Angler holt riesigen Waller aus dem Schwetzendorfer Weiher

Der Vorsitzende des Pettendorfer Anglerclubs ist sich absolut sicher: Es ist der größte Fisch, der jemals aus dem Schwetzendorfer Weiher im Landkreis Regensburg gezogen wurde. 2,42 Meter lang und gut 80 Kilogramm schwer ist der Waller, den Sebastian Bauer am Freitagabend aus dem beliebten Badesee in der Gemeinde Pettendorf geholt hat – so groß wie der Raubfisch, der im Juni mehrere Badegäste im Brombachsee gebissen hatte.
So aggressiv war der Riesenwaller im Schwetzendorfer Weiher nicht. Allerdings hat er einigen Schwimmern immer wieder mal einen gehörigen Schrecken eingejagt, wenn sie ihn plötzlich unmittelbar neben sich bemerkt haben. Dass sich mehrere große Waller in dem Badesee tummeln, wissen die Mitglieder des Anglerclubs schon seit geraumer Zeit. Vorsitzender Rupert Eller geht davon aus, dass der Riesenfisch seit etwa 30 Jahren dort gelebt hat. Seines Wissens waren in den 90er-Jahren drei bis vier Exemplare in den See eingesetzt worden. „Sie haben sich zur Plage entwickelt“, betont Eller.
Dass sich Waller im Schwetzendorfer Weiher wohlfühlen, ist nicht außergewöhnlich. Sie sind wärmeliebend und bevorzugen stehende oder langsam fließende Gewässer. Waller profitieren vom Klimawandel und den dadurch steigenden Wassertemperaturen. Gerade große Exemplare haben keine Feinde, fressen aber selbst nahezu alles, was kleiner ist, als sie selbst. Dadurch können sie den Bestand kleinerer Fischarten dezimieren und die Artenvielfalt im Gewässer gefährden. Deshalb gibt es in Bayern keine Schonzeiten und Schonmaße für den Waller oder Wels, wie der Raubfisch eigentlich heißt. Ein Angler, dem ein Waller an den Haken gegangen ist, darf ihn nicht mehr zurücksetzen.
Mindestens 50 Karpfen im Jahr gefressen
Am Schwetzendorfer Weiher müssen die Angler schon seit Jahren ihren Besatz mit den Wallern teilen. Eller schätzt, dass der Riesenwaller im Jahr mindestens 50 Karpfen gefressen hat. Die Mitglieder des Anglerclubs haben die Waller deshalb seit einiger Zeit im Visier, vor allem die immer wieder gesichteten großen Exemplare. Dass es nun gelungen ist, diesen Riesenwaller zu erwischen, ist nach Ansicht von Eller ein Glücksfall, den vielleicht einer unter 1000 Anglern erlebe.
Das bestätigt auch Sebastian Bauer, der seit einigen Jahren in Reifenthal lebt und erst seit einem Jahr eine Jahreskarte für den Schwetzendorfer Weiher besitzt. Dabei ist der 43-Jährige, der eigentlich aus Kelheim stammt, ein sehr erfahrener Angler. Schon von frühester Jugend an warf er seine Angel vor allem an der Donau aus, wo er auch seinen bislang größten Fisch aus dem Wasser gezogen hat. Auch das war ein Waller, rund 1,30 Meter lang und zwölf Kilogramm schwer.
Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort
Dabei ist die Donau ein deutlich schwierigeres Revier als der Badesee in der Gemeinde Pettendorf. „Der Schwetzi ist sehr schön zu beangeln“, schwärmt Bauer. Dennoch hat er im vergangenen Jahr, als er noch mit Tageskarten angelte, gar nichts gefangen. Auch für Bauer ist es ein glücklicher Zufall, dass ihm nun dieses kapitale Exemplar an den Haken gegangen ist: „Ich war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort und hatte die richtige Ausrüstung dabei“, erklärt er.
Denn für einen solch besonderen Fang braucht es eine besondere Ausrüstung. Bauer entscheidet sich am Freitagabend dafür, seine schwere Angelrute mitzunehmen und eine sehr naturgetreue Fischnachbildung als Köder. Denn gerade ältere Fische sind mit normalen Ködern nur schwer zu fangen. Sie haben oft gelernt, wo sie besser nicht zubeißen sollten.
Enormer Zug an der Schnur
Bauer versucht es an mehreren Standorten rund um den See, ohne dass ihm irgend etwas an den Haken geht. Schließlich entscheidet er sich für das mittlere Floß am Westufer des Weihers und spürt schon kurz darauf einen enormen Zug an der Schnur. Ihm ist sofort klar, dass er einen sehr großen Fisch am Haken hat, für den er Hilfe braucht. Deshalb greift er zum Handy und verständigt einen befreundeten Angler. Dann beginnt er seinen Fang müde zu drillen. Dabei gibt der Angler dem Fisch abwechselnd Schnur und zieht ihn dann wieder heran. Er muss die Kraft des Fisches richtig einschätzen, um zu verhindern, dass die Schnur reißt. Letztlich geht es darum, dass das Tier müde wird und der Angler es Stück für Stück an sich heranziehen kann.

Bauer muss dabei darauf achten, dass der Waller nicht die Badeinsel inmitten des Weihers umrundet. „Sonst wäre vermutlich die Schnur gerissen und der Haken im Maul stecken geblieben“, erklärt er. Und dann ist da noch der Schwimmer, der kurz zuvor vom mittleren Steg ins Wasser gestiegen ist. Als er zurückkehren will, warnen ihn Bauer und einige mittlerweile eingetroffene Anglerkollegen. Sonst wäre der Schwimmer möglicherweise zwischen Fisch und Angler geraten.
In ein riesiges Maul geblickt
„Man ist da voller Adrenalin und in ständiger Angst, dass die Schnur reißt“, beschreibt der Reifenthaler den Kampf zwischen Fisch und Mensch, in den der Angler viel Kraft und Gefühl investieren muss. Nach einer halben Stunde ist dieser Kampf am Freitagabend entschieden. Und erst da zeigt sich, wie groß der Waller tatsächlich ist. Als der Kopf vor dem Steg auftaucht, ragt gut zwei Meter dahinter die Schwanzflosse aus dem Wasser. Dann blicken Bauer und seine Helfer in ein riesiges Maul. „Da denkst du erst mal an ein Ungeheuer“, beschreibt Bauer diesen Anblick.
Zusammen mit Peter Götz, Daniel Obermeier und einem weiteren Anglerkollegen zieht Sebastian Bauer den Riesenwaller schließlich auf den Steg – und ist selbst völlig überrascht von seinem kapitalen Fang. „Da wirst du schon auch ein Stück demütig vor einem so großen Tier“, erzählt er.