

Cave Gladium in Kürze

Über 80 Gruppen (zwei von der niederländischen Grenze nehmen erstmals teil) und rund 100 Händler, auch ein Tätowierer, sind dabei. Neu sind heuer Langosch und Bauernstriezel. Hunde dürfen an der kurzen Leine mitgenommen werden. Wer in den Genuss von freiem Eintritt kommen will, muss komplett gewandet sein. Erstmals verstärkt Krless aus Prag das Musikangebot. Es gibt ein Märchenzelt, statt dem Kasperletheater. Alle Infos im Netz: www .cave-gladium.de.