Todesstoß für Cäcilienverband: Kirche streicht Fördergeld

Der Dachverband für katholische Kirchenmusik und gut 14.000 Chöre steht vor dem Aus – weil 50.000 Euro Zuschuss wegbrechen. Der Aufschrei ist laut.
Die Nachricht von der Deutschen Bischofskonferenz sorgt für einen Aufschrei: Weil der Verband der Diözesen Deutschlands (VDD) den jährlichen Förderbeitrag streicht, wird der Allgemeine Cäcilienverband für Deutschland (ACV) aller Voraussicht nach abgewickelt werden. Es geht um 50 000 Euro pro Jahr aus einem Budget, das einige hundert Millionen Euro umfasst. Für diesen Preis opfert die Kirche eine stolze Tradition, die seit 1868 besteht. Die katholische Kirchenmusik verliert ihren Dachverband und etwa 300 000 Sängerinnen und Sänger in mehr als 14 000 Chören ihre übergeordnete Struktur und ihren obersten Lobby-Arbeiter. Wie kann das sein?
Raphael Baader, Generalsekretär des ACV, zitiert Angaben der Bischofskonferenz: Ein erhebliches Haushaltsdefizit müsse dringend ausgeglichen werden. Und: Auch der Bereich „Glaube und Bildung“, dem der Cäcilienverband zugeordnet ist, müsse einen Sparbeitrag leisten. Bischof Stephan Ackermann, Vorsitzender der Liturgiekommission, brachte danach in einem Brief an den ACV immerhin sein Bedauern zum Ausdruck, bekräftigte aber gleichzeitig: Die Entscheidung, die ab 2027 greift, sei unumgänglich.

50 000 Euro im Jahr: Das ist angesichts der weitreichenden Aufgaben und der schieren Menge an Sängern, die der ACV vertritt, nicht viel. Für den Verband brechen damit aber 40 Prozent seiner Einnahmen weg. Hauptamtlich, so viel steht laut Raphael Baader fest, ist die Organisation also nicht mehr zu stemmen. „Und zu 100 Prozent ehrenamtlich wird das aufgrund unserer Bedeutung und Größe nicht möglich sein.“
„Wir machen uns nichts vor“
Der Vorstand ist aktuell in Gesprächen, in welcher Form der Verband eine Zukunft hätte – oder ob er abgewickelt wird. Der Generalsekretär hält das Aus für ein realistisches Szenario. Und die lange Tradition? „Ja, stimmt. Aber die Tradition hilft da auch nicht viel.“ Raphael Baader schaut im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern recht nüchtern auf die Fakten. „Wir machen uns als Vorstand da nichts vor.“ Der Ausfall der Gelder, „das ist gewissermaßen der Todesstoß.“
Der ACV dürfte nicht die einzige Organisation sein, die bei den Sparmaßnahmen auf der Strecke bleibt. „Da wird jetzt einiges passieren“, sagt der Generalsekretär und verweist etwa auf die Kommission für Zeitgeschichte in Bonn, der ebenfalls Zuschüsse wegbrechen und die nun wohl ebenfalls aufgelöst werden dürfte.
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Der Cäcilienverband vernetzt Chöre, vergibt Auszeichnungen, betreut Publikationen und setzt sich an vielen Schlüsselstellen für Belange der katholischen Kirchenmusik ein. Sein Büro in Regensburg ist schlank strukturiert. Neben Baader, seit 2023 am Haus, hauptamtlicher Generalsekretär, ist eine Sekretariatskraft beschäftigt, die ihre Aufgaben nebenberuflich ausfüllt. Dazu gibt es einige Projektleiter, die aber laut Baader nicht von VDD-Geldern bezahlt werden.
Besonders bedauerlich, sagt Baader, ist der Stop der Gelder, weil gerade die Transformation läuft, die den ACV inhaltlich, organisatorisch und personell neu aufstellen sollte. Intensivere Lobbyarbeit war eins der Ziele. Immerhin: Die Traditionszeitschrift „Musica sacra“ bleibt laut Baader unangetastet. „Für ihre langfristige Sicherung arbeiten wir an einer tragfähigen Perspektive.“
Der Aufschrei ist groß. „Ich bedauere sehr, dass die Bischofskonferenz uns vor vollendete Tatsachen gestellt hat“, sagt ACV-Präsident Monsignore Markus Bosbach. Und weiter: „Wie die Entscheidungen inhaltlich begründet werden, bleibt für mich offen. Es muss bezweifelt werden, dass es einen qualitativ fundierten und transparenten Entscheidungsprozess in der Bischofskonferenz gegeben hat, welche national bedeutenden Aufgaben gemeinsamen finanziert werden – und welche nicht mehr.“
Kritik prasselt herein
Nicht nur aus Kirchenmusik-Kreisen, auch von weltlicher Seite prasseln Solidaritätsadressen im Netz herein – und ungewöhnlich scharfe Kritik. „Ein typischer Schuss ins eigene Knie“, so etwa Christoph Meixner, designierter Leiter des Sudetendeutschen Musikinstituts in Regensburg, der aktuell das Thüringische Landesmusikarchiv an der Musikhochschule in Weimar führt. „Das Tragische und Traurige“ sei, dass man so die Kirchen von ihrer Funktion als bedeutender Kulturträger ablöse. Meixner verweist auf die Resolution, die die katholische Kirche noch 2022 mit dem Deutschen Musikrat und der EKD verabschiedet hatte. Der Titel klingt heute wie Hohn: „Kirchenmusik als Chance für Gesellschaft, Kultur und Kirche“.