Rund um den Nürnberger Hauptbahnhof soll Cannabis immer offener verkauft werden

Von Nikolas Pelke · 8. Juli 2025 um 19:00

Von einem „massiven Anstieg“ des Cannabis-Handels als Folge der Teillegalisierung von Gras, Haschisch und Co hat das Nürnberger Polizeipräsidium bereits in seinem aktuellen Sicherheitsbericht gewarnt.

Allein in den ersten drei Monaten vor dem Inkrafttreten der neuen Paragrafen zur Entkriminalisierung von Hanfkonsumenten haben die mittelfränkischen Ordnungshüter einen Anstieg von mehr als 60 Prozent aller Fälle registriert.

Neuere Zahlen gibt es laut Polizeipräsidium noch nicht. Allerdings liegt die Vermutung nahe, dass sich dieser Trend weiter fortsetzt. Darauf weist auch der Polizeibericht bereits hin. „Die Sicherstellungsmengen im Jahr 2024, insbesondere ab 1. April, belegen eine extrem hohe Verfügbarkeit von Cannabis. Daraus muss der Schluss gezogen werden, dass der Schwarzmarkt für Cannabis floriert“, heißt es wörtlich in dem aktuellen Sicherheitsbericht.

Nach Gesetzesänderung ist es schwieriger für die Polizei

So hat der Bereich rund um den Nürnberger Hauptbahnhof – beispielsweise beim Südausgang zwischen Celtispark und Nelson-Mandela-Platz – erst kürzlich Schlagzeilen als offener Drogenumschlagplatz gemacht.

Diesem Treiben können die Sicherheitsbehörden offenbar nur schwer Einhalt gebieten. Für die Polizei sei es aufgrund der erlassenen Regelungen laut Rainer Nachtigall, Sicherheitspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion im Nürnberger Stadtrat und gelernter Polizeibeamter, ungleich schwieriger geworden.

„Die Nachweisbarkeit des Handeltreibens ist stark erschwert, da die Menschen ja 25 Gramm mitführen dürfen.“ Auch die Art und Weise der Verpackung dieser 25 Gramm – beispielsweise in kleinen Konsumportionen – sei alleine noch kein Indiz für den illegalen Handel, sagt Nachtigall.

Selbst bei „großen Fischen“ fehlt den Strafverfolgungsbehörden offensichtlich die Handhabe. Ausdrücklich weist das Polizeipräsidium darauf hin, dass deren Befugnisse selbst beim Handel mit Cannabis in nicht geringer Menge eingeschränkt worden seien und beispielsweise keine Überwachung der Telekommunikation mehr zulässig sei.

Ins Netz scheint der Polizei trotzdem noch genug zu gehen. Vor dem Nürnberger Landgericht laufen derzeit gleich mehrere Prozesse gegen mehr oder weniger größere Dealerbanden parallel. Angeklagt sind beispielsweise eine Vierergruppe im Alter von rund 25 Jahren, die gemeinsam insgesamt knapp ein halbes Kilogramm Marihuana und mehr als ein Kilogramm Haschisch allein zwischen Mai und Juni vergangenen Jahres nur in Nürnberg gewinnbringend unter das Volk gebracht haben sollen.

Empfindliche Strafen von Gerichten ausgesprochen

In einem anderen laufenden Verfahren wirft die Staatsanwaltschaft zwei 31-Jährigen vor, fast 4,5 Kilogramm Marihuana und knapp 3,5 Kilogramm Haschisch im Großraum Nürnberg neben einem halben Kilogramm Methamphetamin und 100 Gramm Kokain verkauft zu haben.

Die Strafen dürften bei einer Verurteilung empfindlich ausfallen. Zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von zehneinhalb Jahren ist kürzlich erst ein 32-Jähriger verdonnert worden, dem unter anderem der Handel mit rund 100 Kilogramm Marihuana sowie mehr als 3,5 Kilogramm Haschisch vom Landgericht nachgewiesen werden konnte.

Richtig verstecken müssen oder wollen sich die Dealer derzeit wohl trotzdem kaum. „Die Kollegen stellen fest, dass sowohl Käufer als auch Verkäufer in ihrem Verhalten wenig um Konspirativität bemüht sind“, hat der CSU-Stadtrat Rainer Nachtigall in Erfahrung gebracht.