Geschmeidige Party in „Regensburgo“: Giovanni Zarrella umgarnt die Fans

Der schlagersingende Sunnyboy Giovanni Zarrella ist beim Festival auf einer breit asphaltierten Dancefloor-Straße unterwegs, bringt viel 1980er-Sound und viele Geschichten mit - und das Publikum bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen in Regensburg ist dauerbegeistert.
„Wir verzichten heute auf die Vorspeise und starten gleich mit dem Hauptgang!“ Pianist Chris Papendieck, der locker über die Bühne zu seinem Flügel läuft, hat seinen Satz noch nicht zu Ende gesprochen, als bereits richtig Beifall aufbrandet, untermalt von begeistert zustimmenden Rufen. Ab diesem Moment ist bei Giovanni Zarrellas Auftritt im Schlosshof kein Halten mehr.
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Dem 47-jährigen Sunnyboy des deutschen Fernsehens fliegen die Herzen und später Handys und Hände von Fans, die sich vor der Bühne drängen, nur so zu. Das fast dreistündige Programm aus eigenen Songs und vielen Hits des Italo-Pop aus den vergangenen Jahrzehnte gab diese Dauerbegeisterung eigentlich gar nicht unbedingt her. Es waren das geschmeidige Image und die Ausstrahlung des als Fernsehmoderator populär gewordenen Deutsch-Italieners und die Erwartungshaltung der überwiegend weiblichen Anhängerschaft, die eine perfekte Mischung ergaben.
Er bezirzt die Fanschar
Im perfekt sitzenden, beigefarbenen Anzug nimmt Zarrella das Publikum von der ersten Sekunde an für sich ein. „Buena Sera, guten Abend, an das beste Publikum Deutschlands“, schmeichelt er dem Publikum im voll besetzten Hof zur Begrüßung. „Regensburgo“, setzt er halb fragend nach, um nachzuschieben, dass er alle „bis zum Letzten, der seinen Platz gesucht hat“ vom Fenster seiner Garderobe aus gestalkt habe. „Ihr seid auch das best gekleidete Publikum“, streicht er den Besuchern noch mehr Honig um den Mund. Später legt er mit „ihr seid auch das am besten mitsingende Publikum“ eine weitere Schippe drauf.
Diese enge Verbindung von Star und Fans hält bis zum Schluss, bis zur letzten Zugabe, als es schon langsam auf Mitternacht zugeht und einige noch unschlüssige Regentropfen ihren Weg suchen.

Mit „La Discoteca Italiana“ aus dem neuen Universo-Album im flotten Vierviertel-Takt hatte Zarrella gleich zu Beginn des Abends die breit asphaltierte Dancefloor-Straße markiert, von der er mit schmachtenden Balladen oder einem Salsa-Medley nur selten abwich.
Die einfache Nummer ist perfekt für Unterhaltungsshows wie den „Fernsehgarten“ gestrickt, wo der Sänger ebenfalls regelmäßig Erfolge feiert. In die gleiche Kerbe legte er mit „Fantastico“ nach, „der Inbegriff meines neuen Sounds“, wie er nur wenig übertrieben in den Ankündigungen seine neue Single bezeichnete.

Weit zurück in die 1980er, wo sich der Sänger scheinbar durchaus sehr wohlfühlt, ging es mit „Ci Sarai“. Das ins Italienische übertragene Cover von Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ war als leichte Reggae-Nummer mit Bläserriffs arrangiert. Zarrella war gerade mal sechs, als der Song erschien und erstmals in die Charts einbog. Wie ein weiteres Cover von der Münchner Freiheit, „Senza Te“, „Ohne dich (schlaf ich heut nach nicht ein)“, sang er die Versionen abwechselnd zweisprachig, kräftig unterstützt in beiden Fällen von in den Stuhlreihen tanzenden Zuhören und Zuhörerinnen.
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Eine große Stärke Zarrellas sind seine Moderationen, mit denen aus seiner Kindheit, von familiären Erlebnissen und kindlichen Urlaubsreisen nach Italien, ins Herkunftsland seiner Eltern, erzählt. Damit schafft er es, große Nähe und Vertrautheit herzustellen, und gibt sich ein Image von Authentizität und Offenheit. Etwas sehr auf die Gefühlsdrüsen drückten allerdings seine wiederholten Hinweise auf ein – angebliches – Comeback mit dem 2019er Album „Ciao!“, das er nur „mit eurer Hilfe“ erreichen konnte.
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Nach einer „Confusione“, die Männer befällt wenn sie zu viele Möglichkeiten zur Auswahl haben, wechselte Zarrella mit Lucio Dallas tragischer Ballade „Caruso“ wieder in die 1980er. Mit den Backgroundsängerinnen und dem Gitarristen auf den Stufen in der Mitte der Bühne sitzend legte er viel Gefühl in das Lied, verhunzte es letztlich aber mit einem völlig unnötigen schmalzigen Wechsel zu „Sole Mio“.
Nach der Pause, in der die aufgekratzte Stimmung noch zulegte, wurden die Songs noch italienischer, mit Evergreens wie wie „Volare“, „Funiculì, funiculá“ oder Ennio Morricones „Il Mondo“. Bei „Nel blu dipinto di blu“ – dem eigentlichen Titel des Gassenhauers „Volare“ – konnte die gut eingestimmte Band mit einem kurzen swingend-jazzigen Einspieler endlich zeigen, dass mehr in ihr steckt außer professioneller Schlagerbegleitung.