In Bruck waren die Räuber los: Kultur- und Festspielverein erntete Applaus

Von Renate Ahrens · 21. Juli 2025 um 17:00

Das einsam im Wald gelegene Wirtshaus im Spessart gilt es tunlichst zu meiden. Wer das Stück kennt, der weiß: Viele unheimliche Dinge passieren dort – Räuber überfallen die Menschen und gar seltsame Gestalten treiben sich herum. Als Beobachter des Schauspiels war es jedoch gefahrlos möglich, in die Geschichte einzutauchen.

Das Stück gehört zu den erfolgreichsten Filmlustspielen Kurt Hoffmanns. Die Hauptdarstellerin Lieselotte Pulver habe für die gleichnamige Räuberkomödie des Kultur- und Festspielvereins Bruck leider keine Zeit gehabt, wie Vorsitzender Robert Feuerer augenzwinkernd bei der Begrüßung der Gäste im vollbesetzten Freizeitzentrum erklärte. Doch das tat dem Erfolg keinen Abbruch.

In die Rolle einer Räuberbraut schlüpfte Bürgermeisterin Heike Faltermeier (2. v. r.). - Foto: Renate Ahrens

Langer Applaus als Lohn

Mit viel Spielfreude, Tempo und Witz zeigten die Laienschauspieler ihr Können. Dabei hatten sie sichtlich genauso viel Spaß wie die begeisterten Zuschauer, deren Lachmuskeln ordentlich strapaziert wurden. Ein langer Applaus beim Marktspielsommer war der verdiente Lohn.

Das Ensemble war dieses Jahr so groß wie nie, erklärte Regisseurin Karin Michl vor der Vorstellung noch hinter den Kulissen, wo eifrige Betriebsamkeit und gespannte Vorfreude herrschte. Nicht nur die Stammtruppe des Vereins, von der die meisten seit vielen Jahren jedes Jahr mitspielen, sondern auch einige Kinder der Grund- und Mittelschule Bruck wirkten mit. Auch Rektor Markus Binder war mit von der Partie. Er stellte wie die Schüler einen Baum dar, also „eine statische, aber doch bewegte Rolle“, wie er schmunzelnd sagte. „Auf der Bühne ist es eigentlich wie vor der Klasse, nur bekommt man hier Applaus“, verriet Binder lachend und gestand, dass er so aufgeregt wie die Schüler vor dem Auftritt gewesen sei. Allen hätte es großen Spaß gemacht.

Viel Spaß als Bäume hatten Rektor Markus Binder und seine Schüler auf der Bühne. - Foto: Renate Ahrens

Kinder lernen für das Leben

Die Kinder würden beim Theaterspielen auch viel lernen, wie Teamfähigkeit oder Selbstbewusstsein, betonte der Rektor und berichtete von der Theater-AG an der Schule unter Leitung von Theaterpädagogin Karin Michl. Auch in der Schule hätten die Kinder bereits begeistert Auftritte gemeistert und durften Bühnenatmosphäre schnuppern.

„Aber hier sind viel mehr Zuschauer“, sagen Laura (9) und Thomas (10) in ihren Baumkostümen. Mit Zweigen dürfen sie dann auf der Bühne wedeln. „Wir müssen gut aufpassen und auf den richtigen Einsatz warten“, erklärt Laura.

Aber auch die Erwachsenen mussten sich entsprechend vorbereiten. Beatrice von der Osten (Räuber Klemm) und Nadine Plößl (Räuber Mathes) etwa haben dieses Mal wie auch Christine Griesbeck als Major eine Hosenrolle – und alle glänzen dabei. „Man muss breitbeinig gehen und sich überhaupt anders verhalten“, erklärt Griesbeck und zückt ihre Pistole.

Comtesse von Sandau (Katharina Seidl) und Zofe Emma (Marie Horn) dagegen sind vornehme Damen. „Sobald man in das Kleid schlüpft, fühlt man sich so“, sagt Horn, die auch noch einen französischen Akzent wiedergeben muss.

Es lief wie am Schnürchen

Auf der Bühne verlief dann tatsächlich alles wie am Schnürchen. Vom ersten Moment an verstand es das Ensemble, die Zuschauer zu fesseln und zum Lachen zu bringen. Viel Schwung brachte unter anderem die Räuberbande, die ungehobelt durch den unheimlichen Wald im Spessart zog und allerlei Unfug trieb. Doch sogar auch mancher Räuber spürte Furcht bei Dunkelheit, wenn unheimliche Geräusche ertönten.

Ob sich wohl Gespenster von Waffen vertreiben lassen? So überlegte es Räuber Mathes. Klemm entgegnete verächtlich, er hätte wohl besser Pfarrer werden sollen. Turbulent wurde es, als zwei Handwerksburschen (Dieter Marschalt und Sebastian Fincke von der Osten) erschienen und schließlich alle zusammen mit den Damen im Wirtshaus im Spessart auftauchten – dort, wo stets um Mitternacht Räuber erscheinen würden, wie die resolute Wirtin (Monika Beck) erklärte.

Bedienung Bärbel (Barbara Feuerer) schäkerte dennoch ganz ungeniert mit ihnen. Auch Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU) hatte, wie es seit Jahren Tradition ist, eine kleine Rolle: als Räuberbraut Lina mit langen roten Locken.

Eine der großen Herausforderungen dieses Stückes war die kleine Bühne des Freizeitzentrums, erklärt Michl. „Ich habe eine Woche lang während meines Urlaubs getüftelt, alles unterzubringen.“

Ausgefeiltes Bühnenbild

Das Ergebnis war perfekt: Vier bis fünf Bühnenbilder wurden auf einmal geschaffen, mit mehreren Räumen und doch für die Zuschauer überschaubar. Sogar eine „Pferdekutsche“ galoppierte zur großen Erheiterung der Zuschauer auf die Bühne.

Die Darsteller zeigten also nicht nur schauspielerisches Talent, sondern waren auch kreativ. Weitere Rollen hatten Peter Beck, Daniel Feuerer, Hans Feuerer, Verena Hergl, Linda Gleixner, Agnes Feuerer und Sepp Stangl. Viele Helfer hinter der Bühne waren wieder unverzichtbar, und so erlebte man einen wunderbaren Theaterabend. Am Ende war die Botschaft klar: Mut wird in den meisten Fällen doch belohnt.