Wifo Burglengenfeld bleibt in Debatte über Sanierungskonzept für das Naabtalcenter gelassen

BWG-Sprecher Gregor Glötzl versteht es , durch seine Wortwahl Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Kürzlich gelang ihm das, als er das Konzept für die Sanierung des Naabtalcenters (NAC) kritisierte und als „Sargnagel“ für die Altstadt bezeichnete. Doch das eigentlich zu erwartende Echo aus der Innenstadt blieb diesmal aus. Das Wirtschaftsforum (Wifo), in dem sich viele Einzelhändler zusammengeschlossen haben, reagierte erst auf Nachfrage der Redaktion – und sieht offenbar keinen Grund zur Sorge.
Wie berichtet, hat der Bauausschuss in seiner Sitzung Ende Juni die Änderung des Bebauungsplans für den älteren Teil des NAC beschlossen. Auslöser war die Absicht des neuen Eigentümers, das in die Jahre gekommene Einkaufszentrum fit für die Zukunft zu machen.
Hinter verschlossener Tür präsentierte der Projektentwickler, der extra aus Hamburg angereist war, die Grundzüge seines Konzepts. Auch auf Nachfrage blieben Details allerdings Mangelware. Erklärt wurde das damit, dass zu mehreren Verträgen die Unterschriften noch fehlten.
Was im alten NAC alles geplant ist
Wirklich bekannt ist deshalb nur, dass sich Edeka im NAC vergrößern soll. Der Vollsortimenter dürfte der Hauptmieter in dem Neubau werden, der als Ersatz für den früheren Baumarkt aus dem Boden gestampft wird. Ferner ist die Rede von einem Getränkemarkt, einem Allrounddiscounter, einem Drogeriefachmarkt, einem Fachmarkt für Möbel und Einrichtungsgegenstände sowie einem Baumarkt- und Farbendiscounter.
Unterm Strich also kein aufregendes Programm und vor allem keines, das vermuten ließe, dass es für den Einzelhandel in der Altstadt bedrohlich wäre. Trotzdem sprach Glötzl in besagter Sitzung vom „Sargnagel“ für das Burglengenfelder Zentrum. Denn es gehe letztlich doch „um innenstadtrelevante Sortimente“, meinte er. Mit dem „Ja“ zur Sanierung des NAC in der geplanten Form verspiele man die Chance, einen großen Fehler zu korrigieren, den man vor 30 Jahren mit der Genehmigung des Einkaufszentrums fernab der Innenstadt begangen habe.

Wieso kommt der Stadtrat der BWG, der sich hauptberuflich mit städtebaulicher Entwicklung beschäftigt und sich möglicherweise ein zweites Mal um den Bürgermeisterposten in Burglengenfeld bewirbt, zu einer so negativen Einschätzung?
Auf Bitten der Redaktion präzisierte der Diplomgeograf seine Aussagen, wodurch vieles verständlicher wird: Laut Glötzl werden im neuen NAC zwar keine Geschäfte angesiedelt, die eine direkte Konkurrenz für den Bestand in der Altstadt darstellen würden. Demnach sei zum Beispiel kein Bio-Supermarkt vorgesehen. Aber: Vieles, was im neuen NAC zu finden sein werde, hätte in seinen Augen auch an anderer Stelle, mehr in Richtung Altstadt, Sinn gemacht.
Nun aber würden für die nächsten 30 Jahre im NAC Pflöcke eingeschlagen, und so lange werde niemand mehr die Idee verfolgen, in der Nähe des Zentrums einen neuen Versorger aufzubauen. Dabei wäre genau dies eine Zielvorgabe aus dem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK), das vor rund zehn Jahren erarbeitet worden ist.
Schon öfter Chancen nicht genutzt
Schon einige Mal hätte es laut Glötzl in der jüngeren Vergangenheit die Möglichkeit gegeben, dem ISEK-Anliegen gerecht zu werden, zum Beispiel als das ehemalige Weiß-Gelände überplant wurde. Doch die Chancen seien ungenutzt geblieben. Auch habe man speziell die vergangenen zwei Jahre viel zu wenig getan, um die Pläne für das NAC konstruktiv zu beeinflussen. Eine Mischnutzung mit Wohnungen wäre durchaus im Bereich des Vorstellbaren gewesen, meint Gregor Glötzl.
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Die MZ hakte auch bei der Stelle nach, bei der seine Aussagen für Aufregung hätten sorgen müssen: beim Wifo. Doch 2. Vorsitzender Benedikt Göhr reagierte demonstrativ gelassen. Fachmärkte oder auch Einrichtungen für sportliche Aktivitäten, wie sie auch schon im Gespräch gewesen seien, seien im NAC „gern gesehen“ und würden das Angebot in der Innenstadt „hervorragend ergänzen“, ließ er wissen. Wenn die Betreiber der Geschäfte dann auch noch Gewerbesteuer zahlten und Arbeitsplätze schafften, heiße man sie herzlich willkommen – „auch als Mitglied im Wifo“.
Unabhängig davon gelte es natürlich etwas für den „sensiblen Kreislauf unserer Innenstadt“ zu tun. Sie bilde mit ihren Treffpunktmöglichkeiten für alle Generationen, ihrem „unvergleichlichen Gastroangebot“, dem Biomarkt, individuellen Einzelhändlern sowie dem wöchentlichen Marktreiben das „gesellschaftliche Herz“ Burglengenfelds. Dass es für den Erhalt auch politischen Willen brauche, habe das Wifo vielfach kommuniziert.
Nur Krokodilstränen?
Unterdessen hat Hans-Edmund Glatz, Stadtrat des Bürgerforums, die NAC-Sanierung auf seine ureigene Weise in seiner Kolumne, dem Denkzetteln, kommentiert: Ähnlich wie Glötzl erinnert er an die Zeit, in der die Weichen gestellt wurden, wo die Burglengenfelder künftig hauptsächlich ihre Einkäufe tätigen sollten. Nun würden für die Innenstadt Krokodilstränen vergossen, spottet Glatzl. „Ständiger Budenzauber“ sowie neue Möbel für den Marktplatz, wie sie kürzlich installiert worden sind, reichten nicht aus, um eine Belebung der Innenstadt zu erreichen.
