Schwimmende Hilfe auf vier Pfoten – Wie Schäferhündin Nora zur Lebensretterin wird

Von Bernd Hofmann · 6. August 2025 um 05:00

Wenn am Schwandorfer Klausensee jemand in Not gerät, möchte bald ein besonderes Team ausrücken: Eine erfahrene Wasserretterin – und ihre vierbeinige Begleiterin. Was zunächst wie eine kuriose Idee klingt, ist das Ergebnis monatelangen Trainings. Noch ist es eine Übung. Wie das Konzept funktioniert, erklärt Silvia Seitz von der Wasserwacht vor Ort.

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Schwimmen war nie meine große Stärke. Das schießt mir durch den Kopf, als ich den Ertrinkenden spiele. Ich fuchtel wild mit den Armen, berühre mit meinen Füßen schon längst nicht mehr den Boden des Klausensees. Dann eine Stimme: „Die Wasserwacht Schwandorf, bleiben Sie ruhig!“ Zwei Gestalten rennen ins Wasser und schwimmen in meine Richtung: Eine Frau im Neopren und ein Schäferhund. Er schwimmt zielstrebig auf mich zu, ich sehe nichts als seinen Kopf und seine Schnauze. Ich werde unruhig. Ob das wirklich funktioniert?

Das, was da funktionieren soll, ist im Landkreis Schwandorf ein neuer Einsatzbereich für Vierbeiner: Ein Hund in der Wasserrettung. Denn dort übt die Schäferhündin Nora, um einmal ein ausgebildeter Wasserrettungshund zu sein. Für die Vierbeiner gibt es bekanntlich viele Einsatzgebiete. Bei der Polizei, als Suchhunde, Hütehunde, Blindenhunde, Schulhunde, Therapiehunde – die Liste scheint fast endlos. Als Wasserrettungshund ist Nora im Landkreis aber einzigartig.

Der Klausensee in Schwandorf, einige Stunden zuvor: Ein paar Badegäste tummeln sich auf den Wiesen und im Wasser. Silvia Seitz hat heute mit ihren Kollegen der Wasserwacht Ortsgruppe Schwandorf Dienst. Etwas abseits vom Badegeschehen stehen ein paar Tische und Bänke im Halbschatten.

Geduldig wartet Nora, bis Seitz das Stand-up-Paddle der Wasserwacht vorbereitet. Bernd Hofmann - Foto: Bernd Hofmann

Hier ist die vierjährige Hündin Nora angebunden und wartet schon ganz ungeduldig: Ihr Frauchen kommt vom Umziehen zurück. Silvia Seitz trägt einen Neoprenanzug, Prellweste und einen Helm. Alles in den markanten Farben der Wasserwacht: rot und blau. Sie ist die eine Person, die man am See nicht aus den Augen verlieren kann.

Der Hund als Hilfsmotor

Jetzt kommt Nora dran: Für sie gibt es eine neongelbe Weste. Die hat Haltegriffe und sorgt im Wasser für Auftrieb. Das macht das Schwimmen einfacher. „Der Hund ist bei der Rettung mein Rettungshilfsmittel“, erklärt Seitz. Sie soll die Rettung von Personen einfacher machen und unterstützt dabei mit ihrer Kraft und Ausdauer. Trotzdem muss eine Rettung auch immer ohne sie möglich sein.

So eine richtige Rettung wird es heute zum Glück nicht geben; stattdessen üben die Beiden fleißig. Also: Ab in Wasser und gemeinsam mit dem Hund schwimmen. Seitz hält sich an Noras Weste fest und lässt sich von der Hündin ziehen wie von einem Hilfsmotor. Sie springen vom Steg oder fahren auf dem Stand-up-Paddle über den See. Den beiden bei ihren Übungen zuzusehen, sollte der angenehmste Teil des Tages werden: etwas später bin ich es, der in die Rolle des Ertrinkenden schlüpft.

Zwischen den Übungen muss Nora dann doch kurz Hund sein, flitzt über den Rasen oder schnüffelt in einem nahen Gebüsch. Ein Ruf ihres Frauchen in Rot und sie steht wedelnd wieder bei Fuß für die nächste Übung. „Wasser ist für sie das Nonplusultra“, erzählt Seitz.

Für die Ausbildung müssen Seitz und Nora zwar größtenteils eigenverantwortlich üben, es gibt aber auch Trainingscamps, so wie erst vor einigen Wochen in Würzburg. Organisiert wird das Ganze von der Augsburger Wasserwacht. Zwei Jahre dauert die Ausbildung normalerweise.

Ein italienisches Vorbild

Dabei wird alles Mögliche geübt: Ein- und Zweipersonenrettung, Abseilen gemeinsam mit dem Hund oder das gemeinsame Springen ins Wasser. Großes Vorbild für die Kurse der Wasserwacht Augsburg ist die „Scuola Italiana Cani Salvataggio“ – die italienische Rettungshundeschule.

Beim Ausbildungskurs in Würzburg hat das Duo auch das Springen aus einem Boot ins Wasser geübt. Mit dabei waren einige der 20 Wasserrettungshunde, die es in Bayern gibt, erklärt Seitz.

Das Duo beim gemeinsamen Ausbildungswochenende in Würzburg. - Foto: Markus Seitz

Das Boot in Würzburg hatte für die Sprungübung allerdings eine Bugklappe, was die Angelegenheit etwas einfacher macht. Ob es beim Boot der Schwandorfer Wasserwacht funktioniert? Seitz ist sich noch nicht ganz sicher. Mit dem Boot der Wasserwacht geht es hinaus auf den See.

Sie zieht sogar ein Boot

Zuerst eine kurze Rundfahrt – zur Patrouille. Seitz und Nora sitzen am Bug und genießen sichtlich das sonnige Wetter und die kühle Gischt. Dann zurück Richtung Strand – es wird ernst. Das Boot schaltet einige Dutzend Meter vor dem Badestrand den Motor ab. Seitz und Nora machen sich bereit, die Körper angespannt. Die Wasserretterin springt von dem Boot – und Nora? Loyal, wie nur ein Hund es sein kann, springt sie ihrem Frauchen hinterher.

Dann der nächste Schritt: Seitz legt ein Seil ins Maul der Schäferhündin und plötzlich zieht der Hund das ganze Boot mit Besatzung. Für die Übung nur einige Meter, aber das ist schon ein beeindruckender Kraftakt. Das macht die Hündin ziemlich gut, findet Seitz später. Sie will ein Video des Sprungs sehen. Damit sie weiß, was sie beim nächsten Mal besser machen kann.

Die Idee, einen Wasserrettungshund zu trainieren, kam ihr in der Corona-Zeit. Damals stellte Seitz für die Wasserwacht ein wöchentliches Magazin zusammen, in dem sie über verschiedene Themen rund ums Wasser informierte. Eines dieser Themen waren die Augsburger Wasserrettungshunde, erinnert sich Seitz. Irgendwann war dann klar: „Der nächste Hund wird ein Wasserrettungshund.“

Ein klassischer Griff

Und wie dieser Hund retten kann. Meine Sorgen verflüchtigen sich: Kurz bevor Nora bei mir ist, dreht sie ab und Seitz nimmt mich in den klassischen Rettungsschwimmer-Griff: eine Hand unters Kinn, damit mein Kopf über Wasser bleibt. Die andere Hand hält sich an Nora fest und die strampelt, was das Zeug hält. Ich liege mit meinem Körper halb auf Seitz, halb sorgt mein Körper für den nötigen Auftrieb. Und tatsächlich: Relativ zügig zieht uns Nora zum Ufer.

Bei der Zweipersonenrettung muss die Hündin ganz schön strampeln. - Foto: Dominik Seitz

Bei der Zweipersonenrettung dauert das Ganze etwas länger – Nora muss ganz schön mit den Beinen treten. Dafür darf ich mich an Noras Weste festhalten, Seitz hat währenddessen einen anderen Freiwilligen fest im Rettungsgriff. Ich muss zugeben, es ist eine sehr sanfte Rettung, wenn man von Hund und Mensch aus dem Wasser geholt wird. Von diesem Duo lasse ich mich gerne retten.