Ein besonderer 25. Geburtstag: Die IHK Cham macht sehr viel, aber nichts aus sich selbst

Nicht überall, wo IHK drin ist, steht auch IHK drauf. Die Industrie- und Handelskammer Cham existiert nun schon seit 25 Jahren. Ihr Gesicht ist Geschäftsführer Richard Brunner. Doch selbst er drängt wenig an die Öffentlichkeit, obwohl seine IHK hinter vielem steckt. Nun wird die Institution auch an ihrem 25. Geburtstag diesem Ruf gerecht: Brezln, alkoholfreies Weizen, Weißwürscht... und ein paar interessante Diskussionen.
Wo andere eine Jubiläumsfeier aufzaubern, gibt sich die IHK betont lässig. Als während der engagierten Diskussion am Ende die Weißwürschtl platzen, wird dieser Betriebsunfall wortlos verputzt. Senf drüber!
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IHK-Gremiumsvorsitzender Alois Plößl überreicht an seinen Geschäftsführer Richard Brunner ein Fünf-Liter-Fassl Bier mit seinem Konterfei und der Aufschrift „Das Gesicht der IHK“. Außerdem ein T-Shirt mit dem Motto „Bloß koan Stress“.
Anlaufstelle und Netzwerk
Plößl – selbst 25 Jahre im Ehrenamt für die IHK unterwegs – erinnert an die Zeiten vor der Geschäftsstelle, als Cham noch von Regensburg vertreten wurde. Eine Fernsteuerung mit zu wenig Einblick in viele Dinge, die den Landkreis Cham so anders machen. Das war damals, als die IHK noch keine Anlaufstelle war. Heute ist sie das. Schon wenn man durch den Eingang zur Geschäftsstelle tritt, wird klar, dass sie wie die Spinne im Netz sitzt. Direkt neben Berufsschule und Campus – beide sind auch Kinder der IHK – und einen Steinwurf von Landrat Franz Löffler und der Politik entfernt.
Das ist es, was wir sind – Netzwerker. Und wir sind als Team Teil des wirtschaftlichen Erfolgs in diesem Landkreis
Richard Brunner, Geschäftsführer der IHK Cham
„Das ist es, was wir sind: Netzwerker“, sagt Richard Brunner. Er erinnert sich noch an die Sternstunde seiner IHK. Damals, als Tschechien während Corona seine Grenzen schließt und vieles von dem unterzugehen droht, was man sich in Jahrzehnten nach dem Fall des Eisernen Vorhanges erarbeitet hatte. „Damals haben sie in ganz Süddeutschland unsere Infos kopiert, weil sie schnell und gut waren“, sagt Brunner. Und es klingt zum ersten Mal ein bisschen Stolz durch: „Damals hat es sich bezahlt gemacht, dass wir beste Beziehungen nach Tschechien aufgebaut haben“, sagt er.
Und Brunner verweist auf sein starkes Team. Mit in der Mannschaft, seine rechte Hand: Gabriele Dietl. „Sie begleitet mich kompetent und kritisch“, sagt Brunner und lacht. Und wenn man in die Runde schaut, dann wird schnell klar, warum es ein starkes Team ist, das da rund um den Weißwurst-Topf sitzt. Da ist der Brauereibesitzer Alois Plößl, der sich vor 25 Jahren zum Vorsitzenden wählen hat lassen, „weil sonst keiner wollte“ (Plößl über Plößl). In manch stürmischen Zeiten hat er mit Brunner eine echte Männer-WG in der HK-Geschäftsstelle gegründet. Dann sind da noch der Chef des Bayerischen Hotel und Gaststättenverbandes, Andreas Brunner, der Spediteur Josef Dischner, Berufsschulleiter Siegfried Zistler, der nur noch vier Tage im Amt ist, und Mechtron-Chef Ralf Schwarzfischer.
Zwischen Campus und Berufsschule
Sie sind Beispiele dafür, wie die IHK aus Wirtschaftsjunioren, Ausbildern und Unternehmensbossen ein Netzwerk bildet, das der Politik wertvolle Hinweise über Entwicklungen an der Basis geben kann – wenn sie zuhört.
Geschäftsführer Richard Brunner hat es nie bereut, dass er nach fünf Jahren in der Abteilung der Wirtschaftsförderung im Landratsamt zur IHK gewechselt hat. Nun sitzt er da und kann jeden Tag von seinem Schreibtisch aus den neuen Campus und die hypermoderne Berufsschule sehen, von denen alle sagen, dass sie das Beste sind, was der Stadt Cham je passiert ist. Und wenn er zur Arbeit fährt, sieht er das Ortsschild „Hochschulstadt“.
Problem sucht Lösung
Das alles, da ist sich die Runde einig, ist das Ergebnis gediegener Team- und Netzwerkarbeit. Und wer fragt, warum man davon so wenig mitkriegt, der bekommt eine Antwort, die Bescheidenheit widerspiegelt, aber auch gediegenes Selbstbewusstsein: „Weil wir das nicht nötig haben. Niemand von uns muss wiedergewählt werden. Niemand hat eine Legislaturperiode. Und wenn das Gremium irgendwann auf die Idee kommt, dass der Plößl nicht mehr Vorsitzender sein soll, dann habe ich nur weniger Arbeit“, sagt der Vorsitzende.
Und dann wird diskutiert. Über bürokratische Hürden bei der Ausbildung ober die Tatsache, dass alljährlich 60 Prozent weniger Leute eingestellt werden, als in Ruhestand gehen, über die Wichtigkeit, Ausländer schneller in Arbeit zu bekommen, und dass jetzt bald Lösungen angeboten werden sollten für Rente, mehr Brutto vom Netto oder die kränkelnde Pflegeversicherung. Auch die sinkende Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft durch hohe Kosten und Bürokratie ist Thema.
Die Regierung wäre gut beraten – eigentlich.
