Alte Postdirektion in Nürnberg wird zum neuen evangelischen Campus

Altbau statt Neubau: Beim Umbau eines alten Betonklotzes in eine moderne Bürowelt für protestantische Bildung wird in Nürnberg viel „graue Energie“ gespart. Nicht nur unter Umweltschützern und Klimafreunden gilt der Umbau der ehemaligen Oberpostdirektion beim Friedrich-Ebert-Platz in Nürnberg als Vorzeigeprojekt.
Bald soll die Eröffnung gefeiert werden. „Der Rohbau ist bis auf Restleistungen abgeschlossen, der Innenausbau läuft parallel auf Hochtouren. Die Fassade wird bis Ende 2025 fertiggestellt“, teilt Christine Büttner, Pressesprecherin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) auf Anfrage unseres Medienhauses mit.
Die bayerische Landeskirche hat sich vor fast zehn Jahren dazu entschieden, aus dem alten Bürogebäude einen modernen Campus als neue Heimat für Begegnung, Bildung und Wissen inklusive edlem Foyer und heller Kapelle im Herzen der Stadt zu entwickeln.
2.000 Studenten sollen Campus in Nürnberg bevölkern
Rund 2.000 Studenten der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN) sollen in der Bayreuther Straße gemeinsam mit anderen Einrichtungen christlicher Träger mehr Platz zur Entfaltung unter der Überschrift „Evangelischer Campus Nürnberg“ bekommen. Zum Start des übernächsten Wintersemesters im Herbst nächstes Jahres soll der Hochschulbetrieb hinter der runderneuerten Fassade schon losgehen.
1997 haben die Lutheraner den Baukomplex mit einer Bürofläche in Höhe von mehr als 35.000 Quadratmeter für schlappe 49 Millionen Euro gekauft. Keine fünf Jahre später haben die Bauarbeiten begonnen. Nach der langen Umbauphase sollen die ersten Mieter jetzt schon bald einziehen können.
Bauprojekt in Nürnberg spart viel „graue Energie“
Mit der Entscheidung gegen einen Neubau hat sich die Glaubensgemeinschaft bewusst zur Einsparung „grauer Energie“ bekannt. Kürzlich hat Klaus-Peter Murawski, Erster Vorsitzender des Bund Naturschutz (BN) der Kreisgruppe Nürnberg, das Projekt wegen seiner ressourcenschonenden Wiederverwendung der alten Bausubstanz sogar ausdrücklich gelobt. Schließlich würde für die Herstellung von Baumaterialien wie Beton neben Energie auch Rohstoffe wie Sand benötigt.
Die Ertüchtigung des vorhandenen Bausubstanz kostet allerdings Zeit und Geld. Ursprünglich hatte die Kirche die Umbaukosten auf 160 Millionen Euro taxiert. Bei der letzten Synode hätte die Landeskirche laut Büttner nun knapp über 180 Millionen Euro für das Projekt freigegeben.
Immenser Aufwand bei der Modernisierung
Der Aufwand für die Modernisierung des ehemaligen Postdirektion aus den 70er Jahren ist immens. Nach der vollständigen Entkernung des elfstöckigen Gebäudes musste auch die 50 Jahre alte Glas-Fassade komplett zurückgebaut werden. Für die Herstellung der neuen Fenster wurde das Material teilweise recycelt. Das Ergebnis soll sich nicht nur optisch, sondern auch energetisch sehen lassen können.

Der Bedarf an Strom & Co. soll sich laut Günter Weissteiner, Leiter des Referats Immobilien, Rechtsfragen und Finanzen der ELKB, durch Maßnahmen zum Wärme- und Sonnenschutz von fast 200 auf etwas mehr als 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter drastisch reduzieren. Durch die Renovierung des alten Gebäudes könnten gegenüber einem vergleichbaren Neubau laut Weissteiner mehr als 6.000 Tonnen CO2 eingespart werden.
Es gibt bereits neue Mieter in Nürnberg
Die modernen Lern- und Arbeitsbedingungen mit Bibliotheken und Hörsälen ziehen derweil offensichtlich immer mehr Mieter an. Neben der Evangelischen Hochschule wollen beispielsweise auch Pfadfinder und Landesjugend auf dem neuen Campus einziehen.
Die protestantische Vision eines offenen Ortes für Bildung, Begegnung und Beratung zu schaffen, und evangelische Einrichtungen mitten in Nürnberg unter einem Dach zu vereinen, scheint wohl auch finanziell aufzugehen. „Unser Wirtschaftsplan passt!“ verkündete Stefan Ark Nitsche als Vorsitzender des Projektlenkungsausschusses schon bei der Grundsteinlegung.