Fachkräftemangel: Kommen nun auch Azubis aus Tadschikistan in die Oberpfalz?

Junge Menschen aus Kirgisistan absolvieren bereits ihre Ausbildung in der Oberpfalz – nun bald auch tadschikische? Um diese Frage zu klären, empfing die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz im Bildungszentrum in Regensburg hochrangigen Besuch: eine Delegation der Arbeits-, Migrations- und Beschäftigungsministerin der Republik Tadschikistan, Solikha Kholmakhmadzoda.
Für regionale Betriebe sei der Fachkräfte- und Nachwuchsmangel eine große Herausforderung, heißt es in einer Pressemitteilung der Handwerkskammer. Deshalb ist eine Strategie, ausländische Jugendliche für eine Ausbildung anzuwerben und nachhaltig zu integrieren. Ausschlaggebend dafür ist, dass ein Kümmerer-Netzwerk aufgebaut wird, so HWK-Präsident Georg Haber.
Die Situation in Tadschikistan ist ähnlich wie im angrenzenden Kirgisistan: Es gibt eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. Das Ziel der angereisten Ministerin sei deshalb: „Junge Menschen dazu zu befähigen, ihr Schicksal durch gute Arbeit selbst bewerkstelligen zu können und ihnen echte Zukunftsperspektiven zu bieten.“ Und dafür könnte eine Zusammenarbeit mit Ostbayern sinnvoll sein.
Gute Erfahrungen mit Nachbarland
Kholmakhmadzoda hat sich selbst bei der Handwerkskammer gemeldet, nachdem sie vom Kirgisistan-Projekt erfahren hatte. Im Landkreis Cham hat das Rekrutierungsprojekt mit der rund 6000 Kilometer entfernten Republik bereits 2023 gestartet. 21 Kirgisen zwischen 18 und 26 Jahren haben ihre Ausbildung begonnen. 2024 wurden für den gesamten Agenturbezirk Schwandorf bereits knapp 50 Kirgisen rekrutiert, abgebrochen haben die Ausbildung lediglich zwei. In diesem Jahr weitet sich das Projekt nun auch auf den Agenturbezirk Regensburg und Deggendorf aus.
Für den Ausbildungsstart im September 2025 sollen bis zu 100 Kirgisen für die Region gewonnen werden. Arbeitgeber lobten gegenüber der Mediengruppe Bayern die Zuverlässigkeit und Motivation der Kirgisen – vor allem entscheidend war für sie allerdings, dass die Azubis bereits mit sehr guten Deutschkenntnissen – auf B1- oder B2-Niveau– ins Land kommen. Für Siegfried Bäumler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwandorf, der die Delegation begleitete, erscheint die Ausgangslage für beide Seiten günstig: Tadschikistan verfüge über eine junge und schnell wachsende Bevölkerung – Bayern wiederum brauche Fachkräfte.
Die Ministerin zeigte sich am Ende ihres Besuchs der Pressemitteilung zufolge optimistisch: „Wir sind begeistert von den uns gebotenen Möglichkeiten und werden unsere Hausaufgaben machen.“