Apotheker aus dem nördlichen Landkreis Kelheim wehrt sich gegen Schließungsgerüchte

Von Kristina Heselhaus, Beate Weigert · 28. Juli 2025 um 19:00

„Wenn ich das höre, geht mir der Hut hoch!“ Ein Apotheker im nördlichen Landkreis Kelheim denkt keineswegs ans Aufhören. Doch der Buschfunk behauptet dies hartnäckig. Ein Berufskollege einige Kilometer gibt dagegen demnächst tatsächlich seine Apotheke auf.

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„Wenn ich davon höre, geht mir der Hut hoch!“ Apotheker Christian Eigenstetter kämpft mit allen Mitteln gegen ein Gerücht, das sich derzeit vor allem in Kelheim wie ein Lauffeuer verbreitet: Seine Apotheke werde schließen. „Das stimmt definitiv nicht“, räumte er das Gerücht im Gespräch mit unserer Zeitung aus dem Weg.

Bereits mehrere Apotheker aus Kelheim und Saal hätten bei ihm angerufen, um nachzufragen, warum er aufhöre. Nun kämpft Eigenstetter mit allen Mitteln gegen dieses Gerücht, von dem er selbst nicht weiß, wie es zustande kommen konnte.

„Vielleicht weil in Kelheim Apotheken schließen?“, stellt er in den Raum. Fakt ist, so erklärt er: „Die Bedingungen für die Apotheken sind grausam.“ Schuld sind unter anderem die hohen Inflationsraten. Zwar konnte Eigenstetter seinem Team im vergangenen Jahr noch eine Lohnerhöhung geben, aber es werde zunehmend schwieriger, sagt er.

Was müsste passieren? Hier nennt Christian Eigenstetter vor allem drei mögliche Stellschrauben. Zum einen müssten sich die Rahmenbedingungen verbessern, um gegenüber dem Versandhandel Bestand zu haben. „Immer mehr bestellen im Internet, und wenn es dann Probleme gibt, kommen die Kunden zu uns“, so der Apotheker.

Auch die Notdienste seien eine wichtige Einrichtung, aber mit ihnen könne man die Apotheke nicht halten. Eigenstetter bietet noch oft Notdienste an. Nicht selten ist er zwischen Kelheim und Landshut der einzige. Die Leute kommen also mitten in der Nacht von weither zu ihm und schimpfen dann oftmals noch über die weite Anreise.

Auch Apotheker Christian Eigenstetter kämpft um seine Apotheke, aber schließen will er sie derzeit definitiv nicht. - Foto: Kristina Heselhaus

Eine weitere Stellschraube ist Eigenstetters Meinung nach die Bürokratie: „Die Dokumentationspflicht ist eine enorme Last. Nehmen wir das Beispiel Feuerlöscher. Der muss regelmäßig von vier unterschiedlichen Stellen kontrolliert werden. Muss denn alles ins Kleinste dokumentiert werden?“ Sein Appell geht außerdem an die Politik: Der Apothekeraufschlag bei Medikamenten müsse inflationsbedingt angepasst werden. „Wenn hier nichts gemacht wird, wird das für viele Apotheken in den nächsten fünf Jahren das Aus sein“, blickt er in die Zukunft.

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Rund 17.000 Apotheken gibt es derzeit noch in Deutschland. Zu Hochzeiten waren es allerdings über 22.000. „Das System ist am Kämpfen und muss neu aufgestellt werden“, fasst Christian Eigenstetter zusammen.

Er findet es traurig, dass er als Apothekeninhaber 50 Prozent seiner Zeit am Schreibtisch verbringt. Viel lieber würde er beim Kunden sein. Wenn er jetzt mit den Kunden spricht, dann geht es in den vergangenen Tagen oft um seine Apotheke. Die Kunden reagieren auf die Aushänge in seiner Apotheke: „Apotheke wird nicht geschlossen“, ist da in großen Lettern zu lesen.

Geschlossen haben dagegen bereits im vergangenen Jahr zwei Apotheken in der Kreisstadt. Im März gingen in der Staren-Apotheke in der Bauersiedlung die Lichter aus, im Mai in der Stadtapotheke in der Donaustraße. Diesen September wird die Ludwigsapotheke in der Altstadt folgen, wie deren Inhaber bestätigt.