Anastacia blieb bei ihrer Regensburger Show nichts schuldig

Von Marianne Sperb · 23. Juli 2025 um 15:50

Das US-Supergirl ist kaum zu bremsen und liefert eine energiegeladene Performance ab. Am Ende ruft sie den Fans zu: „I love Regensburg!“

Diese Frau fackelt nicht lange. Anastacia kommt durch die Tür auf die Bühne der Thurn und Taxis Schlossfestspiele und legt sofort los – mit „One Day in Your Life“ von 2001, aus ihrem zweiten Album „Freak of Nature“, der damals auf Platz eins der Billboard Dance Club Play-Charts schoss. Von diesem Moment an wird sich das US-amerikanische Supergirl gut 90 Minuten lang auspowern, den Schlosshof rocken, die Fans zum Kreischen bringen.

Das Publikum erlebt Anastacia am Dienstagabend als eine Naturgewalt: eine zierliche Frau von 1,57 Metern mit einer Riesenstimme. Obwohl sie anfangs einen Frosch im Hals hatte, wie sie erzählt, ist die Stimme markant, kraftvoll, unverwechselbar. Man könnte sie überall heraushören und sie hat alles drauf, wie in der Show zu erleben ist: hohe, melodische Töne und die tiefen, erdigen, dreckigen Klänge, das Zarte und das Schmelzende, das Scharfe, Wuchtige, Kantige, Rock und Romantik, Balladen und Beschwingtes, Funk, Jazz und Soul.

Fürs Ohr und fürs Auge

Mit „Now or Never“ folgt eine Nummer aus dem Album „Our Song“ von 2023. Die Scheibe versammelt deutschsprachige Titel, die Anastacia ins Englische überführt und neu interpretiert hat, hier: ein Lied von Johannes Oerding, im Original „An guten Tagen“. Es sind solche Hits, wie sie bekennt, in die sie sich auf ihren Trips in Deutschland verliebte. Hier hat die Sängerin ja eine besonders große, leidenschaftliche Fangemeinde – eine „fanily“ nennt sie in einem Interview sogar, in Anspielung auf Familie, family.

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Sie werde verschiedene Lieder aus verschiedenen Alben singen, kündigt Anastacia an, „aber ihr werdet die Hits hören.“ Sie löst ihr Versprechen prompt ein, mit einem Nummer-Eins-Titel von 2001, der heut noch, nach 24 Jahren, sehr im Ohr ist: „Paid My Dues“, deutsch: ich habe meine Schulden bezahlt. Tatsächlich bleibt die Sängerin in Regensburg nichts schuldig. Sie singt nicht einfach – sie heult, röhrt, knurrt, miaut. Ihre Show bietet nicht nur musikalisch alles, was das Publikum erhofft hat, sondern auch viel fürs Auge. Statt nur auf bunte Lichter zu setzen, wurde ein Bühnenbild aufgebaut: eine Hausfassade aus angedeuteten Ziegeln mit Sprossenfenstern, die im Lauf des Abends in Pink, Grün und Rot aufleuchten. Die Wand ist gesprenkelt mit Emojis und mit dem Hashtag #NTK: Die drei Buchstaben stehen für „Not that kind“. So heißt das Debütalbum aus dem Jahr 2000. Der 25. Jahrtag der Veröffentlichung, die auch den Start der Ausnahme-Karriere markiert, ist schließlich der Anlass für die Tournee.

Anastacia und ihre Band im Bühnenbild mit Hausfassade: der Hashtag NTK steht für "Not that Kind". So hieß das Debütalbum der Sängerin, so heißt, 25 Jahre später, auch die aktuelle Tour. - Foto: TINO LEX

Auch Anastacias Outfits ziehen die Blicke auf sich. Drei Mal verschwindet sie kurz, um sich umzuziehen, um Glitzer-Jäckchen, Röhrenhosen und freakige Brillen auszutauschen – und Highheels mit Sohlen wie Ziegelsteine, die nur begrenzte choreografische Finessen gestatten. Aber Anastacia lässt sich kaum bremsen, tanzt, wippt und übersetzt fast jedes Wort in den Songs in Gesten.

Die siebenköpfige Begleitband – Gitarren, Schlagzeuge, Keyboard, eine Sängerin, ein Sänger – halten mit dem Temperamentsbündel Schritt und zeigen sich solistisch auf der Höhe. Gewaltige Lautstärke wird da produziert, das Wah-Wah-Pedal voll durchgedrückt, es wummert und hämmert und dröhnt aus den XXL-Boxen. Anfangs klingt der Sound-Bombast etwas breiig, aber das gibt sich bald.

Sogar die Fenster erröten

„Sick and Tired“, „You’ll never be alone“, „I’m outta love“, „Left outside alone“, natürlich „Not that kind“ und viele andere Hits: Anastacia schöpft aus dem Vollen, aus der Ernte von 25 Jahren. Bei „I belong to you“, im Duett auf Englisch-Italienisch performt, darf’s auch herzig werden; sogar die Fenstersprossen der Bühnenfassade erröten im Licht der Scheinwerferfinger.

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Anastacia zeigt sich bestens gelaunt und umgarnt ihr Publikum. Sie lässt die 3000 Gäste im Schlosshof mitsingen, mitklatschen, die Arme schwenken. Die Fans gehen hochbegeistert mit und hören viele Komplimente. Ihr seid ein fantastisches Publikum, ruft Anastacia, und: „I love Regensburg!“