Das Rhaner Bier wird klimaneutral - und zwar bei laufendem Betrieb und in 300 Jahre alten Räumen

Von Johannes Schiedermeier · 9. August 2025 um 11:00

Während hinten das Bier in die Flaschen mit dem gelben Rhaner-Etikett läuft, wird vorne weiter an der Klimaneutralität geschraubt. Bei laufendem Betrieb und in einem 300 Jahre alten Gebäude. Wirtschafts-Staatssekretär Tobias Gotthardt (Freie Wähler) ist beeindruckt. Er war dabei, als Brauerei-Chef Alois Plößl mit seiner Familie den Bavarian Futur-Award gewonnen hat und ist nun vor Ort im Rhan im Landkreis Cham.

Wo er gleich noch was lernt. „Rhan gibt’s ja wirklich“, staunt er. Mit beim Besuch dabei: MdL Julian Preidl und Markus Geiling. Geiling ist Geschäftsführer von Energy-Vision. Plößl beschreibt dessen Rolle so: „Das ist der, der immer schauen muss, wie er unsere Ideen irgendwie auf die Reihe kriegt.“ „Manchmal schon schwierig“, sagt Geiling.

Unterm Strich emissionsfrei

Der Rhaner Bräu hat seinen Preis nicht umsonst bekommen. Plößl beschreibt die Besonderheiten so: In einem 300 Jahre alten Gebäude hat die 12. Generation der Familie Plößl die Produktionsprozesse im laufenden Betrieb so ambitioniert verändert, dass rein kalkulatorisch jetzt schon unter dem Strich die Rhaner Halbe emissionsfrei ist. Photovoltaik auf den Dächern gibt es ja schon lange. Gleichzeitig wird aber auch eingespart. Seit kurzem sind die Plößls einen Schritt weiter. Sie haben praktisch eine Insellösung geschaffen, deren Sonnenstrom nur zur Produktion in der Firma verwendet wird. Alle energieintensiven Wärme- und Kälteproduzenten dienen inzwischen als Pufferspeicher. Auch die Batterien der Autos, Lader und Ameisen werden über das Wochenende geladen. Der Mensch gibt vor, was er haben will, die künstliche Intelligenz steuert das.

Und die Familie Plößl, die 2026 insgesamt 250 Jahre lang die Brauerei führt, hat schon die 13. Generation in die Startphase gebracht. Diese Generation soll dann mit dem Neubau eines Sudhauses den letzten Schritt vollziehen: „Dann sind wir sogar weg von den Hackschnitzeln“, sagt Alois Plößl.

Hackschnitzel als Auslaufmodell

Staatssekretär Gotthardt ist schon wieder beeindruckt, weil doch Hackschnitzel in Bayern als nachhaltig gelten. Doch Plößl hat tatsächlich eine Mission, die ihn begeistert: Seine Hackschnitzel kommen zwar nur aus einer Entfernung von vier Kilometern, aber auch sie müssen getrocknet, über eine Schnecke gefördert und ausgefahren werden. Wenn das neue Sudhaus kommt, wird auch auf dessen Dach Photovoltaik sein. Dann ist ein großes Ziel erreicht, weil die Brauerei sich dann mit eigener regenerativer Energie über den Winter bringen kann.

Das hat schon jetzt viel Initiative gekostet und oft zu erstaunlichen Klimmzügen geführt. Schließlich muss beim Brauprozess mit Eiswasser gekühlt und bis auf 100 Grad erhitzt werden. Auf dem Dach des Brauhauses gibt es einen Pool mit rund 200 Kubikmetern Glykol – auch ein Speicher.

Einst 200 000 Liter Heizöl im Jahr

Das System – einfach beschrieben: Die Brauerei kühlt tiefer und heizt höher, als sie es benötigt, puffert, solange die Sonne scheint, und lebt bis in die nächste Woche von diesen Energievorräten. Plößl weist auf ein Display: „Wir produzieren gerade die 6,5-fache Menge Energie, die wir verbrauchen.“ Das ist an einem Freitagnachmittag ohne Betrieb einfach.

Aber die Energie wird sich angesammelt haben, wenn sie ab Montag gebraucht wird: zum Heizen der Sudpfannen, zur heißen Reinigung der Fass- und Flaschenabfüllanlage, zum Sterilisieren der Rohrleitungen mit Hochdruckdampf...

200 000 Liter Heizöl habe man früher pro Jahr gebraucht, sagt Plößl. Damals habe man sich am Ende für ein Blockheizkraftwerk entschieden, das nun schon von der Ferne als größtes Bierkistl der Welt zum Wahrzeichen der Brauerei geworden ist.

Dann wird’s politisch

Ein bisserl politisch wird es dann doch noch, weil MdL Preidl seinen Staatssekretär fragt, warum das Bayernwerk immer noch bei hohem Stromaufkommen die Photovoltaik vom Rhaner-Bräu aus dem Netz werfen darf, obwohl sich die nur selbst versorgt. Gotthardts Antwort: Es gibt da noch ein ganz gutes Gesetzespaket aus der Ampelzeit, das genau solche Fälle regelt. Aber das ist durch den Regierungswechsel liegengeblieben, und muss erst wieder in den Bundestag.

Wir sind soooo nah dran an null Emission

Dr. Alois Plößl, Chef der Rhaner Brauerei

Außerdem gibt es noch ein Problem: Es fehlen im Bereich der Bayernwerke 40 000 Kilometer Stromtrasse. Und wann kommen die? Gotthardt zuckt die Schultern: Wenn genug Material da ist, keine Haselmaus kommt, und keiner prozessiert...

Mithilfe künstlicher Intelligenz hat Plößl es schon fast geschafft, sich selbst optimal zu versorgen. Bald kommt das neue Sudhaus und der nächste Lastwagen wird ein Stromer - noch ein Speicher. „Wir sind soooo nah dran“, sagt Plößl und zeigt zwischen Daumen und Zeigefinger ein paar Millimeter.

Plößl zeigt Staatssekretär Gotthardt und MdL Preidl (von links), warum es in der Rhaner Brauerei gut läuft. - Foto: Johannes Schiedermeier