Das Nürnberger Sternentheater soll im Herbst noch heller strahlen

Das Nürnberger Planetarium bereitet sich auf einen glanzvollen Herbst vor. Nach der Renovierung der Kuppel soll es im September wieder öffnen. Im Oktober kommt Schriftsteller Raoul Schrott mit einer Lesung, die wie gemacht ist für das einzigartige Gebäude am Plärrer.
Das Planetarium am Nürnberger Plärrer ist einzigartig im gesamten Freistaat. Und das laut Katharina Leiter im wahrsten Sinne des Wortes. „Das Nicolaus-Copernicus-Planetarium ist eines von neun Großplanetarien in Deutschland und das einzige in Bayern“, sagt die Chefin des 1961 eröffneten Sternentheaters zwischen dem nüchternen Plärrerhochhaus als moderner Heimat der Stadtwerke und dem verspielten Volksbad als Hochburg des Jugendstils.
Letzteres wird aktuell bekanntlich wieder auf Vordermann gebracht. Auch das Umfeld soll im Rahmen der Wiedereröffnung des Prachtbades mit mehr Grünflächen und breiteren Gehwegen aufgehübscht werden. Davon dürfte auch das Planetarium profitieren.
Wohl nicht von ungefähr soll die Kuppel im Innenraum in den Sommerferien einen neuen Anstrich erhalten. Denn bislang ist die Unterkonstruktion der Kuppel bei Projektionen teilweise sichtbar gewesen, was die Qualität der Bildwiedergabe negativ beeinträchtigt hat. Der neue Anstrich soll die Bildwiedergabe verbessern. Soweit die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht lautet, dass das Planetarium während der Sanierungsarbeiten bis zum September geschlossen bleibt.
Raoul Schrott kommt im Oktober nach Nürnberg
Allerdings können sich die Fans von fernen Galaxien und Planeten gemeinsam mit Leiter auf die Wiedereröffnung freuen. Denn im Herbst steht ein richtiges Highlight auf dem Programm. Der für seine von der Antike bestimmte Literatur bekannte Schriftsteller Raoul Schrott hat das Nürnberger Nicolaus-Copernicus-Planetarium ausgewählt, um seinen genauso ehrgeizigen wie voluminösen „Atlas der Sternenhimmel“ am 24. Oktober höchstpersönlich hier vorzustellen.
In seinem epochalen Werk hat Schrott nicht nur die Sternenhimmel von allen Kontinenten zusammengetragen, sondern auf fast 1300 Seiten auch die gesammelten Sternsagen von Afrika über Asien bis Amerika versammelt. Laut Schrott ist der Große Wagen für die Maya beispielsweise ein göttlicher Papagei und für die Inka der einbeinige Gott des Gewitters gewesen.
Lesung mit Sternenerlebnis im Planetarium Nürnberg
Im Zusammenspiel mit den einzigartigen Möglichkeiten des Planetariums zur künstlichen Projektion des Firmaments an das Kuppeldach will Schrott den Besuchern das globale Sternenzelt als ein funkelndes Epos der Menschheitsgeschichte präsentieren. Einen passenderen Ort als Nürnberg hätte sich Schrott für diese Aufgabe wahrscheinlich nicht aussuchen können.
„Die Geschichten, die wir Menschen an Hand der Sterne erzählen, erzählen auch immer etwas über uns selbst, über die Kultur, in der wir aufgewachsen sind und die uns geprägt hat“, sagt Leiter und zitiert eine Zeile aus Schrotts neuem Sternenatlas. „In einer Zeit vor der Schrift, war unser Sternenhimmel ein Kino der Nacht.“
Leider drohe dieser Schatz der Menschheit immer mehr in den Hintergrund zu geraten. Die Jugend würde heute laut Leiter leider lediglich mit einem schalen Abbild dieses großen Kulturgutes groß. „Hier in unserem Planetarium können wir den Sternenhimmel in seiner vollen Pracht erstrahlen lassen und die Faszination für dieses unvergleichliche Kunstwerk der Natur wieder von neuem wecken“, sagt Leiter. „Das Planetarium in Nürnberg ist ein unvergleichlicher Erlebnisort“, schwärmt Leiter.
Neustart des Planetariums im September
„Die 360-Grad-Fulldome-Projektionen ermöglichen den Besuchern, in ferne und abstrakte Welten einzutauchen, die sie so nie betreten könnten und macht dieses erfahrbar. Es baut eine emotionale Brücke zu diesen unendlichen Weiten und hilft uns Menschen, uns in diesem großen Ganzen besser zu verorten“, sagt die Astrophysikerin und fiebert schon dem Re-Start unter dem neuen Kuppeldach am 10. September entgegen. Bei einer Live-Vorführung mit Jürgen Sadurski unter Einsatz des alten Zeiss-Projektors soll dann der Nürnberger Sternenhimmel im Rampenlicht stehen.
Gut zu wissen:
• Geschichte: Nürnberg verfügt über Bayern einziges Großplanetarium. Bereits in den 1920er Jahren wurde das erste Sternentheater am Rathenauplatz eröffnet. Unter den Nationalsozialisten wurde das erste Planetarium wegen seiner angeblich an eine Synagoge erinnernde Kuppel zerstört. Nur der wertvolle Projektor konnte gerettet werden.
• Renovierung: Im August bleibt das Haus wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Am 10. September soll die erste Live-Show zum Nürnberger Nachthimmel stattfinden.
• Höhepunkt: Am 24. Oktober kommt Schriftsteller Raoul Schrott und stellt seinen neuen „Atlas der Sternenhimmel und Schöpfungsmythen der Menschheit“ vor. Der Eintritt kostet 15 Euro.
• Internet: Infos rund ums Planetarium gibt es im Internet unter /bz.nuernberg.de/programm/planetarium.