Schwandorfer Landmaschinenhersteller Horsch steigt in die Forsttechnik ein

Von Vanessa Ebert · 28. Juli 2025 um 19:00

Es ist ein Schritt auf neues Terrain: Der Hersteller Horsch, der sich in der Landmaschinentechnik weltweit einen Namen gemacht hat, ist nun auch in die Forsttechnik eingestiegen. Dazu arbeitet das Unternehmen mit dem jungen Forsttechnikhersteller Gepima aus Burglengenfeld zusammen. Dessen Gründer sind langjährige Horsch-Mitarbeiter. Unter dem Namen Horsch Pirk Forestry wollen beide Unternehmen künftig gemeinsam neue Märkte erschließen.

„Wir sind selbst noch aufgeregt“, erklärte Michael Braun, zuständig für das Marketing bei Horsch, kürzlich bei der Eröffnung einer Presseveranstaltung am Hauptsitz von Horsch in Sitzenhof. Zum ersten Mal präsentierte dort das Unternehmen die neue Forsttechnik vor Fachjournalisten. Sie waren aus dem In- und Ausland gekommen, um die beiden ausgestellten Rückewagen und einen Forstmuldenkipper genau unter die Lupe zu nehmen.

Zahlreiche Fragen zu den technischen Details hatten die Journalisten im Gepäck und auch das Maßband wurde zwischendurch ausgepackt, um die Abmessungen der Maschinen zu prüfen. Bei einer Demonstration im Wald war die Technik schließlich im Praxiseinsatz zu sehen.

Der Rückewagen wurde für den Transport von Baumstämmen entwickelt. Dabei spielte auch die eigene Erfahrung der Brüder Pirkenseer in der Forstwirtschaft eine Rolle. - Foto: Hannah Stenzel

Nur der Anfang

Für Michael Horsch, Geschäftsführer von Horsch Maschinen, ist der Einstieg in die Forsttechnik ein „ganz logischer Schritt, um Synergien zu nutzen“. Die Forsttechnik, die in der Halle präsentiert worden war, sei nur der Anfang. Man wolle die technische Entwicklung weiter vorantreiben und auch neue Märkte erschließen. Vertriebs- und Servicestrukturen seien bereits weltweit vorhanden.

Für die Entwicklung der Forsttechnik verantwortlich zeichnen die Brüder Markus und Michael Pirkenseer. Die Entwicklungsingenieure sind langjährige Horsch-Mitarbeiter und haben selbst Erfahrung in der Land- und Forstwirtschaft. Die beiden bilden die Geschäftsführung der Horsch Pirk Forestry GmbH.

Sie präsentieren das Unternehmen und die Technik vor internationalen Fachjournalisten: Michael Braun, Michael Pirkenseer, Reinhold Rösel und Markus Pirkenseer (v. l.). - Foto: Hannah Stenzel

Diese Entwicklung hätten sich die Brüder, die aus Burglengenfeld stammen, in ihrer Jugend wohl nicht träumen lassen. Ein hohes Arbeitspensum war man gewohnt in der Familie. Die Eltern Rita und Anton Pirkenseer bewirtschafteten bis ins Jahr 1999 ein Speiselokal, nebenbei am Wochenende. Drei Söhne hat das Paar, der Bruder von Markus und Michael arbeitet heute ebenfalls bei Horsch.

Brennholzbetrieb neben Schule und Beruf

Um die Jahrtausendwende stiegen die Brüder in den Brennholzbetrieb ein – neben Schule und Beruf. Die benötigten Maschinen haben sie dazu kurzerhand zum Teil selbst zusammengebaut und repariert. „Zum Teil waren das damals noch semiprofessionelle Lösungen“, schmunzelte Michael Pirkenseer. Doch das sollte sich in den kommenden Jahren ändern. „Wir wissen aus eigener Erfahrung, welche Kräfte im Forst wirken und auf was man achten muss“, erklärte der 40-Jährige.

Der Brennholzbetrieb wurde eingestellt, als die Brüder alle im Berufsleben standen. 2008 übernahm Markus Pirkenseer schließlich die Landwirtschaft des Onkels. Der 34-Jährige ausgebildete Landwirt führt sie noch heute im Nebenerwerb. Von Anfang an bot sich ein großes Betätigungsfeld für die Brüder. Wo die eingesetzte Maschinentechnik an ihre Grenzen stieß, musste eine Eigenentwicklung her. Es wurde klar: Um die Herausforderungen der Praxis lösen zu können, müssen dringend technische Verbesserung gemacht werden. 2018 trafen sie die Entscheidung, einen Prototyp eines Rückewagens in Eigenregie zu entwickeln. Ein Interessent bestellte bereits während der Konstruktionsphase. Der zweite Rückewagen dieser ersten Charge ist heute noch im Betrieb von Markus Pirkenseer im Einsatz.

Für die Brüder war das eine fordernde Zeit. Tagsüber gingen sie zur Arbeit, bis tief in die Nacht tüftelten sie in beengten Räumlichkeiten an den einzelnen Komponenten, wie Markus Pirkenseer erzählte. Rückblickend sagten dennoch beide unisono mit einem Lächeln auf dem Lippen: „Es hat Spaß gemacht.“ Der Forst- und Landschaftspflegebetrieb von Bernhard Bäuml aus Schwandorf erteilte prompt den nächsten Auftrag. Die Brüder schauten sich den Anwendungsfall genau an und entwickelten daraufhin eine kippbare Forstmulde.

Nachfrage stieg stetig

Die Nachfrage stieg stetig und so gründeten Michael und Markus Pirkenseer sowie Reinhold Rösl im Jahr 2022 eine GmbH. Ihren Arbeitgeber Horsch informierten die Brüder vorher. „Gebt richtig Gas“, habe Philipp Horsch damals gesagt.

Das Jahr 2025 prägte ein weiterer Meilenstein. Nach intensiven Gesprächen entschied man sich, die Kompetenzen von Horsch und Gepima zu bündeln und gemeinsam unter dem Namen Horsch Pirk Forestry GmbH aufzutreten.

Der Abnehmerkreis für die Forstanhänger ist vielfältig. Darunter sind professionelle Anwender in der Forsttechnik, forstwirtschaftliche Lohnunternehmen, große Privatwaldbesitzer oder auch Maschinenringe.

15 Maschinen wurden nach Angaben des Unternehmens bereits in Deutschland, der Schweiz und Österreich verkauf. Und das soll künftig noch mehr werden. Zudem arbeiten die Ingenieure an neuen Lösungen.

Mit der Entwicklung und dem Bau der Protypen werden sich auch in Zukunft die Brüder Pirkenseer beschäftigen. Die Serienfertigung wird dagegen Horsch übernehmen.