Jazz trifft geistliche Lieder: Beifallstürme für Domspatzen und Quartett in Diesenbach

Von Michael Scheiner · 29. Juli 2025 um 09:00

Das hat die Kirche St. Johannes Evangelist in Diesenbach (Landkreis Regensburg) in ihrer 46-jährigen Geschichte vermutlich nur selten zu hören bekommen: Nach dem Domspatzenkonzert „Jazz & Soul“ erfüllten laute Zugabe- und Bravorufe den architektonisch beeindruckenden sakralen Raum bis in den letzten Winkel.

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Die Chorsänger unter Leitung von Kathrin Giehl und das Bastian Walcher Quartett ließen sich auch nicht lange bitten und stimmten noch ein gemeinsames Lied an. Ein Domspatz aus dem ersten Chor, Robin Eichner aus dem Gemeindebereich, hatte den Anstoß für das ungewöhnliche musikalische Event gegeben und auch gleich die Organisation fürs Zustandekommen übernommen. Dafür dankte Pfarrer Josef Hausner in seiner Begrüßung dem jungen Mann. Der stellte sich mit einem kurzen Grußwort vor und erläuterte, dass er ein Jahr mit den Vorbereitungen beschäftigt gewesen sei.

Ein Blick durch die gut gefüllten Bankreihen zeigte, dass sich seine Bemühungen durchaus gelohnt hatten. Lediglich die vorderen Bankreihen mussten für die Chorsänger frei bleiben, wenn das Jazzquartett mit Sängerin Cathrin Lange eigens arrangierte Jazznummern ohne den Chor zu Gehör brachte.

Swing und großes Opernwerk

Während das Quartett vor dem Altar verhalten zu improvisieren begann, stimmte hinten der Chor „Bless the Lord, my soul“ des französischen Taizé-Komponisten Jacques Berthier an. Dafür hatten die jungen Sänger hinter den Zuhörenden Aufstellung genommen. Danach zogen sie nach vorne und positionierten sich in einem Halbrund zwischen Altar und Kreuz. Mit dem bestens für eine swingende Interpretation geeigneten „I will sing with the spirit“ des englischen Komponisten und Chorleiters John Rutter setzten Band und Chor das Programm fort.

Pause hatte die Band bei „Laudade Dominum“ des norwegischen Tonsetzers Knut Nystedt. Diese Vertonung des Psalm 117 sang der Chor a capella mit großer inniger Kraft und klarer Diktion. Danach war im Wechsel die Band mit der „Habanera“ aus George Bizets Oper Carmen an der Reihe. Walcher hatte es in ein leicht swingendes Arrangement gepackt, bei dem der von La Brass Banda bekannte Trompeter Jörg Hartl und die Sopranistin ausgiebig gefeaturt wurden.

Die beiden unterschiedlichen Ensembles „arbeiten seit mehreren Jahren zusammen“, erzählte Walcher und stellte die Mitglieder der Band vor. Crossover lautet das wichtigste Stichwort für dieses Aufeinandertreffen von Klassik, Jazz, Kirchenmusik und Improvisation, wobei letztere in dem Konzert nur eine nachrangige Rolle spielte.

Publikum singt selbst mit

So zeigte sich auch, dass Sängerin Lange mit ihrer klassisch geprägten Gesangsweise den im Jazz gewohnten Scatgesang nur ansatzweise beherrschte. Dafür brillierte sie in einem Song von Andrew Lloyd Webber aus dessen selten gehörtem „Requiem“ und dem Gospel „Music down my soul“ von Moses Hogan gemeinsam mit dem prächtig aufgestellten Chor.

Für das immer wieder in begeisterte Zurufe ausbrechende Publikum blieb es nicht beim passiven Musikkonsum. Bei zwei Liedern war es selbst gefordert, aktiv mitzusingen. Den Gospelkanon „Rock my Soul (in the blossom of Abraham)“ und „Schläft ein Lied in allen Dingen“ dirigierte die Chorleiterin dann gleich in zwei Richtungen, einmal in die Richtung der Zuhörerschaft, die lustvoll und eifrig mitmachte, und zu ihrem Chor gewandt. Ein interessante Erfahrung ergab sich für das eher weniger jazzerfahrene Publikum, als Walcher eine Komposition des 2008 bei einem Tauchunfall verstorbenen schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson im Trio anstimmte. Neben flotten und mitreißenden Standards wie „My favorite Things“ von Jerome Kern und dem eindringlichen „Cantate Domino“ des Japaners Ko Matsushita für Chor und Piano überzeugte auch das die begeisterten Zuhörenden.