Gianna Nannini mit ganz, ganz viel „Emozioni“ bei den Schlossfestspielen in Regensburg

Von Christian Eckl · 24. Juli 2025 um 10:10

Gianna Nannini,die italienische Rockröhre mit der unverwechselbaren Stimme, sorgte am Mittwoch für Begeisterungsstürme bei den Thurn und Taxis Schlossfestspielen in Regensburg– obwohl sie den rechten Arm gebrochen hatte und im Gips trug.

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Das hat man vor der Schlosskulisse selten erlebt: Eine 71-Jährige mit gebrochenem Arm, die allein durch ihre Stimme und ihre Präsenz schon beim ersten Lied dafür sorgt, dass mancher Fan vom Stuhl aufspringt. Gianna Nanninis Auftritt bei den Schlossfestspielen am Mittwochabend setzte sich genau so fort: Kaum einen der Gäste hielt es auf den – durchaus unbequemen – Stühlen. Die Sängerin sorgte für Begeisterungsstürme.

Zu erwarten war das nicht. Denn: Nannini kam mit eingegipsten Arm auf die Bühne. Ihr Team hatte ihr einen roten Stuhl auf die Bühne gestellt. Würde die Sängerin weite Teile des Konzerts sitzend absolvieren? Zwei Tage zuvor hatte sie sich auf der Bühne, bei einem Festival in Wiesbaden, den Arm gebrochen. Die Wahrscheinlichkeit war groß, dass sie die Show in Regensburg absagen würde. Doch Veranstalter Ludwig Söll gab schon am frühen Abend Entwarnung: Gianna Nannini wird singen. Dass sie den Stuhl aber die meiste Zeit ignorierte, wild und leicht über die Bühne fegte, während sie in einer der schönsten Sprachen der Welt „I maschi innamorati“, die heißen Liebhaber besang – wer hätte das gedacht?

Beste Botschafterin Italiens

Die 71-Jährige, offen lesbische Sängerin ist eine Ikone des Italo-Rock. Mit Welthits wie „Bello e impossibile“ gehört sie zu den wohl wichtigsten Kultur-Botschaftern der so stolzen Italiener. Italien ist für die Deutschen seit jeher Sehnsuchtsland. Ein wenig wollen wir, zumindest im Sommer, die Leichtigkeit der italienischen Sprache, die Raffinesse des italienischen Essens und die Unbeschwertheit des dolce far niente, des süßen Nichtstuns, spüren. Wo, wenn nicht bei einem Konzert der begnadeten Sängerin mit der unverwechselbaren Stimme? Und wie groß die Bandbreite dieser Stimme ist, das hörten die Gäste schnell. Nannini tourt derzeit unter dem Titel „Sei nell’nima“ durch Deutschland. Ganz aus der Seele sang Nannini einige Lieder aus ihrem aktuellen gleichnamigen Album. Es bezeugt, wie lange die Rockröhre schon im Geschäft ist. Schon zu Beginn der Show, zu der sie die Besucher übrigens mit „Rrrregensburg – Ciao tutti!“ begrüßte, performte sie Hits, die viele mitsingen konnten. „Fenomenale“ und „Profumo“ gehören in diese Liga, auch der Hit „I maschi“.

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Nanninis einzigartige Stimme klang genauso, wie man sie aus dem Radio kennt. Sie ist authentisch, unverwechselbar, einzigartig. Sie hat Lieder geschaffen, die direkt in die Seele gehen, Leichtigkeit und Lebenslust ausstrahlen. Man fühlt sich versetzt in laue Sommerabende bei Gelato nach einem Gläschen Vino zuviel.

Blick auf die Bühne im Schlosshof: Gianna Nannini und ihre Band sorgten für ein Fest italienischer Leichtigkeit. - Foto: Tino Lex

Der Rausch dieser Lebenslust, und das ist die Kunst, sprang schnell über. Das Publikum war überwältigt von einer Künstlerin, die grandios mit ihrer Band harmonierte. Wer nicht schon ein Anhänger Nanninis war und nur, um ein bisschen Festspielluft zu schnuppern, gekommen war, der wurde spätestens an diesem Abend zum eingefleischten Fan.

Zu einer berührenden Szene kam es gegen Ende der Show. Die Nichte von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis, Pilar Flick, hat eine Behinderung und ist an den Rollstuhl gefesselt. Doch sie ist ein großer Fan, hatte ein Bild Gianna Nanninis bei sich. Ihr Onkel Carl-Alban von Schönburg-Glauchau brachte das Bild von Pilar zur Bühne und Nannini unterschrieb es noch während des Konzertes.

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Überhaupt war das auffällig: Von Anfang an suchte der Star Blickkontakt, beispielsweise mit einem Mann, der auf einer Krankenbahre am Konzert teilnahm. Eine vom ersten bis zum letzten Lied direkt an der Bühne etwas abgedriftet tanzende Nannini-Fanatikerin ließ die Sängerin nicht, wie andere Künstler das wohl getan hätten, dezent von den Security-Leuten entfernen, sondern entrückt vor sich hin tanzen.

So manchem Besucher fehlte ein Lied schmerzlich: „Un’ estate Italiana“. Nanninis Bandleader Davide Tagliapetri, der sich mit seinen Kollegen nach dem Auftritt – anders als die Sängerin, die dringend ins Bett wollte – noch im Schlosspark unters Publikum mischte, verriet den Grund: „Gianna decides“, sagte er. Die Sängerin entscheidet, welches Lied gespielt wird. Der Hit war dann doch dem gebrochenen Arm zum Opfer gefallen, wahrscheinlich, weil die Sängerin nicht an sich hätte halten können und wie wild über die Bühne gestürmt wäre.

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Wer eine Künstlerin erleben wollte, die völlig ohne Allüren, dafür mit absoluter Weltklasse eine Zuschauermenge zum Brodeln bringt, der war am Mittwoch genau richtig bei ihrem Konzert. Und das allerschönste war, dass sich Gianna Nannini nicht dazu hinreißen ließ, Politik von der Bühne herunter zu machen. Ihre Lieder und ihre unverwechselbare Stimme begeisterten das Publikum – und sie und ihre tolle Band brachten ganz, ganz viel „emozioni“ auf die Schlossfestspiele.