Psychiatrie-Zentrum in Parsberg: Wohnortnahe Hilfe bei Depression und Angststörungen

In Parsberg im Landkreis Neumarkt wächst aktuell der dritte Teil des Gesundheitscampus. Anfang 2026 soll dort das Medbo-Zentrum für Psychiatrie und Psychosomatik eröffnet werden. Bei einem Baustellenrundgang verriet der Klinikvorstand Dr. Dr. Helmut Hausner, wie die Arbeiten vorangehen.
„Der Bau liegt im Zeitplan, die Arbeiten am Trockenbau schreiten voran, Fenster und Estrich sind bereits fertig“, berichtet Hausner. Ab Ende 2025 soll zunächst die Ambulanz vom Haus der Gesundheit ins neue Gebäude umziehen, Anfang 2026 nehmen dann die Tagesklinik und die stationäre Versorgung den Betrieb auf.
Auch wirtschaftlich ist das Bauprojekt auf einem guten Weg. „Wir sind im ursprünglichen Kostenrahmen von 20,4 Millionen Euro“, sagt Hausner. Das sei auch dem günstigen Bauzeitfenster und der genauen Planung geschuldet. „Wir hatten vor allem mit den ersten Vergaben Glück, die zu einem Zeitpunkt erfolgten, als die Nachfrage auf dem Bausektor kurz nachgelassen hatte und die Preise stagnierten“, berichtet er. Dieses Polster helfe nun, den Kostenrahmen einzuhalten.
Versorgungslücke in der Oberpfalz wird geschlossen
Medizinisch schließt das neue Zentrum laut Hausner, der selbst auch als Chefarzt in Parsberg aktiv sein wird, eine lange bestehende Versorgungslücke im westlichen Teil der Oberpfalz. Das Angebot umfasst künftig 25 stationäre Betten, zehn teilstationäre Plätze sowie eine Psychiatrische Institutsambulanz (PIA). Der Fokus liegt auf schneller, professioneller Hilfe bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen – bis hin zu psychosomatischen Beschwerden wie Tinnitus.

Denn laut Hausner gibt es besonders bei der ambulanten Versorgung von Patienten Engpässe: „Stationäre Plätze sind knapp, aber ambulante Hilfe zu bekommen, ist oft noch schwieriger.“ Der zunehmende Bedarf sei zwar Ausdruck wachsender Akzeptanz, aber zugleich eine Herausforderung für das System. „Wir brauchen dringend mehr Telemedizin, digitale Angebote und eine enge Zusammenarbeit mit den Hausärzten“, sagt Hausner.
Denen bescheinigt er im Raum Parsberg in Bezug auf psychische Erkrankungen eine „super Kompetenz“. „Sie behandeln viele psychiatrische Erkrankungen erst einmal selber, und die können das auch“, sagt er. Er sehe eine Chance darin, sich noch stärker mit den Hausärzten zu vernetzen und sich noch intensiver abzustimmen – bis hin zu den einzelnen Medikamenten.

„Wir müssen viel mehr in den Bereich Telemedizin gehen. Warum sollte sich ein Psychiater nicht bei einem Patienten, der sowieso schon hausärztlich angebunden ist, da kurz telemedizinisch dazuschalten und beraten?“, fragt er. Denn der Fachkräftemangel sei nur ein Teil des Problems – entscheidend sei es, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen und die schwer erkrankten Menschen priorisiert zu erreichen. Und auch hier helfe der Hausarzt entscheidend weiter: „Die kennen ihre Patienten. Ein Hausarzt kann sagen, wenn er 20 Patienten für einen Psychiater hat, was sind die fünf Dringendsten.“
Ziel: Durchgängige Betreuung der Patienten in Parsberg
Ein besonderes Anliegen ist Hausner neben dem Schließen der Versorgungslücke die durchgängige Betreuung der Patienten: „Idealerweise begleitet eine therapeutische Bezugsperson den Patienten über alle Stationen hinweg – ambulant, teilstationär, stationär.“ Das schaffe Vertrauen, verringere Informationsverluste und mache die Versorgung effizienter.
Mit dem Parsberger Projekt wolle man vor allem der lokalen Bevölkerung ein umfassendes, wohnortnahes Angebot machen. Bereits jetzt zeige sich die Nachfrage: Die PIA, die aktuell im Haus der Gesundheit schon in Betrieb gegangen ist und später ins Medbo-Gebäude umziehen wird, sei stetig gewachsen – vor allem mit Patienten aus der unmittelbaren Umgebung, die bisher keine Anlaufstelle hatten.

Möglich geworden sei das Projekt durch starken politischen Rückhalt – von der Stadt Parsberg bis zum Bezirk Oberpfalz. „Die Entscheidungsträger haben sich im richtigen Moment etwas getraut“, sagt Hausner. „Parsberg ist einer der großen Gewinner der neuen Gesundheitsstruktur.“
Drei Bausteine addieren sich in Parsberg zu einem Gesundheitscampus
• Haus der Gesundheit: Das Gebäude mit Arztpraxen und dem MVZ des Klinikums ist fertig. Praxen und die auf den Campus ausgerichtete Gastronomie sind in Betrieb.
• Psychosomatische Klinik: Der rund 21 Millionen teure Neubau der Medbo entsteht westlich des Hauses der Gesundheit.
• Haus für Pflege und Soziales: Die ehemaligen Krankenhausgebäude bleiben erhalten und werden weiter genutzt. Die Fertigstellung des Quartierhauses ist Ende 2025 geplant.