Der Mühlhiasl – wieder ein gelungener „Bruch“ auf der Burg

Am Ende sieht es dann immer ganz einfach aus: Die Zuschauertribüne bei jeder Vorstellung ausverkauft, der Lichtenegger Bund mit der dieses Jahr neuen Produktion „Mühhlhiasl – Das Spiel“ einen Volltreffer beim Publikum gelandet. Warum die Freude darüber in diesem Jahr besonders groß gewesen ist, erklären der Vorsitzende Ludwig Kern sowie der Autor und Regisseur des Stücks, Johannes Reitmeier, im Gespräch mit unserem Medienhaus.














Denn die Geschichte um den Außenseiter Matthäus Lang, den nach seinem Leben als Müller irgendwann alle nur noch den „Mühlhiasl“ nennen, sei nicht weniger als eines der größten Wagnisse gewesen, die der Lichtenegger Bund seit seiner Wiederbegründung vor 40 Jahre eingegangen sei – und habe eingehen müssen.
Brander Kasper als Maßstab?
Ein Problem bei der Neuproduktion in diesem Jahr habe sich aus dem vorangegangenen Erfolg ergeben, sagen Kern und Reitmeier: sechs Jahre ausverkaufte Vorstellungen mit dem „Brandner Kaspar“. Wirtschaftlich gesehen natürlich ein Erfolg, aber: „Es gab jetzt natürlich sicher auch sehr viele, die den Lichtenegger Bund über den Brandner Kaspar definiert haben“, sagt der Regisseur.
Der Vorschlag, nach 25 Jahren wieder den „Mühlhiasl“ zu spielen, sei letztlich von ihm selbst gekommen, sagt Johannes Reitmeier. Irgendwie könne man schon Parallelen zur ersten Aufführung im Jahr 1992 ziehen. Auch damals habe das Stück einen Bruch bedeutet, wenn auch in anderer Weise. Nach der Neugründung des Vereins hatte es ab 1986 bereits bestehende Stücke gegeben, die Reitmeier – auch damals schon Regisseur beim LiBu – als „Ritterdramen“ bezeichnen würde.
Unbegründete Zweifel
Ein Konzept, dem nach und nach die Zuschauer fehlten, weshalb mit dem „Mühlhiasl“ damals das Konzept komplett geändert worden sei. Ein Wagnis, denn: Was, wenn das Stück, das keine leichte Unterhaltung ist, beim Publikum gar nicht ankommen würde?

Mehr als 30 Jahre später habe der Verein vielleicht vor einer ähnlichen Situation gestanden – zumindest hat es nicht nur der Regisseur so empfunden. Bevor der Kartenvorverkauf begonnen hatte, habe er immer gesagt: „Erwartet alles, nur nicht, dass das Stück am ersten Tag ausverkauft ist. Es wird sich erst nach und nach füllen.“
„Wir hatten da sicher auch einen gewissen Vorschuss durch den Brandner Kasper“
Ludwig Kern, Vorsitzender des Lichtenegger Bundes
Befürchtungen, die sich letztlich als unbegründet herausgestellt haben – auch der „Mühlhiasl“ war schnell ausverkauft. „Wir hatten da sicher auch einen gewissen Vorschuss durch den Brandner Kasper“, schätzt Ludwig Kern. Aber: Würden sich die Zuschauer auch auf das neue Stück einlassen, das nicht mehr überwiegend vom Spiel der beiden Hauptakteure, sondern von der Leistung des gesamten Ensembles getragen werde? Sie haben es, das wissen nach dem letzten Vorhang alle. Der „Mühlhiasl“ war ein Erfolg, der im nächsten Jahr aber erst einmal wiederholt sein wolle. Am Lichtenegger Bund und seinem Regisseur soll es jedenfalls nicht liegen: „Wir haben jetzt schon wieder eine Menge Ideen, die wir nächstes Jahr in das Stück einbringen können“, sagt Kern.

Möglichkeiten gebe es viele, schließlich habe der LiBu mit der Neuauflage nicht einfach nur ein bestehendes Stück auf die Bühne gebracht. Johannes Reitmeier sagt, dass es quasi keine einzige Szene gebe, die er nicht erweitert habe, um das Stück für Spieler und Zuschauer attraktiver zu machen. Auch für den ausgezeichneten Regisseur eine Herausforderung, den „Mühlhiasl“ dabei organisch zu halten, nicht auszuufern oder gar „geschwätzig“ zu werden.

Das Publikum hat seine Entscheidung schon vor der Premiere getroffen, wie es scheint. Denn obwohl das Stück im vergangenen Jahr krankheitsbedingt hatte abgesagt werden müssen, seien „vielleicht zehn Karten zurückgegeben“ worden, erinnert sich Ludwig Kern. Belohnt wurden alle in dieser Saison zwar nicht gerade mit sommerlichen Temperaturen – wobei die Stimmung durchaus zum Stück gepasst habe, wie Kern meint – dafür aber mit einem Stück, in das viel Energie auch abseits auf und in die Bühne geflossen sei. Völlig neue Kostüme, eine Bühne, die wie eine Arena aufgebaut ist und auch durch neueste Beleuchtungstechnik gar nichts mehr mit der Bühne des „Mühlhiasl“ aus früheren Tagen gemein hatte.

Dem Stück ist der „Bruch“ auf der Burgruine ein zweites Mal geglückt und hat den Besuchern eindrucksvoll gezeigt, welche schauspielerische Vielfalt in den Mitgliedern des Lichtenegger Bundes steckt – vereilt über vier Generationen mit Spielern im Alter zwischen vier und 85 Jahren.

Eine so langjährige Karriere wie der „Brandner Kasper“ werde das Stück aber wohl nicht mehr nehmen, sind sich der Regisseur und der LiBu-Vorsitzende einig. Spätestens nach der dritten Spielzeit werde es wohl Zeit werden, die gut 200 Jahre alten Weissagungen des „Mühlhiasl“ und sein Leben als Außenseiter wieder ruhen zu lassen. Wobei Johannes Reitmeier auch für das Jahr 2026 sicher ist, dass die Thematik immer noch so aktuell ist wie vor über 30 und vor 25 Jahren. „Das gilt nicht nur für die Weissagungen, in die man ja wirklich sehr viel hineininterpretieren kann.“ Leider sei auch die Thematik des Außenseiters in der Gesellschaft immer noch aktuell und das Stück bei aller Schwere für das Publikum sehr gut greifbar.

Wenn es dann noch so modern und bildgewaltig umgesetzt wird wie auf der Waldbühne im Schatten des Pallas der Burgruine, dann sollten sich Theaterfreunde Anfang Dezember rot im Kalender anstreichen: Dann wird wieder der Vorverkauf für die zweite Saison des „Mühlhiasl“ beginnen – und wenn sich sogar so erfahrene Theaterschaffende wie Johannes Reitmeier irren können, was das Interesse an einem so tragischen Stück angeht, könnte die Gefahr für Karten-Käufer sprichwörtlich im Verzug liegen ...
