Messerattacke in Regensburger Wettbüro: Welche Rolle spielt islamistische Terror-Organisation?

Von Philip Hell · 22. Juli 2025 um 10:30

Er saß an einem Wettautomaten und daddelte, als ihn plötzlich ein Mann von hinten attackierte. Die Behörden sind sich sicher: Hinter dem Angriff in einem Regensburger Wettbüro im Stadtosten steckt ein Somalier (29) – und der hat womöglich einen Bezug zu einer brutalen Terror-Organisation in Afrika.

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Die Attacke im vergangenen Dezember wird seit Montag vor dem Landgericht Regensburg verhandelt. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Somalier versuchten Mord vor. Ebenfalls angeklagt ist ein 25-Jähriger, der die eritreische und die äthiopische Staatsbürgerschaft haben soll. Ihm wird Beihilfe zum versuchten Mord vorgeworfen. Laut Anklagebehörde war dem blutigen Vorfall ein Streit vorausgegangen. Dabei soll der Somalier sein späteres Opfer schon einmal mit einem Messer bedroht haben.

Warnung vor Terror-Organisation: „Mach keinen Scheiß mit al-Shabaab“

Am Tag der Tat saß das Opfer an einem Wettautomaten. Der Staatsanwaltschaft zufolge kam der Mitangeklagte in die Spielhölle, um sie auszukundschaften. Er sah das Opfer und verließ das Wettbüro – nur Augenblicke später betrat der Angeklagte das Etablissement. Er ging laut Anklage zielgerichtet auf sein Opfer zu und stach mehrfach auf dessen Hals ein. Dabei soll der Somalier gesagt haben, dass er ihn umbringe und dass dieser „keinen Scheiß mit al-Shabaab“ machen solle.

Das ist eine radikale islamistische Bewegung, die Teile im Süden Somalias kontrolliert und dort eine strenge Form der Scharia durchgesetzt hat. Der Terror-Organisation wird zudem eine Vielzahl von Anschlägen mit Dutzenden Toten zugeschrieben, zuletzt im Juni 2023, als beim Angriff auf ein Strandhotel in Mogadischu zahlreiche Menschen getötet wurden. Nach Recherchen der Mediengruppe Bayern soll der Äthiopier damit geprahlt haben, Mitglied der brutalen Organisation zu sein. Ob das stimmt, wird womöglich der Prozess zeigen.

Nach brutaler Messer-Attacke: Polizei schnappt Täter am Regensburger Dom

Das Opfer hatte allem Anschein nach großes Glück. Vier Spielothek-Gäste stürzten sich auf den Angreifer und rangen ihm das Messer ab. Einer wurde dabei verletzt. Dem Angeklagten gelang die Flucht, er wurde wenige Stunden später am Fuße des Regensburger Doms geschnappt. Der Staatsanwaltschaft zufolge hat der Somalier einen Hang dazu, erhebliche Straftaten zu begehen. Er gilt laut den Behörden als „für die Allgemeinheit gefährlich“.

Im Zeugenstand sprach das Opfer davon, sich auch nicht recht erklären zu können, warum ihn der Angeklagte attackierte. Man sei im Wettbüro ein und aus gegangen, dort kenne man sich, sagte der junge Mann. Schon vor dem Messervorfall habe ihn der Somalier brutal angegriffen. In den Tagen vor der Tat sei herumerzählt worden, dass der 29-Jährige ihn töten wolle. Auch dabei sei es immer wieder um al-Shabaab gegangen. „Er ist Terrorist“, sagte das Opfer wörtlich. Noch heute leide er unter dem Vorfall, von dem ihm Narben am Hals blieben. Er meide die Öffentlichkeit, gehe nicht mehr gern unter Leute. „Ich dachte, es wäre mein letzter Tag. Ich dachte, ich sterbe.“

Ich dachte, ich sterbe.

Opfer

Das Opfer des Messerangriffs hat sich mit einer Nebenklage dem Prozess angeschlossen. Sein Anwalt Philipp Pruy sagte der Mediengruppe Bayern am Rande des Prozesses: „Dass mein Mandant nicht tödlich von dem Messer getroffen wurde, ist reinem Glück zu verdanken. Zwei Zentimeter weiter unten Richtung Hals und mein Mandant hätte sterben können.“