Die Bayerwald Rallye Classic dreht wieder ihre Runden durch den Bayerwald

Auf die Sekunde genau die Wertungsprüfung geschafft? Was für ein Anfänger-Fehler. Wer am Ende der Bayerwald Rallye Classic 2025 auf dem Siegertreppchen steht, ist aufs Hundertstel genau gefahren. In diesem Jahr findet die Rallye zum 16. Mal statt, vom 1. bis 3. August. Warum man „eine Nummer in der Szene ist“, wenn man die Bayerwald Rallye Classic gewonnen hat und weshalb sie „historisch“ ist, hat Dr. Marc Oberkötter vom Orga-Team des Veranstalters AC Bad Kötzting verraten.

„Auf Nebenstraßen im Bayerischen Wald im Stil der 80er Rallyes“ – unter anderem so wird die Bayerwald Rallye Classic – ein Rennen ausschließlich mit Old- und Youngtimern – angekündigt. Im Stil der 80er? „Das hat mit Walter Röhrl zu tun“, sagt Oberkötter. Der zweifache Rallye-Weltmeister und gebürtige Regensburger fuhr selbst einst bei der Bayerwald Rallye mit. Als Wertungslauf zur Deutschen Rallye Meisterschaft lockte die Veranstaltung zur Blütezeit der Rallye in den späten 1970ern mehr als 100 Teilnehmer und zigtausende Fans an. 1978 verpasste Röhrl den Bayerwald-Sieg wegen eines technischen Defekts an seinem Lancia Stratos knapp, 1979 siegte er im Fiat 131 Abarth souverän. Als er 2019 die Bayerwald Rallye Classic des AC Bad Kötzting beschirmte, schrieb er danach in einem Post: „...die Bayerwald machte immer Spaß. Tolle WPs (Wertungsprüfungen), die schönste Landschaft und viele meiner Freunde waren dabei.“ In diesem Jahr ist es dem AC übrigens gelungen, Walter Röhrl erneut als Schirmherrn zu gewinnen...
Wohl das härteste
Noch heute sind es laut Oberkötter weniger die Anfänger, als vielmehr die „crème de la crème“ der Hobby-Rennszene, die sich für die Bayerwald Rallye anmeldeten – 44 in diesem Jahr. Das Rennen sei anspruchsvoll und wohl das härteste in Deutschland, „das schreckt viele ab, einfach mal so mitzufahren“. Es ist nicht nur die Beschaffenheit der insgesamt 500 Kilometer langen Strecke – ausschließlich auf Nebenstraßen durch den Landkreis Cham – die für das Prädikat „sportlich anspruchsvoll“ sorgen. Es ist vor allem die enorme Zahl an Lichtschranken, die auf der Fahrt passiert werden müssen: 170. Die verlangen vor allem dem Beifahrer höchste Konzentration ab. Denn, um noch einmal Walter Röhrl zu zitieren: „Das Gehirn sitzt rechts“, zumindest im Rallye-Auto.
Tatsächlich geht es bei der Rallye in erster Linie nicht um die Geschwindigkeit, sondern um die möglichst genaue Einhaltung einer vorgegebenen Soll-Zeit beim Befahren eines Streckenabschnitts im Zuge einer Wertungsprüfung (WP). Die Einhaltung dieser Durchschnittsgeschwindigkeit wird durch Lichtschranken kontrolliert. Wer da Erfolg haben will, braucht einen Beifahrer, der gut rechnen kann.

In der Praxis sieht das so aus: Zu Beginn des Rennens bekommen die Fahrerteams unter anderem das Bord- oder Roadbook ausgehändigt. Das enthält Details zur Streckenführung, Fahrzeiten und Wertungsprüfungen. Die Strecke wird nur als Skizze dargestellt, in der Szene bekannt als „Chinesenzeichen“.
Die Soll-Zeit errechnen
Punkte und Striche zeigen an, wie zu fahren ist, der Beifahrer „übersetzt“ dann für den Fahrer: „Nach 320 Metern an der Gabelung halbrechts abbiegen; nach 210 Metern an der T-Kreuzung/Stoppstraße links abbiegen; nach 230 Metern scharf rechts abbiegen, Achtung: leichte Linkskurve.“ Straßenkarte oder Navi? Fehlanzeige. Nun steht laut Bordbuch eine Wertungsprüfung an: 150 Meter sollen in 20 Sekunden zurückgelegt werden. Der Co-Pilot muss nun ausrechnen, welche Durchschnittsgeschwindigkeit das Team braucht, um die 150 Meter in 20 Sekunden zurückzulegen. 20 Sekunden vorm Ziel fängt er an, die Sekunden laut herunterzuzählen. Der Fahrer passt sein Tempo an und versucht, exakt bei Null (am besten aufs Hundertstel genau) durch eine Lichtschranke zu fahren. Bei Abweichungen von der Soll-Zeit gibt es Fehlerpunkte. Nicht der Schnellste gewinnt bei einer Classic-Rallye also, sondern das Team mit den wenigsten Fehlerpunkten.

Klingt stressig? Ist es auch. Deshalb rät ein Motorsport-Magazin dem Beifahrer auch, er solle „eine harmonische Beziehung zum Fahrer“ haben. Gar nicht mal so selten säßen Ehepaare im Rallye-Auto, sagt Dr. Marc Oberkötter. Er selbst ist auch jahrelang als Beifahrer von Robert Auzinger dabei gewesen, ihm sei es aber zu stressig geworden. Auzinger und Oberkötter wechselten ins Orga-Team des AC. Das hat für so eine Rallye übrigens jede Menge Vorarbeit zu leisten, schon im Herbst hatten die Planungen begonnen.
Am 1. und 2. August fahren Oberkötter und Auzinger in zwei Vorausfahrzeugen vor den eigentlichen Rallye-Teilnehmern, schauen noch einmal, ob es Hindernisse auf der Strecke gibt und verteilen kostenlose Programmhefte an die Zuschauer am Straßenrand oder in den Ortschaften.

Noch vor den beiden sind drei Show-Fahrzeuge unterwegs: Matthias Drexler in einem Audi Coupé Rallyeauto, Sepp Mauerer in einem Audi S1 und Adrian Derr in einem Porsche 550 Spider. Vielleicht sagt ja nach dem ersten August-Wochenende auch mancher Zuschauer frei nach Walter Röhrl: „...die Bayerwald (Rallye Classic) macht immer Spaß...“
Fahrplan zur Rallye
■ Freitag, 1. August: 14.51 Uhr Vorstart Jahnplatz Bad Kötzting; 15.01 Uhr Start Veitsplatz Bad Kötzting; 15.10 Uhr GP 1 (Gleichmäßigkeitsprüfung) Niesassen 1; 15.50 Uhr GP 2 Gaishof; 16.35 Uhr GP 3 Rittsteig 1; 17.45 Uhr GP 4 Lam (Marktplatz); 18 Uhr Abendessen Gutshof Simpering; 19.10 Uhr Durchfahrtskontrolle Waldschlössl, Höllhohe; 19.20 Uhr GP 5 Rittsteig 2; 20.30 Uhr GP 6 Schwarzenberg; 21 Uhr Durchfahrtskontrolle Bayerischer Hof, Rimbach; 21.30 Uhr GP 7 Zenching; 21.45 Uhr GP 8 Ried 1; 22 Uhr Jahnplatz Bad Kötzting
■ Samstag, 2. August: 8.15 Uhr Restart Jahnplatz Bad Kötzting; 8.50 Uhr GP 9 Niesassen 2; 9.30 Uhr GP 10 Friedendorf; 10.15 Uhr GP 11 Stamsried; 11.30 Uhr GP 12 Wulting; 12 Uhr Mittagspause Gut Hötzing; 13.40 Uhr GP 13 Haderstadl; 14.15 Uhr Kaffeepause Fa. Bauer, Runding; 15 Uhr GP 14 Walting; 16.10 Uhr Durchfahrtskontrolle Spielbank Bad Kötzting; 16.30 Uhr GP 15 Ried 2; 17 Uhr GP 16 Stadtrundkurs Bad Kötzting; 17.05 Uhr Ziel Veitsplatz Bad Kötzting (ch)