Thomas Gansch belebt einen zu Tode geprügelten Marsch neu und beglückt die Blasmusikszene

Von Michael Scheiner · 16. Juli 2025 um 20:31

Die Blasmusik Supergroup im Prüfeninger Schlossgarten zog zahlreiche Oberpfälzer Blasmusikerinnen und Blasmusiker an. Ein Regensburger Lokalmatador hatte einen bejubelten Gastauftritt.

Hätten alle Blasmusiker und -musikerinnen im Publikum ihre Instrumente in den Prüfeninger Schlossgarten mitgebracht und hätten sie in Josef Menzls „Circus Renz“ mit eingestimmt, es wäre nicht mehr zum Aushalten gewesen. Aber auch ohne die Hunderte von Klarinettisten und Blechbläser, die gekommen waren um sich die Blasmusik Supergroup von Thomas Gansch anzuhören, geriet das temporeiche Paradestück Menzls zu einem köstlichen Spaß und atemlosen musikalischen Vergnügen. Der Regensburger Lokalmatador hatte einen bejubelten Gastauftritt mit „der Champions-Liague der austro-bayerischen Blasmusik“, wie Gansch sein Orchester ankündigte.

Der Nachbar des Berichterstatters, selbst Klarinettist bei den Laabertaler Musikanten, geriet für seine Verhältnisse fast aus dem Häuschen. Begeistert kommentierte er den rasanten Höllenritt, den Menzl mit seiner Klarinette und dem Blasorchester entfachte, mehrmals mit lauten „Bravo“-Rufen. Damit war der beeindruckende Musikant an dem Abend keineswegs alleine. Immer wieder stießen Zuhörende Beifallsbekundungen aus, wenn einer der vier Trompeter blitzblank in Höhen enteilte, die für andere unerreichbar scheinen. Oder wenn die Einsätze bei wechselnden Tempi und Taktarten so präzise und synchron erfolgen, dass man ins Grübeln kommen könnte, ob da technische Nachhilfe im Spiel sei.

Musiker von Wiener Philharmonikern über die Egerländer bis zu LaBrassBanda

Ist es natürlich nicht. Für seine Supergroup hat der österreichische Trompeter – und Entertainer müsste man ehrlicherweise ergänzen – von den Wiener Philharmonikern über die Egerländer bis zu LaBrassBanda und Da Blechhauf’n gewildert was das Zeug hält. Aus diesen Orchestern und Bands hat er sich jeweils Meister ihres Fachs für sein jüngstes Projekt zusammengesucht. Zwanzig Mann sind es geworden, mit vielen ist Gansch persönlich befreundet. Und der definitiv humorbegabte Musiker, Komponist und Arrangeur wäre nicht er selbst, würde er diesen Umstand der Frauenlosigkeit in einer pointierten Moderation nicht selbst gewitzt reflektieren.

Es ist ein kleines Stück Anarchie, das in ihm steckt und gelegentlich zu feinen Provokationen und wunderbar spitzfindigen Pointen anspornt, wobei er sich selbst keineswegs ausnimmt. Die gleiche Energie treibt ihn offenbar auch musikalisch an, lässt ihn neue Ideen ausbrüten und Dinge anpacken, die von außen betrachtet erstmal gar nicht zusammen passen. Aber bereits mit Mnozil Brass, lange Zeit sein wichtigstes Projekt, hat der umtriebige Musiker von Jazz über Pop bis Klassik Genre- und Stilgrenzen einfach ignoriert.

Mit der Supergroup, Referenz und ironische Pointe auf die Supergroups der Rockmusik, macht er „endlich wahr, was sich mein Bruder und ich immer erträumt haben“, schreibt er im Booklet des Debütalbums „Live in Concert“. Das Album mit Stücken tschechischer symphonischer Blasmusik widmete Gansch seinem musikversessenen Vater, der selbst zahllose Märsche, Polkas und Walzer komponiert hat. Beim gefeierten Konzert im Schlossgarten stellte die Band daraus Stücke wie den Optimistenmarsch und den Slowakischen Tanz Nr. 1 von Jindrich Pravecek, Vaclav Vackar und Miroslav Juchelka vor. Beginnend mit einer flotten Nummer des großen Henry Mancini aus dem Film „Das große Rennen“, der „Pie In The Face Polka“ mit einem fantastischen Feature für die drei Klarinettisten, wandte sich die 20-köpfige Blaskapelle nach der Pause bekannter Filmmusiken zu. Im Mittelpunkt eine Starwars-Suite mit bekannten Melodien aus verschiedenen Episoden.

Das Publikum giert nach Zugaben

Den Vogel in der Publikumsgunst aber schoss erwartungsgemäß Gastmusiker Josef Menzl ab. Der trieb in gewohnt zupackender Manier das Orchester an und vor sich her und zeigte in einem Duett mit Michael Gruber seine energiesprühende musikalische Klasse. Mit einer herrlich sinnlichen und swingenden Version des „vom österreichischen Tourismusverband und den Wiener Philharmonikern zu Tode geprügelten“ Radetzky-Marsch von Johann Strauss verabschiedete sich die Band um Thomas Gansch von einem beglückten Publikum. Dessen vehement vorgetragener Wunsch nach Zugaben ging in Erfüllung.