Auf ein Glas Wein mit Claudia Knoll, Geschäftsführerin der Landesgartenschau

Der Weinstand auf der Landesgartenschau hat sich in kürzester Zeit zum Hotspot gemausert. Hier trifft man immer Freunde und Bekannte auf einen gemütlichen Ratsch oder eine angeregte Plauderei. Genau das wollen wir in den kommenden Wochen tun: bei einem Glas Wein mit interessanten Menschen plaudern. Den Anfang macht Claudia Knoll. Sie verrät, was sie mit Osaka (Japan) und Italien verbindet, was ihr liebstes Urlaubsziel ist und warum sie zuhause keine Topfpflanzen stehen hat.
Letzteres lässt aufhorchen: Wie bitte, Frau Knoll, die Chefin der Landesgartenschau Furth im Wald, hat daheim keine Blumen stehen? „Ganz so ist es nicht“, sagt sie mit einem einnehmenden Lächeln, das ebenso typisch für sie ist wie ihre ruhige, souveräne Art. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum man sie für ein Gespräch, zumindest in der Öffentlichkeit, nur schwer exklusiv hat. Mitarbeiter kommen vorbei, setzen sich dazu, scherzen und ja, plaudern. Alle fühlen sich sichtlich wohl in ihrer Gegenwart.
Die ideale Spielwiese
Aber zurück zu den Blumen. Sie mag im Frühling eine Vase voll mit frischen Tulpen. „Der Anblick fasziniert mich.“ Und ihr Mann Hans-Peter Faas schenkt ihr einmal in der Woche einen Blumenstrauß. Es stimmt allerdings, dass man in ihrem Zuhause in Memmingen keine Topfpflanzen findet. „Ich bin ja kaum daheim, wann soll ich die denn pflegen?“ Auch für ihren Garten hat sie nicht wirklich ein Händchen: Der gleicht mehr einer Wildnis.
Und doch, oder gerade deswegen hat sich die studierte Landschaftsarchitektin ganz und gar den Landesgartenschauen landauf, landab verschrieben. Ihr Studium hat sie in Weihenstephan absolviert und dann den Schwerpunkt Stadtentwicklung gewählt. Da ist ja gerade Furth im Wald, wo beides, also Gartenschau und Stadtentwicklung Hand in Hand gehen, die ideale Spielwiese für sie. Trotzdem sagt sie, „ist Furth im Wald für mich eine völlig neue Erfahrung.“
Das liegt daran, dass sie am 11. November 2024, als die LGS-Lok schon auf Hochtouren lief, als Geschäftsführerin aufgesprungen ist. „Das war ein schneller und anstrengender Reinwurf“, sagt sie. Hilfreich ist zum einen, dass sie, so mein Eindruck, nie den Überblick verliert, schnell auf unerwartete Situationen reagieren kann, dabei klare Ansagen macht, ohne ihre positive Art zu verlieren. Zum anderen sitzt sie nicht auf ihrem Chefsessel im Büro, sondern packt tatkräftig mit an, läuft morgens über das Gelände und sieht nach dem Rechten oder dirigiert Besucher durch die überfüllte Parkarena. Geholfen haben ihr aber auch Furth und ihre Menschen. „Ich habe noch nie eine Stadt erlebt, wo das Miteinander dermaßen gepflegt wird.“ Vergleiche mit anderen Landesgartenschauen hat Knoll zuhauf. Jede Menge hat sie begleitet, viele davon in führender Position.
Doch nach Furth im Wald soll Schluss sein. Im Moment ist sie noch Geschäftsführerin für Günzburg im Jahr 2029. Den Posten möchte sie Ende des Jahres aber abgeben. Vor allem, weil ja mit der letzten Klappe für die Further Gartenschau am 5. Oktober noch nicht Schluss ist. Es wird noch rund ein Jahr dauern, bis alles rückgebaut und abgewickelt ist. Schlecht vorstellbar, dass sie danach die Hände in den Schoß legt. Sie zeigt ihr einnehmendes Lächeln, die Augen blitzen durch die auffällige Brille, man merkt, sie ist im Reinen mit sich: Ihr Mann hat in Essen 2027 bei der internationalen Gartenausstellung einen Job angenommen. „Die Region kenne ich noch gar nicht.“ Da wird sie Zeit haben, auf Erkundungstour zu gehen. Hans-Peter Faas, der ganz klassisch Gärtner gelernt hat, hat sie, wie sollte es auch anders sein, 1989 bei der Landesgartenschau in Straubing kennengelernt. Zwei Töchter und Mischlingshund Maboo machen die Familie komplett.
Hobbys? Im Moment schwierig. Bisher hat sie es einmal geschafft, um den Drachensee zu radeln. Aber das Paar wandert gerne, hat eine Hütte in den österreichischen Bergen. Dort ist sie für den Schweinebraten aus dem Holzofen zuständig. Geht es um die feinere Klinge in der Küche, übernimmt ihr Mann. Da ist sie abgemeldet. Am liebsten lässt sie sich mediterran und asiatisch bekochen.
Problem mit Schnittlauch
Die Liebe zu italienischem Essen ist in der Kindheit entstanden. In der Nähe des Gardasees hatte die kleine Claudia jede Ferienminute bei ihrer Tante in Brescia verbracht. Und Osaka? Da hat sie 1990 den Bayerischen Beitrag auf der dortigen Weltausstellung (Expo) gestaltet. Ein Bayerischer Bauerngarten ist es geworden, der gar nicht so leicht umzusetzen war. Jede Pflanze musste angemeldet werden, durfte kein Korn Erde aus Deutschland an den Wurzeln haben. Für die größte Verwirrung sorgte der Schnittlauch. Während für die Bayern ein Bund eben eins war, zählten die Japaner jeden Halm einzeln.

Zehn Jahre war sie in Memmingen in der Kommunalpolitik, hat es bis ins Amt der Bürgermeisterin geschafft und war viele Jahre Vorsitzende der DLRG. Das ganze Engagement schreit nach Ausgleich: „Runterkommen geht gut mit denken“, sagt sie. Auch Lesen hilft. Gerade sind es drei Bücher gleichzeitig: eine Schnulze zum Weglesen, ein Belletristik-Roman und ein dicker Science-Fiction-Schmöker mit 1000 Seiten. Vor kurzem war sie bei einem Konzert in Blaibach, liebt aber auch Bayreuth sowie Opern- und Theaterabende in München. Und wenn es mal rockiger wird? „Dann bin ich nicht die Beatles-, sondern die Rolling-Stones-Fraktion.“ Auf diese Gemeinsamkeit trinken wir Prost. Heute mit Wein, ansonsten darf es gerne auch mal ein Schluck Bier sein. „Da kommt die gebürtige Mittelfränkin raus“, sagt sie .
Wein aus Furth
Sechs Winzer, ein Wein – so lautet das Motto des Landesgartenschaubeitrags der Partnergemeinde Furth bei Göttweig. Weinstöcke und Marillenbäume wurden gepflanzt, um die tiefe Verbundenheit zu den Oberpfälzer Freunden zu dokumentieren.
Dafür haben sich sechs Winzer des niederösterreichischen Ortes zusammengetan, um, wie es in einer Begleitbroschüre heißt, „einen Wein zu kreieren, der nicht nur unsere Region, sondern auch unseren Zusammenhalt widerspiegelt“. Das Vorhaben ist gelungen. Ein „Sagenhafter Genuss“, wie auf dem Etikett der Weinflaschen steht. Der Grüne Veltliner schmeckt pur, aber auch gespritzt mit Mineralwasser.