Das „Radieserl“ schrumpft: Neunburger Bioladen schaltet einen Gang zurück

Eine traurige Nachricht für Liebhaber von Bio und veganem Essen: Der Bioladen Radieserl an der Hauptstraße in Neunburg im Landkreis Schwandorf schaltet einen Gang zurück. Ein Flyer hängt an der Tür. Darauf steht: „Wie geht es weiter?“ Die Antwort folgt direkt: „kleiner.“ Aber was ist passiert?
Seit dem 2. Juli sind die Öffnungszeiten kürzer und das Bistro im Bioladen hat zugemacht. Das sind zwei der Konsequenzen, die Inhaberin Monika Geissler aus Problemen zieht, die sie schon länger plagen: die Miete des Hauses und die gestiegenen Personalkosten. „Wir mussten damals das gesamte Haus mieten“, erinnert sich Geissler. Das sei seinerzeit nicht schlimm gewesen: Ihr Mann habe im ersten Stock ein Büro und ihre Schwiegermutter eine Wohnung. Die sei aber mittlerweile ausgezogen, weil es vor allem in der Zeit der gestiegenen Inflation unsicher war, ob der Laden weiter bestehen könne. Diese Unsicherheit sei ihr schließlich zu viel geworden, und sie habe sich nach einer anderen Wohnung umgeschaut – nun stehen die Räume an der Hauptstraße leer.
Eigentlich kein Problem, wenn da nicht die Tatsache wäre, dass der Aufgang zur Wohnung durch das Radieserl hindurch führt. Fremde Mieter sind hier also ein Problem. „Ich bin darauf angewiesen, dass ich die Wohnung vermiete“, sagt Geissler. Auch wird die Immobilie nicht verkauft, was eine bauliche Lösung, wie zum Beispiel eine Außentreppe, ausschließt.
Die Reißleine gezogen
Das zweite Problem: die Personalkosten. „Mit dem gestiegenen Mindestlohn konnten wir uns das nicht mehr leisten“, sagt sie. Sechs Angestellte hatte Geissler bisher. Jetzt ist es nur noch eine. „Bis Juni hatten wir immer zwei Personen im Laden“, erklärt sie. Eine an der Kasse, die andere im Café. Da es nun kein Café und kein Mittagessen mehr geben wird, fällt das weg.
Nun hat sie also die Reißleine gezogen. Anstatt sechsmal die Woche hat sie nur noch mittwochs, donnerstags und freitags offen. „Wenn einer von uns krank wird, kann er die Arbeitszeiten der anderen Person übernehmen“, so Geissler. Der gesamte hintere Bereich des Ladens – auf Höhe der Seitentür – wird geschlossen. Hier kommt ein Lager hin. So können etwaige Mieter in den ersten Stock, ohne durch den Verkaufsraum gehen zu müssen.
Mit dem verkleinerten Laden wird auch das Sortiment verkleinert. „Wir waren für die Ladengröße sehr breit aufgestellt“, sagt Geissler. So soll es beispielsweise keine drei verschiedenen Sorten Spaghetti in Zukunft mehr geben, „Wir konzentrieren uns stattdessen auf das, was gekauft wird.“

Seit drei Wochen ist das Café zu und der Laden seltener offen. „Meine Erwartungen haben sich erfüllt“, berichtet Geissler. Bedeutet für sie: „Das, was an Kundschaft weggebrochen ist, ist weniger, als ich bei den Lohnkosten spare.“ Für die Zukunft hoffe sie auf einen soliden Kundenstamm, der ihnen die Treue hält. Denn mit den Supermärkten könne sie nicht konkurrieren.
Vor allem um den Mittagstisch sei es schade, meint Geisserl. Man habe anfangs mit veganen und vegetarischen Gerichten ein gutes Kontrastprogramm zum Metzger anbieten können. Im Endeffekt habe man aber zu wenig verkauft. Rund 20 Mahlzeiten seien pro Tag zusammengekommen. Auch deswegen ist das Café nun Geschichte.
Inhaberin zuversichtlich
Aber es ist gibt auch gute Nachrichten beim Radieserl. Mittwochs gibt es frisches Obst und Gemüse im Laden und freitags liefert die Biobäckerei Wagner aus Passau ab sofort weizenfreies Brot. Geissler ist zuversichtlich, dass das neue Konzept aufgeht. Bis Ende des Jahres möchte sie ausprobieren, wie das Geschäft läuft. Wenn alles wie geplant funktioniert, möchte sie die Wohnung im ersten Stock wieder vermieten.
Für Geissler ist die Umstellung auch aus einem anderen Grund eine gute Idee: ihre vier Kinder. Die seien in jüngster Zeit zu kurz gekommen, weil sie fast jede Woche von Montag bis Samstag im Laden gearbeitet habe. Kürzere Öffnungszeiten bedeuten für sie auch, mehr Zeit mit ihren Kindern zu haben.