Afuera-Fest: Demokratie-Feinde feiern am Schloss Pürkelgut in Regensburg

Von Benedikt Baumgartner · 9. Juli 2025 um 17:00

Die Kleinstpartei Die Libertären feiert an diesem Wochenende am Schloss Pürkelgut in Regensburg ihr Afuera-Fest mit AfD-Prominenz, Bitcoin-Enthusiasten und Demokratie-Feinden. Ein Mitorganisator des Fests sagt: „Manche würden es als umstritten einschätzen, aber wir sind ganz entspannt.“ Die Grünen bezeichnet der Mann online als „Drecksbande“.

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Das Vorbild ist schnell erraten: Eine Kettensäge ziert das Logo des Afuera-Fests, bei dem sich von Freitag bis Sonntag am Schloss Pürkelgut zahlreiche Gäste aus dem rechts-libertären Spektrum versammeln. „Afuera“, also „Hinaus“, wurde als Wahl-Slogan des argentinischen Präsidenten Javier Milei so berühmt-berüchtigt wie seine Kettensägen-Auftritte. Den Staatsapparat hackt er seit seiner Wahl kurz und klein – davon träumen auch die Gäste des Afuera-Fests.

Hinter dem Treffen steckt die Kleinstpartei Die Libertären. Den Staat begreift die Partei als übergriffigen Feind, der das Individuum in Unfreiheit hält. „Beende deine Knechtschaft jetzt“, heißt es auf ihrer Website.

Rechts- und Verfassungstreue wurde vertraglich zugesichert

Vermietet hat der Regensburger Veranstalter Peter Kittel das Gelände an die Libertären. „Die angesprochene Organisation war uns gänzlich unbekannt“, sagt er auf MZ-Anfrage. Die Vermietung an externe Veranstalter komme immer wieder vor. „Dabei haben uns die jeweiligen Veranstalter ihre Rechts- und Verfassungstreue vertraglich zu versichern. Dies ist auch im vorliegenden Fall geschehen“, sagt Kittel. Das Fest sei als geschlossene Veranstaltung deklariert, sämtliche Verantwortung liege bei den Organisatoren.

Libertäre wollen politisch ähnliche Ansichten versammeln

„In Anführungsstrichen ist es eine private Veranstaltung“, sagt Ferdinand Steinhöfel, Pressesprecher der Partei und Mitglied im Organisationsteam des Afuera-Fests, gegenüber der MZ. Die Veranstaltung sei als privat deklariert, da „wir in unserem kleinen Kreis Kanäle haben, damit genug Leute kommen“. Tickets für das dreitägige Fest stehen dennoch öffentlich zum Verkauf – für Unter-26-Jährige zum Vorzugspreis von 99 Euro. Klickt man auf der Homepage des Afuera-Fests auf Teilnahme, wird man informiert, dass sich die Veranstaltung „ausschließlich an Freunde, Bekannte und ausdrücklich eingeladene Gäste“ richte.

Um ein solcher Freund zu werden und eine Teilnahmeberechtigung zu erhalten, muss man per E-Mail Kontakt mit den Veranstaltern aufnehmen. Nach erfolgreicher Prüfung erhält man einen Zugangscode für den Ticketkauf. Doch selbst ein Erwerb einer Eintrittskarte begründet keinen automatischen Anspruch auf Teilnahme, heißt es weiter. Man wolle „politisch ähnliche Ansichten“ versammeln, sagt Steinhöfel. „Manche würden es als umstritten einschätzen“, sagt er zum Fest, „aber wir sind ganz entspannt, ganz offen“.

AfD-Politiker treffen auf Bitcoin-Enthusiasten

Ein Programm ist auf der Website allerdings nicht ersichtlich. Auch die Gästeliste wurde wieder entfernt, liegt der MZ aber in der Version von Juni vor. Ex-AfD-Chefin Frauke Petry und AfD-Bundesabgeordneter Peter Boehringer sind die namhaftesten Gäste, es werden Podcaster und Autoren aus dem rechts-libertären Spektrum, Unternehmer, Motivationstrainer oder „Bitcoin-Enthusiasten“ angekündigt. Neben Live-Musik finden Workshops zum Bezahlen mit Kryptowährung, zum libertären Argumentieren oder zum Kulturkampf statt.

Wie Steinhöfel zur Einschätzung gelangt, man könne das Afuera-Fest für „umstritten“ halten, wird bei einem Blick auf seine Beiträgen auf Online-Plattformen klar. Darin bezeichnet er die Grünen als „Drecksbande“ und „verkommenes Pack“. Die bestehende Staatsform verwandle Menschen in Bestien: „Dieser Mist kann weg, komplett.“ Ab Freitag trifft er am Pürkelgut Gleichgesinnte zum Feiern und Netzwerken.