Baustelle bei Obertraubling bringt Autofahrer auf die Palme

Von Jürgen Scharf · 7. August 2025 um 11:00

Mitten in Piesenkofen im Landkreis Regensburg ist die Durchfahrt gesperrt. Nicht jeder kann das nachvollziehen. Bürgermeister und Landratsamt verweisen darauf, dass es „leider nicht anders geht“.

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Und noch eins. Der weiße Skoda, in dem eine junge Frau am Steuer sitzt, ist das vierte Auto innerhalb von zehn Minuten, das direkt bis zu den Absperrschildern der Baustelle vorrollt. Hier folgt dann das Wendemanöver. Erst links einschlagen, dann rechts und zurück, dann wieder links und zurück auf die Kreisstraße Richtung Obertraubling. In Piesenkofen geht es nämlich nicht mehr weiter. Sechs Wochen lang. Und einigen Bürgern geht das mächtig auf den Keks.

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Am vergangenen Freitag wurde die Ortsdurchfahrt unterbrochen. Das Landratsamt teilte mit, dass das kleine Brücklein, das im Bajuwarenweg über den Litzelbach führt, derart marode ist, dass es abgerissen und neu gebaut werden muss. Die Straße müsse voraussichtlich bis Mitte September komplett gesperrt werden, weil neben der Baustelle die „erforderliche Restfahrbahnbreite nicht mehr eingehalten werden kann“.

Warum dauert es so lang?

Der Landkreis Regensburg hatte alle Autofahrer und Anlieger „um Verständnis für die während der Bauzeit auftretenden Verkehrsbehinderungen und die notwendigen Umleitungen“ gebeten. Dieses Verständnis zeigen nun aber bei weitem nicht alle. Einige sagen sogar, dass sie sehr verwundert darüber seien, was hier gemacht wurde. Johann Mooslechner ist eigens aus Obertraubling hergefahren, „um sich mal vor Ort anzuschauen, was das geworden ist“. Dass jetzt „wegen dieses kleinen Brückleins“, wie er sagt, sechs Wochen die Straße gesperrt wird, komme ihm wie ein Schildbürgerstreich vor: „Man fragt sich, ob das wirklich alles mit Sinn und Verstand geplant wurde.“

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Er könne nicht wirklich glauben, dass es überhaupt keine Möglichkeit gibt, den Verkehr neben der Baustelle zumindest einspurig weiterlaufen zu lassen. Und dass das alles mindestens eineinhalb Monate dauert, kann er sowieso überhaupt nicht nachvollziehen: „Das steht doch in keinem Verhältnis zur Größe der Baustelle.“

Mit allen Mitteln scheint in der Tat nicht probiert zu werden, die Bauzeit zu verkürzen. Am vergangenen Montag etwa ist um halb vier Uhr nachmittags bereits kein Betrieb mehr auf der Baustelle. Die Bagger stehen verlassen herum. Auch Reinhold Staubach aus Oberhinkofen ist sauer wegen der Sperrung: „Das ist eine viel befahrene Gemeindestraße und die wird da jetzt komplett gekappt.“ Er müsse, wenn er etwa zum Supermarkt nach Obertraubling will, „nun einen Riesenumweg machen“ – und bezweifelt, ob das wirklich sein hätte müssen.

Uns ist bewusst, dass die Baustelle für Probleme beim Straßenverkehr sorgt.

Rudi Graß, Bürgermeister

Zu den Details der Baumaßnahme will das Landratsamt keine Stellung nehmen. Dieses verweist komplett auf die Gemeinde Obertraubling, da diese Bauherr des Projekts sei.

Diese teilt auf Anfrage mit, dass die Baumaßnahme auf Vorgabe des Landratsamtes bewusst von Juli auf August verschoben wurde, weil es hier weniger Verkehr gebe. Zu der Frage, ob nicht doch eine halbseitige Sperrung ausgereicht hätte, sagt die Gemeinde, dass dies „während der Abbrucharbeiten, der Spartenumverlegung sowie der Fundamentierung vollkommen ausgeschlossen“ ist. Erst wenn diese Arbeiten, für die derzeit sechs Wochen angesetzt sind, abgeschlossen sind, soll die Vollsperrung aufgehoben und wieder eine Spur der Straße befahren werden können.

Bagger sind vor Ort. - Foto: Jürgen Scharf

Nach Angaben der Gemeindeverwaltung sind für den Abriss und Neubau 610 000 Euro veranschlagt. Gegenüber der Mittelbayerischen sagten mehrere von der Baustelle betroffene Bürger, dass sie sich gewünscht hätten, dass das Projekt in einer kürzeren Zeit als den veranschlagten sechs Wochen zu Ende gebracht werden würde, notfalls auch mit einer kostenpflichtigen Ausweitung der Arbeitszeiten in den Abend und aufs Wochenende.

Wie teuer darf es werden?

Im Verhältnis zu den Beeinträchtigungen würden sie dies als einen „finanziell berechtigten Zusatzaufwand“ sehen, meinen die Bürger. Die Gemeinde schließt ausgeweitete Arbeitszeiten allerdings aus: „Alleine die ausgedehnte Lärmbelästigung sowie Zuschläge von 100 Prozent und mehr sprechen dagegen“ , teilt sie mit. Die Einschätzung, dass dies ein „berechtigter Zusatzaufwand“ sei, „ist ohne weitere Fakten eine sehr subjektive Aussage, welche unserer Ansicht nach nicht zutrifft“.

„Uns ist bewusst, dass die Baustelle für Probleme beim Straßenverkehr sorgt, aber das ist eben leider nicht zu ändern“, sagt Obertraublings Bürgermeister Rudi Graß. Die Anwohner und Autofahrer bitte er dafür um Verständnis.