Hans und Anna Bauer haben vor 70 Jahren geheiratet - So klappt es mit der Ehe

Die Zahl der Eheschließungen sinkt und wer heiratet, tut dies oft im „fortgeschrittenen“ Alter mit über 30 Jahren. Wie aus der Zeit gefallen, muten da Hans und Anna Bauer an. Sie war noch minderjährig und er gerade erwachsen, als sie heirateten. Inzwischen sind sie seit 70 Jahren glücklich verheiratet und haben vor wenigen Tagen die „Gnadenhochzeit“ gefeiert. Ihr Erfolgsrezept für eine lange Ehe verrieten sie im Gespräch mit dieser Zeitung.
Eine Nebenstraße in Schwaig. Schmucke Einfamilienhäuser säumen die schmale Straße. Ganz am Ende, im Eck, wohnen die Bauers. Hier, abseits des Lärms der Hauptstraße im Dorf, umgeben von ganz viel Grün, haben sie sich vor einem halben Jahrhundert ihr eigenes Haus gebaut. Neun Zimmer, mehrere Garagen und ein großes Grundstück mit Obstbäumen, Beerensträuchern und vielen Tomatenpflanzen gehört dazu.
Hans (92) und Anna (90) Bauer sitzen am Tisch in ihrer gemütlichen Küche. Trotz der sommerlichen Temperaturen ist es wunderbar kühl im Haus. Hans und Anna Bauer sind glücklich. In diesem Sommer vor 70 Jahren haben sie geheiratet und sie haben geschafft, was den wenigsten Paaren vergönnt ist: Sie sind seit 70 Jahren verheiratet.
Viel unterwegs
Vor ein paar Tagen wurde deshalb groß gefeiert. Die vier Söhne und ihre Familien kamen. Auch Neustadts erster Bürgermeister Thomas Memmel und sein Stellvertreter Günter Schweiger sowie Nachbarn und Freunde gratulierten. Die Freude über das Fest und die Glückwünsche ist den beiden noch immer anzumerken. Mehr als diese Freude ist da aber auch eine Zufriedenheit mit dem, was sie erreicht haben. Und das ist mehr als das Haus oder das Engagement in Schwaig.

Hans Bauer war hier einst Bürgermeister und nach der Gebietsreform auch zweiter Bürgermeister von Neustadt a.d. Donau, unter anderem organisierte er 300 Grundstücke für die Ansiedlung einer Raffinerie, die dann zwar doch nicht gebaut wurde. Dafür baute aber Audi eine Versuchsanlage, die der Stadt Neustadt seit Jahrzehnten Gewerbesteuereinnahmen in Millionenhöhe beschert. Außerdem förderte Bauer das Vereinswesen in Schwaig, wobei die Gründung der Appel-Seitz-Stiftung, der Heimat der „Schwoagara Dorfbühne“, ein Höhepunkt war.
Und während Hans Bauer, der „Hans Dampf in allen Gassen“, der im Hauptberuf Fahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn war und nebenbei auch noch Zeitungsartikel für die Mittelbayerische schrieb, für den Ort und seine Einwohner unterwegs war, kümmerte sich Ehefrau Anna um die Familie. Kinder erziehen, Essen kochen, Wäsche waschen, putzen, Hausaufgaben kontrollieren – das war ihr Job.
Doch das ist weder die ganze Geschichte von Hans und Anna Bauer, noch lässt sich das Leben von Anna Bauer auf die „drei K“ verkürzen. Das würde vor allem der 90-Jährigen nicht gerecht werden. „Sie ist die Managerin der Familie“, stellt Hans Bauer fest. Was sich hinter diesen dürren Worten verbirgt, ist mehr als eine „Helicopter-Mama“. Anna Bauer hat auch für das Wohnhaus der Familie und die Häuser der Kinder gesorgt. Und zwar tatkräftig.
„Ich war den ganzen Tag an der Betonmaschine“, sagt Anna Bauer, weshalb ihr unterschiedliche Mörtel- und Betonmischungen so selbstverständlich waren wie anderen beispielsweise Kuchenrezepte. Auch die Verträge mit den Lieferanten von Baumaterialien handelte sie aus. Die Kinder, vier Buben, halfen mit beim Häuserbau.
Wenn Anna Bauer deshalb heute über ihren Mann spricht und über ihn sagt, „der mit seinen Vereinen“, ahnt man, wer bei den Bauers die Hosen anhatte. Das hatte die einst noch sehr junge Anna Bauer übrigens ihrem Hans sehr schnell, sehr deutlich gemacht. Als der noch beim Zirkus Krone arbeitete und deshalb wochenlang nicht zuhause war, schrieb sie ihm kurzentschlossen einen Brief. Der Inhalt lautete in Kurzfassung: „Entweder der Zirkus oder ich.“ Die Botschaft war unmissverständlich, Hans gab seinen Job beim Zirkus auf und kehrte heim.
Gesund und zufrieden
Ein Sprichwort sagt: „Hinter jedem erfolgreichen Mann, steht eine starke Frau.“ In diesem Fall trifft es wohl zu. Und so sind die Bauers auch im hohen Alter zufrieden. An der Arbeitsteilung hat sich nichts geändert. Der Mann ist gern unterwegs und kümmert sich noch immer um die Appel-Seitz-Stiftung, die Frau schaut, dass in Haus und Garten alles passt. Die Tage sind mit Arbeit ausgefüllt. Urlaub braucht‘s nicht, bekunden beide. „Hobbys“, sagt Anna Bauer, „brauchen wir nicht.“ Eines, ein kleines, hat sie dennoch. Sie strickt gern.

Und wenn man dann fragt, welches Fazit sie denn nach ihrem langen gemeinsamen Leben ziehen, antwortet Anna Bauer flink: „Wir haben alles zum Leben, wir sind gesund und zufrieden.“ Wichtig sei die Familie, betonen die Bauers und Hans Bauer ergänzt: „Die erste Frage, wenn die Kinder nach Hause kommen, lautet: Wo ist die Mama?“ Und während Hans Bauer das sagt, ist zu spüren, wie stolz er auf seine Frau ist. Sie hat ihm den Rücken frei gehalten.