Bürgermeister sauer auf Bahn: Parsberger Bahnhof glänzt und bekommt schlechte Noten

Sauber, modern, einladend – der Bahnhof Parsberg gilt als Vorzeigeobjekt. Trotzdem kassiert er im Ranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft eine miserable Bewertung. Bürgermeister Bauer ist empört und sieht die Schuld woanders. Wird 2026 endlich alles so, wie es Reisende erwarten?
Die Kehrmaschine der Stadt schnurrt vorbei, der helle Stein des historischen Gebäudes strahlt im Sonnenschein, die Blumen blühen, ein paar Reisende haben auf den mit Holzsitzen belegten Steinbänken Platz genommen. Kein Papierschnipselchen, keine Dose, noch nicht einmal eine Zigarettenkippe liegt am Boden. Wie geleckt sehen der Parsberger Bahnhof samt Vorplatz aus. Doch Bürgermeister Josef Bauer ist stinksauer.
Im Gegensatz zu den oft heruntergekommenen und verwaisten Bahnhöfen vieler anderer Kleinstädte gibt der Parsberger eine äußerst positive Visitenkarte ab. Dennoch hat er im Ranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG) schlechte Noten bekommen: Weit abgeschlagen landete Parsberg hinter der landkreiseigenen Konkurrenz mit minus 22 Punkten von möglichen plus 100. Der Bahnhof erfülle damit nicht einmal die Mindestanforderungen, so die Bewertung der BEG-Tester (das Neumarkter Tagblatt berichtete).
Bewertung bezieht sich auf die Anlagen der Bahn
Das erbost den Rathauschef – denn das habe „in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem verzerrten das Gesamtbild geführt“: „Die hätten mal besser dazu schreiben sollen, dass die schlechte Bewertung auf ihr eigenes Konto geht und die eigenen Anlagen der Bahn betrifft und nicht das Bahnhofsgebäude, das der Stadt gehört“, empört sich Bauer.
All die bemängelten Bereiche lägen außerhalb des „unmittelbaren Einflussbereichs der Stadt“ und fielen in die Unterhaltspflicht der Deutschen Bahn, betont der Bürgermeister: die Bahnsteige sowie die Unterführung zu den Gleisen. Deren Zustand erachtet der Bauer selbst als „beschämend“. Seit 20 Jahren kämpfe er mit dem Stadtrat dafür, dass der Bahnhof barrierefrei ausgebaut und aufgewertet wird.
Stadt investiert Millionen in Bahnhofsgebäude
Das Schicksal des Bahnhofsgebäudes nahm die Stadt selbst in die Hand, weil es seitens der Bahn weder Interesse noch Unterstützung gegeben hat, erinnert der Rathauschef. Es habe sich in einem „fürchterlichen Zustand“ befunden. Parsberg investierte rund drei Millionen Euro und putzte Bahnhofsgebäude samt Vorplatz zu einem Schmuckstück heraus.

Im Obergeschoss wurde die Stadtbücherei eingerichtet, im Erdgeschoss eine heimelige Wartehalle mit Info-Schalter und Kiosk. Während anderswo Reisende bei Kälte und Regen auf den zugigen Bahngleisen stehen, können sie im Bahnhof Parsberg im Trockenen sitzen, bis ihr Zug kommt. In einen Nebengebäude ist ein Reisebüro eingezogen, im anderen hat die Stadt Toiletten installiert, für deren Sauberkeit sie auch Sorge trägt.
Die sehr gute Bewertung im Bereich Fahrgastinformation zeige, dass technische Elemente wie Zuganzeiger, Uhren und Aushangfahrpläne voll funktionsfähig sind. Auch bei der Sauberkeit schnitt Parsberg in mehreren Unterkategorien wie „Müllentsorgung“ oder „Zigarettenkippen“ gut ab.
Punkteabzüge wegen Beschädigungen an Wetterschutzeinrichtungen
Aber just der Bahnhofsgebäudetrakt selbst wurde im Bahnranking nicht berücksichtigt, weil es sich eben nicht mehr im Eigentum der Deutschen Bahn befindet. Verlässt man die Wartehalle durch die hintere Ausgangstür, betritt man Bahneigentum, erklärt Bauer und verweist auf den maroden Zustand der Einrichtungen der Bahn: Im Ranking habe es Punktabzüge vor allem aufgrund von Beschädigungen an Sitzbänken und Wetterschutzeinrichtungen auf den Bahnsteigen sowie Graffiti in der Unterführung gegeben, stellt der Bürgermeister klar.
Während er noch redet, versucht eine mit Koffern bepacktes älteres Ehepaar mit Enkelkindern, den Treppenabgang hinunter zu steigen. „Noch nicht einmal eine Schiene, auf der man die Koffer rollen könnte gibt es hier“, klagt die Frau.
Barrierefreier Ausbau für 2026 geplant
Der Mann ergänzt: „Von Parsberg aus Fahrräder mit dem Zug zu transportieren, ist ein Ding der Unmöglichkeit.“ Das soll sich ändern, kündigt Bürgermeister Bauer an: 2026 wird der Bahnhof Parsberg im Zuge eines umfassenden Umbaus barrierefrei ausgebaut: „Darüber bin ich heilfroh“, kommentiert der Rathauschef. Während seiner langjährigen Amtszeit habe er die verschiedensten Bundes- und Landespolitiker angesprochen, um hier einen Fortschritt zu erreichen: „Ich dachte schon, ich erlebe den Umbau nicht mehr.“
Im Rahmen der Sanierung werden die Bahnsteige erneuert und Aufzüge installiert. Damit würden auch die bisher negativ bewerteten Bereiche grundlegend verbessert, hofft Bauer. Nachdem das Gebäude neben dem Treppenaufgang abgebrochen wird, überlege die Stadt, wie sie den Abstellplatz für Zweiräder besser gestalten könne.
