Das neue Tatort-Team ermittelt im fränkischen Gottesgarten

Früher ist hier Eis am Stiel produziert worden. Jetzt wird in der ehemaligen Schöller-Fabrik im Nürnberger Norden der neue Tatort aus Franken gedreht. Im nächsten Fall mit dem Titel „Gottesgarten“ ermittelt eine neue Kommissarin aus Oberbayern an der Seite von Fabian Hinrichs.
Aus einem verwaisten Großraumbüro haben die Fernsehleute ein täuschend echtes Polizeipräsidium gezimmert. Noch mehr Action gibt es eine Etage darüber. Dort sind noch die Blutspritzer an der Wand eines heruntergekommenen Stundenhotels mit dem vergilbten Charme der 70er Jahren zu sehen.
Zwischen Lampen, Stativen und Kameras stolziert Fabian Hinrichs alias Hauptkommissar Felix Voss über den Set. Die Badehose hat der kühle Blonde aus dem hohen Norden diesmal nicht dabei. Die oberfränkische Kassiererin im kleinen Laden an der Ecke sei beinahe aus den Latschen gekippt, als der berühmte Fernsehpolizist plötzlich in kurzer Hose vor ihr stand, erinnert sich der preisgekrönte Schauspieler an die superheißen Drehtage.
Dreh bei Tropenhitze im fränkischen Land
Gottesgarten – also genauso wie die malerische Landschaft zwischen Bad Staffelstein und Lichtenfels am fränkischen Obermain heißt auch der neue Titel des übernächsten Sonntagabendkrimis aus Franken. Fast die Hälfte der Drehzeit verbrachte Hinrichs in der Tropenhitze im Schatten von Basiliken und Klöstern rund um Banz und Vierzehnheiligen.
Hinrichs hatte dummerweise die Badehose in Potsdam vergessen und musste sich nach Abkühlung sehnend sogar mit einer provinziellen Schwimmkleidung neu eindecken. Glücklicherweise habe er ein Fachgeschäft für Herrenbademoden ausfindig machen können.
Eine neue Badehose für „den Ostsee“
Dort habe man ihn sogar nach seiner Größe gefragt, lobte der Mime die Manieren der Menschen vom Land und vergaß auch nicht „den Ostsee“ als Badeattraktion in Staffelstein zu rühmen. Letzterer habe sich sogar zum Running-Gag entwickelt: der und nicht die Ostsee, haha!
Die Selfis in Badehosen mit der Kassiererin im Supermarkt seien ihm trotzdem etwas peinlich gewesen. „Ich bin schüchterner als man denkt.“ Über aufdringliche Fans beschweren wolle er sich trotzdem nicht. Damit müsse man klar kommen, „wenn man einmal im Jahr vor Millionenpublikum einen fränkischen Mordfall klärt und dann praktisch von der Mattscheibe wie ein Außerirdischer in Badehosen in den fränkischen EDEKA gebeamt wird“.
Mord im Nürnberger Rotlichtviertel
Im neuen Fall geht es um eine erschütternde Gewalttat an einem Travestiekünstler aus dem Nürnberger Rotlichtviertel, das bekanntlich eines der ältesten Amüsierquartiere des ganzen Landes ist, aber trotzdem unter mangelnder Beachtung der lokalen Marketingfachleute im Fremdenverkehrsbüro leidet.
Während des laufenden Betriebes rund um die Frauentormauer (ja, die heißt wirklich so) wollte Regisseur Dustin Loose seine Zelte aber nicht aufschlagen. „Wir drehen ja keinen Dokumentarfilm.“ Stattdessen wurde viel auf dem Land unter der sengenden Sonne gefilmt, um die „geistige Enge“ der ländlichen Idylle perfekt einzufangen.
Land- und Stadtmenschen als Filmthema
„Wahrscheinlich treffen in dem Film unterschiedliche Normalitätsfelder aufeinander“, dachte Hinrichs laut über die Unterschiede zwischen den „grauen Mäusen auf dem Land und den bunten Tunten in der Stadt“ nach. Allerdings hatte der 1,90 Meter große Hüne tags zuvor eine der vielen Lampen auf den Kopf bekommen, wie er beinahe entschuldigend anmerkte.
Der Sohn eines Polizisten – sogar der Großvater soll schon Streife gefahren sein – bekommt im neuen Tatort mit Rosalie Thomass eine neue Kollegin an die Seite, um das komplexe Rätsel zwischen provinzieller Herkunft und sexueller Befreiung zu lösen. Um nicht von der Karriereleiter zu fallen, lässt sich Thomass in der Rolle der Emilia Rathgeber von Ingolstadt nach Nürnberg versetzen. Das passt insofern ganz gut, weil die blonde Grimme-Preisträgerin auch im wahren Leben aus München kommt.
„Es ist noch schöner, als ich es mir vorgestellt habe. Ich bin sehr glücklich“, sagte die Nachfolgerin von Dagmar Manzel, die auf eigenen Wunsch ihren Hut genommen hatte.
Lob für die Neue Kollegin im Tatort-Team
Ans Aufhören habe Hinrichs selbst dagegen nie gedacht. „Es gab überhaupt keinen Grund für mich. Ich bin mehr als froh, wie es sich entwickelt hat“, sagte Hinrichs und bat die Neue sich kurz die Ohren zuzuhalten. „Sie ist sehr begabt“, schwärmte Hinrichs von der deutlich jüngeren Kommissarin an seiner Fernsehseite. Zum Baden wird die Zeit allerdings wohl nicht mehr reichen. In wenigen Tagen soll die letzte Klappe zum zwölften Fall fallen. Außerdem sind die Wetteraussichten eher durchwachsen und der Ostsee relativ weit.
Gut zu wissen:
• Dreharbeiten: „Gottesgarten“ ist der zwölfte Tatort aus Franken. An der Seite von Felix Voss (Fabian Hinrichs) versucht Rosalie Thomass als Emilia Rathgeber den Mord eines Travestiekünstlers in einem Nürnberger Stundenhotel aufzuklären. Das Rätsel sucht das Team im malerischen Landstrich „Gottesgarten“ bei Bad Staffelstein, wo die Eltern des Opfers leben. Die Ausstrahlung des zwölften Falls soll 2026 erfolgen.
• Ausstrahlung: Der elfte Fall mit dem Titel „Ich sehe dich“ ist bereits seit 2024 im Kasten. Darin ermittelt Fabian Hinrichs als Felix Voss allein – aber, wie immer unterstützt von Wanda Goldwasser (gespielt von Eli Wasserscheid). Diese Folge wird schon am 14. September 2025 gezeigt.