Kohlenmonoxid-Gefahr im privaten Pelletlager: Wie ein CO-Melder Leben rettete

Der Fall lässt aufhorchen: Der Besitzer einer Pelletheizung ist in Bamberg nur dank seines Kohlenmonoxid (CO)-Warnmelders einer möglicherweise tödlichen Kohlenmonoxid-Vergiftung entkommen. Die Ursache fand sich im Pelletlager.
Wir sprachen mit der Feuerwehr, der Landesinnung der Schornsteinfeger und dem Deutschen Pelletinstitut, wie hoch das Risiko von gelagerten Pellets ist und was man beim Betrieb von Pelletheizungen dringend zu beachten hat.
Es war kurz vor 22 Uhr, als der Bewohner eines Einfamilienhauses in Bamberg eine Warnung auf seinem Smartphone erhielt. Der installierte Kohlenmonoxid-Melder in seinem Haus, der mit seinem Smarthome verbunden ist, hatte ausgelöst. Der Mann setzte einen Notruf ab, die Feuerwehr Bamberg rückte mit schwerer Atemschutzausrüstung an.
CO-Wert 22-mal höher als zulässig
Es stellte sich heraus, dass dieser CO-Warnmelder den Bewohnern des Hauses möglicherweise das Leben gerettet hatte. Denn die Feuerwehr Bamberg stellte im Heizraum des Kellers, neben dem Lager der Pellets, Kohlenmonoxid-Werte bis 660 ppm fest. ppm steht für „Parts per million“ (Teile pro Million) und ist eine Maßeinheit, die die Konzentration eines Stoffes in einem Gemisch angibt. Am Arbeitsplatz (bei Vollzeit) sind nur bis zu 30 ppm zulässig.
Die Pellets waren kurz zuvor frisch geliefert worden. Offenbar durch eine chemische Reaktion hat sich giftiges Kohlenmonoxid gebildet. Möglicherweise waren die Pellets vor der Auslieferung nicht ausreichend lange gelagert worden, sagt Oliver Eßl, Sprecher der Bamberger Feuerwehr auf Nachfrage. Sicherheitshalber habe man beim Lieferanten weitere Informationen eingeholt und dort erfahren, dass aus dieser Pelletcharge noch zwei weitere Haushalte in Trunstadt (Kreis Bamberg) beliefert worden seien. Die FFW Trunstadt habe die dortigen Bewohner noch in der Nacht aufgesucht. Und auch hier stellten die Einsatzkräfte eine erhöhte CO-Konzentration fest, in einem Haus bis 150 ppm, wie der Sprecher der Feuerwehrkreisverbands Bamberg, Oliver Pflaum, mitteilt.
Wie genau es zu den hohen CO-Werten kommen konnte, lässt sich aktuell nicht sicher sagen. Möglich sind laut Feuerwehr eine falsche und unzureichende Lagerung direkt nach der Pressung. Das Holz könne dann noch Fette beinhalten, die in Verbindung mit Sauerstoff reagieren. Auch ein Defekt an der Heizungsanlage verschulde oftmals einen hohen CO-Wert. Dieser mache sich aber zumeist durch Rauch bemerkbar, was hier nicht der Fall war.
FFW rät zu CO-Warnmeldern
Florian Kaiser, Stadtbrandrat der Feuerwehr Bamberg, sagte gegenüber dem Bayreuther Tagblatt, die Konzentration von 660 ppm sei absolut tödlich. „Die Bewohner wären vermutlich im Schlaf erstickt.“ Die Feuerwehr appelliert daher an die Besitzer von Pelletheizungen, solche CO-Warnmelder in den Heizräumen zu installieren. Den Bewohnern des Bamberger Hauses, das von den Einsatzkräften mit Atemschutzausrüstung betreten wurde, hat er möglicherweise das Leben gerettet. CO-Melder gibt es ab 30 Euro aufwärts im Handel.
Auch beim Deutschen Pelletinstitut mit Sitz in Berlin hat man von den Fällen in und um Bamberg schon gehört. Direkt dazu äußern wolle man sich mangels fehlender Kenntnisse von vor Ort nicht, so Pressesprecherin Anna Katharina Sievers. Aber sie bitte darum, die CO-Werte relativiert zu betrachten. In oder rund um ein Pelletlager seien die Werte immer viel höher. Auch die in Bamberg gemessenen 660 ppm seien möglich, sagt sie. Entscheidend seien die Bauart und eine ausreichende Belüftung des Pelletlagers nach aktuellem Stand der Technik.
Bei der Verwendung von CO-Warnmeldern sei ihrer Meinung nach auch Vorsicht geboten. Ein Melder direkt in der Nähe des Lagers mache wenig Sinn, da die Kohlenmonoxid-Konzentration dort immer viel höher wäre. Zudem könne Feinstaub in der Luft dessen Funktionalität behindern.
Sievers verweist auf eine Aufstellung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), wonach ein dreistündiger Aufenthalt bei einer CO-Belastung von 100 ppm Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit verursachen könnten. Bei über 800 ppm könnten ein bis zwei Stunden zur Bewusstlosigkeit führen, bei zwei bis drei Stunden besteht Todesgefahr. Sievers: „Solange sollte sich grundsätzlich niemand in einem unbelüfteten Heizungsraum aufhalten.“
Schornsteinfegerinnung: Kein Grund zur Sorge
Nicht nur die Feuerwehren, auch der Landesinnungsverband für das Bayerische Kaminkehrerhandwerk betont indes, dass die zulässigen Grenzwerte von 30 ppm in begehbaren Räumen nicht überschritten werden sollten. Daher sei ein CO-Melder dringend zu empfehlen. Landesinnungsmeister Heinz Nether gibt aber auch zu Bedenken, dass es wahrscheinlicher sei, von einer Leiter zu fallen, als durch das Kohlenmonoxid eines Pelletlagers ernsthaft gefährdet zu werden. Die Technik sei hier in den vergangenen Jahren massiv weiterentwickelt worden, es bestehe kein Grund zur Sorge. Freilich, und das räumt auch Nether ein: Den Zustand der Pellets kontrollieren könne der Verbraucher nicht. „Hier muss er sich auf den Lieferanten verlassen.“
Darauf sollte man bei der Pelletlagerung achten
Generell empfehlen FFW wie Schornsteinfeger die Installation von CO-Meldern in Heizräumen, zudem müsse dort für eine ausreichende Be- und Entlüftung gesorgt werden. Ein längerer Aufenthalt im Heizungsraum sollte nach Möglichkeit vermieden werden. Zudem müsse sichergestellt sein, dass die Luft aus dem Pelletlager nicht über Rohre oder Kabelschächte in Wohnräume gelangt. Kohlenmonoxid ist völlig geruchlos, aber auch leicht entflammbar. Es besteht daher nicht nur die Gefahr einer Vergiftung, sondern auch eines Brandes.
Alle drei Pelletlager in Bamberg und Trunstadt wurden von einer Spezialfirma abgesaugt und die Pellets in Spezialbehältern der FFW abtransportiert. Allein beim Haushalt in Bamberg waren das elf Tonnen. Aktuell werden die Pellets laut Eßl bei der FFW gelagert und dann an den Lieferanten zurückgegeben.
Wer trägt die Kosten für die Pellets und den Einsatz?
Wer für die Kosten des Einsatzes, der Entsorgung und den Verlust der Heizladungen der betroffenen Kunden aufkommt, ist bislang offen. „Die Stadt Bamberg wird wohl für die FFW Bamberg eine Rechnung an den Heizungsbesitzer über die Einsatzkosten schicken“, vermutet Eßl. Ob diesem indes die elf Tonnen Pellets ersetzt werden, ist unklar. Das sei auch eine Versicherungsfrage, so Eßl. Aktuell liegt der Preis für eine Tonne Pellets bei durchschnittlich 285 Euro.