Müll im Holzofen verheizen? Kaminkehrer erklärt, warum das eine schlechte Idee ist
Nicht nur die Preise für Öl und Gas schossen regelrecht nach oben. Auch Brennholz und Pellets werden immer teurer. Wer einen Holzofen zuhause hat, könnte da auf die Idee kommen, seinen Müll einzuheizen. Doch das ist eine schlechte Idee, sagt ein Experte.
„Müll ist kein zugelassener Brennstoff“, erklärt Holger Frischhut aus Moosthenning (Landkreis Dingolfing-Landau), Obermeister der Kaminkehrer-Innung Niederbayern. Je nach Feuerstelle sind nur Scheitholz, Holzbriketts oder -pellets sowie Kohle erlaubt. Altpapier, Kartons, Kunststoffe, Kleidungsstücke und weitere Abfälle sind hingegen kein zulässiges Brennmaterial.
Wer sie trotzdem verheizt, dem droht ein Bußgeld vom zuständigen Landratsamt. Wie hoch dieses ausfällt, hängt laut Frischhut vom jeweiligen Fall ab - etwa, ob es sich um einen Wiederholungstäter handelt. Die Spanne reicht dabei bei Privatpersonen nach Behördenangaben von 100 Euro bis 100.000 Euro.
Wer Müll verbrennt, schadet sich und seiner Umgebung
Im Ofen Zuhause herrschen ganz andere Temperaturen als in einer Müllverbrennungsanlage. Dementsprechend schlecht verbrennen Abfälle, was laut dem Experten sowohl für die Feuerstätte als auch für den Nutzer schlecht ist.
Für letzteren gilt das, weil dieser schädliche Abgase und Feinstaub einatmet - oder sich die Schadstoffe im eigenen Garten sowie auf Nachbargrundstücken ablagern. Dioxine, Furane und Salzsäure, die bei der Verbrennung von Müll entstehen, greifen zudem Feuerstätte und Kamin an.
Müllsünder leicht zu entlarven - doch sie werden immer weniger
Ob jemand Abfall in seinem Holzofen verheizt, ist laut Kaminkehrer-Obermeister Holger Frischhut für den Experten einfach zu erkennen. Anhand verschiedener Indikatoren wie Rückstände in der Asche oder am Ofen lassen sich Müllsünder leicht entlarven.
Trotz gestiegener Kosten für Brennstoff - und auch für die Abfallentsorgung - sind die Fälle von illegaler häuslicher Müllverbrennung in Niederbayern sogar deutlich gesunken, sagt Frischhut. „Zu meinen Lehrlingszeiten vor rund 30 Jahren wurde vor allem auf den Dörfern noch oft Müll verheizt. Heute kommt das nur noch sehr selten vor“, sagt er.
Der Obermeister glaubt, dass das mit dem gestiegenen Umweltbewusstsein zusammenhängt. „In den 80er Jahren hat man sich da weniger Gedanken gemacht“, sagt er. Die heutige Infrastruktur mit den Recyclinghöfen habe da sicher auch ihren Teil dazu beigetragen.
Strenger Geruch aus dem Kamin heißt nicht, dass Müll verheizt wird
Im gesamten Bezirk Niederbayern habe es im letzten Jahr nicht mal eine Handvoll Beanstandungen gegeben, hinter denen tatsächlich ein Müllsünder steckte. Wenn sich Nachbarn über Geruchsbelästigung durch Rauch aus dem Kamin beschweren, hänge das oft auch mit unsachgemäßer Nutzung zusammen.
„Das Problem befindet sich oft vor dem Ofen“, sagt Kaminkehrer-Obermeister Holger Frischhut. Die häufigsten Fehler: Das Holz ist noch zu nass, die Luftzufuhr falsch eingestellt oder die Brennstoffmenge zu gering.