Mehr als Promi-Porträts: Die Bilder von Bryan Adams

Von Marianne Sperb · 2. August 2025 um 10:29

Ein Coup: Der Musiker als Fotograf. Mickey Rourke, Wim Wenders, Amy Winehouse, Willem Dafoe oder die Queen sind nur ein paar der Menschen, die ihm vertrauten. Einige der 79 Großformate sind erstmals zu sehen.

Wann Bryan Adams schläft, ist schwer zu sagen. Ständig gibt der Mann, dessen rauchige Stimme wie geschaffen ist für Rockballaden vom Schlag „Please Forgive Me“ oder „Summer of 69“, irgendwo auf der Welt Konzerte, ständig ist er auf Tour. Der schnelle Takt ist ziemlich umständlich für einen Künstler, der nicht gern fliegt, eher im Greyhound über Land fährt und der sein irres Pensum wohl auch nur schafft, weil er sehr gesund – auch vegan – lebt.

Trotzdem: Irgendwie gelingt es dem Sänger, Gitarristen und Komponisten, der in 40 Jahren an die 100 Millionen Tonträger verkauft hat, auch noch als bemerkenswerter Fotokünstler zu bestehen. Mit eigenen Augen studieren kann man das Phänomen jetzt im ACC in Amberg an 79 Großformaten.

Amy Winehouse, 2010 in London fotografiert: Die Sängerin, die 2011 starb, ist in mehrere Porträts von Bryan Adams in der Ausstellung präsent. - Foto: Bryan Adams

Amy Winehouse zeigt Bryan Adams 2007, in einer schwierigen Zeit. Ihr Gesicht liegt im Schatten, der Blick geht nach unten. Gleich daneben schaut sie vom Beifahrersitz eines Jeeps, unerreichbar und „Back to Black“. Das Steuer über ihr Leben hat die Sucht übernommen. Wim Wenders mit dunkler Brille und Künstlertolle, weißer Pikeekragen unter luxuriösem Mantel, tritt einem als Großmeister des Films gegenüber, mit den Mundwinkeln einer Sphinx. Und Tanzgott Sergei Polunin zeigt seinen wie von Michelangelo modellierten Körper in der Waagrechten, durchgestreckt vom Zeh bis zum letzten Fingerglied.

Die Stars vertrauen ihm

Bryan Adams spielt mit der Inszenierung. Er weiß, dass Fotos nicht die Wahrheit zeigen, sondern sie verhandeln, dass sie nicht abbilden, sondern gestalten. Und er kennt das Gefühl, fotografiert zu werden. Die Stars vertrauen ihm, und so entstehen Bilder, die mehr sind als Promi-Porträts.

Sir Ben Kingsley, 20210 in London fotografiert: Bryan Adams zeigt ihn mit Melone und großer weißer Blüte. - Foto: Bryan Adams

Laetitia Casta, wilde Mähne, auffordernder Blick, kokettiert mit ihrem kurzen Rock, der ihr nur knapp über den Schoß fällt – selbstbewusst und eben nur scheinbar verfügbar. Mickey Rourke konterkariert die herrschaftliche Pracht von Samtsofa und Barock-Bildrahmen im pinken Anzug, mit fettigem Haar, Kajal-Augen, Lederarmband und Kippe, den Ellbogen ziemlich k.o. auf dem Knie geparkt. Meistens braucht Bryan Adams keine Requisiten, die Körpersprache genügt. Wie bei Willem Dafoe, den er von oben aufnimmt, wie er auf nacktem Beton kauert, konzentriert und klar, beinahe wie eine Skulptur.

Bryan Adams im Selbstporträt: Er weiß, wie man mit der Inszenierung spielt. - Foto: Bryan Adams

Und manchmal braucht es selbst das Gesicht nicht: Von Louise Bourgeois, 2007 in New York aufgenommen, da war sie Mitte 90, ist nur das zarte faltige Handgelenk auf einem Aktenschrank zu sehen, die arthritischen Finger gebogen wie die Beine ihrer ikonischen, überdominanten Bronze-Spinne mit dem Titel „Maman“.

Alice Cooper mit Federboa, 2024 irgendwo in Deutschland von Bryan Adams porträtiert - Foto: Bryan Adams

„Bryan weiß, wie aus einem Moment eine Geschichte wird“, sagt Kunsthistorikerin Paula Vosse bei der Vernissage am Donnerstag im ACC. „Er ist sensibel für das, was zwischen Kamera und Mensch entsteht. Er sucht Nähe, wenn das Vertrauen da ist, und gibt Distanz, wo Schutz nötig ist.“ Ein Bild muss eben nicht laut sein, aber etwas zu sagen haben. Und: „Ein großartiges Foto muss nicht technisch perfekt sein, es muss unvergesslich sein“, zitiert ACC-Geschäftsführerin Erika Sauerwein den Künstler. Mit der Agentur Crossover präsentiert das Haus nun die größte Adams-Ausstellung seit Langem in Deutschland. Ein Dutzend der Bilder ist erstmals überhaupt zu sehen – insgesamt ein Coup, der Gäste in Scharen anziehen wird. Die Bilder-Auswahl fokussiert auf Menschen aus Kunst, Mode, Entertainment – und eine Royal: Elizabeth II. mit Perlenkette und Hut, neben sich Gummistiefel. Das war ein No-Go für den Palast. Die Queen höchstpersönlich gab das Foto frei.

Lesen Sie mehr: Stefan Hanke bekommt Regensburger Kulturpreis für ein Werk voller Strahlkraft

„Menschen sind Menschen“, sagt Bryan Adams gern. Dass er es ernst meint, belegte er zum Beispiel in seiner Serie „Wounded – The Legacy of War“, in Porträts von britischen Soldaten, die verletzt, verstümmelt, vernarbt aus Afghanistan und dem Irak heimkamen.

Seit rund 25 Jahren schon ist der Musiker sehr erfolgreich mit der Kamera unterwegs, zeigt seine Bilder in Ausstellungen, auf Magazin-Covern. Ob er es schaffen wird, selbst nach Amberg zu kommen? „Kaum“, winkt Kuratorin Anke Degenhard ab, Adams’ langjährige Kunstberaterin. „Dafür ist er einfach zu viel unterwegs.“

Durch die Ausstellung bei Live-Musik und Snacks

Die Ausstellung mit dem Titel #shotbyadams ist bis 19. September im ACC Amberg zu sehen – zum Beispiel auch mit Live-Musik, Snacks und Führungen in der Kunst-Nacht am 16. August (18 bis 24 Uhr). Zur Ausstellung gibt’s verschiedene Foto-Workshops. Alle Details im Netz bei: www.acc-amberg.de/shotbyadams