„Zeichen setzen“: Landkreis Regensburg will zum Radeln motivieren

Von Dagmar Unrecht · 10. Juli 2025 um 05:00

In Regensburg wird schon viel geradelt, auch der Landkreis möchte mitziehen. Um mehr Pendler aufs Rad zu holen, wird die erste Regensburger Hauptradroute RR05, die den Stadtosten mit dem Westen verbindet, nach Viehhausen verlängert – allerdings nur mittels Beschilderungen.

Damit soll, so die Idee im Landratsamt, ein Zeichen für den Radverkehr gesetzt werden. Am Freitag wird der rund neun Kilometer lange Abschnitt, der von der Sinzinger Radbrücke über Alling nach Viehhausen führt, feierlich eröffnet.

13 Schilder und weitere kleinere Wegweiser werden angebracht, auch die Straße wird markiert. Zusätzliche Radwege sind nach Auskunft des Landratsamts aber zunächst nicht geplant. Die Radroute führt von Regensburg kommend von der Sinzinger Brücke auf die Bahnhofstraße. Dort gibt es einen Radweg, ab dem Wertstoffhof müssen Radler auf die normale Fahrbahn. Über die Laberstraße geht es weiter auf den Labertalradweg, der vor gut zwei Jahren neu gemacht wurde, an Alling vorbei nach Viehhausen.

Nicht überall Asphalt

„Wir wollen zeigen, dass man kann hier gut Fahrradfahren kann“, sagt Sebastian Gradl vom Sachgebiet Regional- und Verkehrsplanung im Landratsamt. Die Radroute auf Landkreisseite habe aber „eine andere Qualität“ als die der Stadt, fügt Gradl hinzu. So sei diese im Stadtbereich durchgehend asphaltiert und im Landkreis nicht – aus Gründen des Artenschutzes.

Benedikt Benz, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Regensburg, findet es gut, dass der Landkreis die Radroute weiterführt. „Eine durchgängige Markierung macht die Strecke bekannter. Das ist wichtig.“ Die Leute seien oft auf gewohnten Wegen unterwegs. Ohne Hinweise erreiche man Menschen nicht. „Deshalb lieber früher ausschildern, auch wenn vielleicht die Verhältnisse auf der Strecke noch nicht perfekt sind.“

Auf Regensburger Seite sei die Route auch noch nicht überall ideal. Für den Autoverkehr würden viele Ziele ausgeschildert, das mache das Fahren angenehm. „Auch für Radler ist dieser Komfort wichtig.“ Navis würden von Radlern im Alltag wenig genutzt. „Im touristischen Bereich ist das anders.“ Verkehrsplanung sei immer Angebotsplanung.

Wer Pendler aufs Rad bekommen wolle, müsse entsprechende Voraussetzungen schaffen: „Man bekommt das, was man baut: Baut man Radwege, bekommt man Radverkehr.“ Die Sinzinger Brücke ist für Benz „eine sehr wichtige und schnelle Verbindung“.

Benedikt Benz, Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Regensburg, findet es gut, dass der Landkreis die Radroute weiterführt. „Eine durchgängige Markierung macht die Strecke bekannter. Das ist wichtig.“ - Foto: Julia Ried

Das sieht auch Markus Wachsmann so. Er wohnt mitten in Sinzing und pendelt schon seit mehreren Jahren mit dem E-Bike zu seiner Arbeitsstelle am Bismarckplatz. 2000 bis 3000 Kilometer kämen da im Jahr zusammen, erzählt er. „Das tut mir körperlich gut und ich bin an der frischen Luft.“

Er fährt bei Wind und Wetter. „Dass es richtig schüttet, ist sehr selten.“ Dann zieht er neben der Allwetterjacke noch eine Regenhose über den Anzug. Auch im Winter nutze er das Rad, nur bei Blitzeis setze er aus. „Das war letztes Jahr ein Mal der Fall.“

Zwischen 20 und 30 Minuten braucht Wachsmann für die Fahrt zur Arbeit. Das die Route auf Landkreisseite beschildert werde, sei „nicht verkehrt“, meint er. Gerade für Leute von außerhalb sei das hilfreich.

Radentscheid war Anstoß

Die Einrichtung der Radrouten in Regensburg geht auf ein Bürgerbegehren zurück und wurde vor sechs Jahren vom Stadtrat „als vorrangiges verkehrspolitisches Ziel der Stadtentwicklung“ beschlossen. „Die Idee dahinter war, Routen nicht an Hauptverkehrsstraßen entlang zu führen, wo oft für Radwege kein Platz ist, sondern auf Nebenstraßen“, erinnert sich Regine Wörle vom ADFC.

Die Radroute 5 ist bisher die einzige, die nach dem Radentscheid verwirklicht wurde. Sie führt auf rund neun Kilometern vom westlichen Ende der Stadt am Bahnhof Prüfening vorbei durchs Dörnbergquartier, dann weiter zum Hauptbahnhof und zum Hohen Kreuz. Regensburg wurde dafür kürzlich beim Deutschen Fahrradpreis ausgezeichnet.

Radbrücke bleibt trotz Sanierung der Bahnstrecke offen

Nun kommen auf Landkreisseite weitere neun Kilometer hinzu. Der Aufwand hält sich in Grenzen. Die neuen Schilder kosten den Landkreis rund 1500 Euro. Für die drei Bodenpiktogramme sind etwa 150 Euro pro Stück fällig. Diese bezahlt die Gemeinde Sinzing.

Auch das Anbringen der Schilder übernimmt der Sinzinger Bauhof. Laut Bürgermeister Martin Brix hat der Radverkehr aus dem Umland in Richtung Regensburg deutlich zugenommen. Mittelfristig soll der Radweg auch nach Saxberg und Bergmatting weitergeführt werden, sagt Brix. Die Brücke und die Verlängerung der Radroute seien ein „Mehrwert“.

Der Bürgermeister räumt auch mit einem Gerücht auf: Die Sinzinger Radbrücke werde trotz der derzeit laufenden Sanierung der Bahnstrecke nicht gesperrt. Es gebe lediglich einen Sicherheitsabstand, dadurch sei der Radweg derzeit etwas enger – voraussichtlich bis Ende September.