Die Galerie Woferlhof in Wettzell feiert ihr 35-jähriges Bestehen

Von Stefan Weber · 9. Juli 2025 um 19:00

Bis 19. Juli ist die Galerie Woferlhof in Wettzell geschlossen, so hat es Galeristin Elisabeth Lerche an ihrem Gartenzaun angeschlagen. Der Grund ist ein ganz einfacher und erfreulicher: Die Vorbereitungen für das Fest zum 35-jährigen Bestehen laufen.

„Wenn eine Galerie fünf Jahre überlebt, ist sie gut.“ Dieser Satz steht auf den Einladungskarten, die Lerche in diesen Tagen verschickt. Der Satz stammt von ihrem 2018 verstorbenen Mann Achim Lerche, gesagt hat er ihn im Jahr 1995. Ein kurzer Satz, dem eine viel längere Geschichte vorausgegangen ist. Denn bis es zur ersten Ausstellung in der Scheune des historischen Gebäudes in der Ortsmitte von Wettzell kommen konnte, mussten so einige Hürden überwunden werden.

1986 den Hof gekauft

Wenn Elisabeth Lerche heute im Esszimmer Gäste empfängt, dann gibt es an den Wänden rundherum eigentlich keinen freien Platz mehr, an dem noch ein Bild hängen könnte. Als sie gemeinsam mit ihrem Mann 1986 das Anwesen nach dem zweiten Verkauf kurz hintereinander übernommen hatte, sei das noch ganz anders gewesen. In der Scheune, in der am 19. Juli die traditionelle Ausstellung mit dem Namen „Meine Künstler“ eröffnet werden wird, standen damals noch die Pferde. Heizung, Dach, das gesamte Innere des Hauptgebäudes mussten erst grundlegend saniert werden, bevor die ersten Ausstellungen stattfinden konnten.

Der historische Woferlhof sei dabei nicht sofort die erste Wahl des Ehepaares gewesen, erinnert sich Elisabeth Lerche. Als die aus Arrach stammende junge Ärzten 1985 das Angebote bekommen hatte, die Praxis von Zita Ziegler in der Kötztinger Innenstadt übernehmen zu können, habe ihr Mann noch in München gewohnt. Achim Lerche war von Beruf Maler, hatte ein eigenes Geschäft und bot schon damals Künstlerbedarf an.

„Uns hätte auch ein kleineres Haus gereicht“, sagt Elisabeth Lerche. Das Ziel sei erst einmal ein gemeinsames Eigenheim gewesen, keine Galerie. Letztlich habe aber schon die große Scheune den Ausschlag für das Paar gegeben, sich hier niederzulassen. Während Elisabeth Lerche als Hausärztin in Kötzting ihre berufliche Erfüllung fand, brach ihr Mann Archim Lerche seine Zelte in München ab und baute ein neues Leben in Wettzell auf – und das sei quasi wörtlich zu verstehen: „Mein Mann hat hier sehr viel selbst renoviert“, sagt Elisabeth Lerche. So seien vier Jahre vergangen, bis die erste Vernissage abgehalten werden konnte.

Als das historische Gehöft soweit auf Stand gebracht worden war (wobei über viele Jahre weiter renoviert wurde), habe die an Achim Lerche gestellte Frage „Wo sind die Bilder?“ den Ausschlag dazu gegeben, den alten Bauernhof in einen Kunsttempel zu verwandeln.

Die erste Ausstellung

Doch aller Anfang ist nicht so einfach, wie es Jahrzehnte später aussieht: Woher kommen die Künstler, die im Bayerischen Wald ausstellen sollen? Die Antwort auf dem Woferlhof lautete: aus der Verwandtschaft. Mit Marerl Gehrig standen die Werke einer Tante von Elisabeth Lerche vom 5. Mai bis zum 23. Juni 1990 als erste in der neu gegründeten Galerie. Doch danach ging es Schlag auf Schlag. Bereits vom 21. Juli bis zum 30. September wurden Werke aus dem Nachlass des Kötztinger Malers August Philipp Henneberger präsentiert. Im selben Jahr folgten noch Gernot Pillhatsch und eine Weihnachtsausstellung. Wer den Woferlhof kennt, weiß, dass das eine wesentlich kürzere Taktung ist als heute üblich. In späteren Jahren waren es oft vier Ausstellungen im ganzen Jahr.

Die Einladungskarte: Achim und Elisabeth Lerche bei einer Ausstellung Mitte der 1990er-Jahre

Durch die über die Jahre immer sehr hoch gehaltene Qualität der Künstler in über 100 Ausstellungen in all den Jahren und die Kontakte in die Szene, die Achim Lerche aus München mitgebracht hatte, entwickelte sich die heute weithin bekannte Galerie in Wettzell. Das Galeriefest, das gehört seit 1995 fest zum Programm, seitdem ist der Woferlhof „gut“.

Darum ist die Galerie bis zu diesem Tag auch geschlossen, weil sich Elisabeth Lerche schon Wochen vor dem Galeriefest, zu dem Werke von rund 35 aktuell vertretener Künstler ausgesucht und platziert werden müssen, Gedanken darüber macht. Es sei die Möglichkeit, die gesamte Palette der Galerie zu präsentieren, sagt sie, wofür nicht nur die Scheune, sondern auch das Hauptgebäude genutzt werde. Wer das Ergebnis sehen will, der sollte am 19. Juli um 16 Uhr in die Galerie zur Eröffnung kommen.

Ausstellungen

■ 19. Juli: An diesem Tag wird um 16 Uhr die Gemeinschaftsausstellung „Meine Künstler“ mit Galeriefest eröffnet.

■ Oktober: Ab diesem Monat ist bereits eine Ausstellung mit Werken von Vater und Schwester des Künstlers Menno Fahl geplant.

■ Öffnungszeiten: Die Galerie Woferlhof hat immer Donnerstag und Sonntag von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Darüber hinaus ist es möglich, unter der Telefonnummer (0 99 41) 90 53 15 Termine zu vereinbaren.