Alarm: Das langlebige Erbe der Bombennacht von 1945 im Chamer Bahnhofsviertel

Die Bombennacht vom 18. April 1945 beschäftigten die Stadt Cham bis heute. Der aktuelle Fund hat wieder gezeigt, wie tückisch die eingesetzten Langzeitzünder der Briten bis heute geblieben sind.
186 Gebäude werden in dieser Aprilnacht in Cham beschädigt, vorwiegend rund um den Bahnhof. 66 Menschen sterben, 46 werden verwundet. Der Sprengmeister Bernhard Zellmann hat 2010 bei der Entschärfung eines Blindgängers in der Taubenbühlstraße berichtet, dass die 250 Kilogramm schweren Fliegerbomben mit einer Geschwindigkeit von rund 800 Kilometern pro Stunde in die verdichteten und felsigen Böden der Stadt eingeschlagen sind.
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Deswegen liegen Blindgänger dort meist in einer Tiefe von 60 Zentimetern bis zu einem Meter. Die Wucht ihres Aufpralls ist so groß, dass Kieselsteine zersplittern, Felsen zertrümmert werden und sich die Erdschicht verfärbt. „Das sind die Anzeichen, nach denen ich oft suche“, hat Zellmann erzählt.
Töten und terrorisieren
Viele Bomben hatten keinen Aufschlagzünder. Stattdessen befand sich in der Spitze eine Blindschraube. Die Bomben explodierten also nicht beim Aufprall. Sie steckten in der Erde. Der Bombenschütze im Flieger hatte die Möglichkeit, eine Zeitzündung beliebig einzustellen. Das funktionierte so: Am Heck der Bombe saß am Zünder ein kleines Windrad, das im Herabfallen eine Metallnadel in eine Säureampulle trieb. Die Säure tropfte auf ein Pergament und zerfraß es. Je langsamer die Einstellung, desto später die Zündung.
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Putin hat es also nicht erfunden, dass nach der ersten Detonation Rettungskräfte und Helfer anrücken, die dann bei einer zweiten Explosion getötet werden. Die britischen Bomben waren darauf ausgerichtet, durch eine Detonation im Boden die Grundfesten der Häuser zu zerstören und durch lange hinausgezögerte Explosionen die Bevölkerung maximal zu terrorisieren. Wie die aktuellen Ereignisse zeigen, funktioniert diese Idee bis heute.
Entdeckung unter Häusern unmöglich
Auch in der Nacht zum Donnerstag, nachdem die Bombe auf der Baustelle vom Bagger bewegt worden war, konnte der Sprengmeister nicht sagen, ob und wann sie hochgehen würde. So riskierten die zum Bau des Schutzdammes eingesetzten Kräfte Leib und Leben und der unberechenbare Zünder musste noch vor Ort gesprengt werden.

Eine Entdeckung solcher Bomben unter den bestehenden Häusern ist übrigens nicht möglich. Im Beton der Grundfesten befindet sich viel zu viel Metall, als dass man eine Bombe erkennen könnte. Bisher wurden solche Bomben deswegen immer bei Grabungsarbeiten entdeckt. Eine lag im Gehweg der Gartenstraße und kam beim Kanalbau zum Vorschein. Die Bombe in der Taubenbühlstraße wurde ebenfalls durch den Bagger ausgehoben.
Entdeckungen bei der Kampfmittel-Aufklärung
Die Stadt lässt inzwischen sämtliche Straßenbauarbeiten im Bereich des Bombenabwurf-Gebietes rund um den Bahnhof von Spezialfirmen begleiten, deren Mitarbeiter auf charakteristische Erdveränderungen achten und Metalldetektoren einsetzen. In der Frühlingsstraße kamen dabei Achsen von Zugwaggons, eine zerschossene Eingangstüre und ein alter Wehrmachtskarabiner zu Vorschein.