Tierfreundekreis geht neue Wege für weniger Fundkatzen

Von Stefan Weber · 8. Juli 2025 um 05:00

Im Januar hatte Karl Wartha, Vorsitzender des Tierfreundekreises mit einem eigenen Haus als Katzenauffang-Station in Miltach, Alarm geschlagen: Fast 400 Katzen waren allein durch diesen ehrenamtlich tätigen Verein im Vorjahr kastriert worden. Alles herrenlose Tiere, die zu den Helfern gebracht wurden – viele von ihnen krank. Mit einer Kastrations-Aktion will der Verein nun offensiv selbst darauf hinarbeiten, das Leid der Tiere zu lindern – und die Belastung für die Ehrenamtlichen zu verringern.

Denn das Eine bedingt das Andere, wie Wartha gemeinsam mit Tanja Rabenbauer erklärt. Die Rechnung ist dabei ganz einfach: Jede Katze bekommt zweimal im Jahr drei bis fünf Jungtiere, die wiederum innerhalb eines Jahres geschlechtsreif werden und wieder Nachwuchs hervorbringen können.

Über 78 000 Euro Arztkosten

Alles, soweit für die Hauskatze, die ein Zuhause hat und gepflegt wird, kein Thema. Doch alleine beim Tierfreundkreis landen pro Jahr zwischen 250 und fast 300 Fundkatzen. Im gesamten Landkreis seien es rund 1200, schätzt Wartha. Tiere, die einerseits oft gesundheitlich angeschlagen seien, aber natürlich nicht auf Dauer in der Auffangstation bleiben könnten.

Innerhalb von sechs bis acht Wochen würden die Tiere statistisch gesehen weitervermittelt, sagen die Tierfreunde. Bis zu diesem Zeitpunkt sei allerdings viel ehrenamtliche Pflege und auch tierärztliche Hilfe – die im Gegensatz zur Arbeit der Helfer in der Auffangstation nicht kostenlos sei – notwendig. Krankheiten behandeln, entwurmen, impfen, chippen und kastrieren, das alles koste Geld.

Auf die Menge der Tiere gerechnet komme dafür jedes Jahr eine hohe Summe zusammen. „Über 78 000 Euro waren es alleine im vergangenen Jahr an Tierarztkosten, Geld für Futter, Versicherungen, Wasser ...“, rechnet Karl Wartha vor. Insgesamt türmten sich die Kosten, für die der Verein aufkommen müsse, auf rund 100 000 bis 120 000 Euro im Jahr auf.

Geld, das die Tierfreunde glücklicherweise haben: „Wir verfügen über ein finanzielles Polster von einem Jahr“, sagt Vorsitzender Wartha. Aktuell stehe die Finanzierung des Vereins auf zwei Hauptsäulen: Die Mitgliedsbeiträge der Kommunen, die zwischen Lam und Teilen der Kreisstadt Cham lägen, und vor allem die Zuwendungen von privaten Spendern. Mit ersteren habe erst vor wenigen Jahren vereinbart werden können, dass die bis dahin 50 Cent je Einwohner auf zwei Euro pro Gemeindebürger angehoben werden konnte. Alleine dadurch kämen jedes Jahr rund 68 000 Euro in die Vereinskasse. Die Restsumme werde mit Spenden gedeckt, zu denen schon auch mal größere Zuwendungen aus dem Nachlass von Verstorbenen zählten. Doch löse alle Hilfe nicht das Grundproblem, wissen Karl Wartha und Tanja Rabenbauer: Es gebe einfach zu viele Katzen, um die sich deren Besitzer entweder wenig bis gar nicht kümmerten und viele, die schlicht „wild“ lebten.

Bereits 336 Tiere kastriert

Darum sei das Ziel, dieses Jahr, nicht über 300 Fundkatzen zu kastrieren, sondern mindestens 500. 336 Tiere seien es bereits im ersten Halbjahr gewesen. Um diese Marke erreichen zu können, sprechen die Tierfreunde aktuell vor allem vermehrt auf großen Höfen in der Region vor und bieten die Kastration gegen Spende an. Spende deshalb, damit Besitzer nicht gleich von der Summe von 45 Euro (für Kater) bis 70 Euro (für Katzen) abgeschreckt werden.

Die Rechnung für die Tierfreunde sei dabei ganz einfach: Jedes kastrierte Tier seien bis zu zehn Jungkatzen im Jahr weniger, und damit – darauf hoffen die Mitglieder in den Folgejahren – weniger Fundkatzen, die nach Miltach oder in die Unterbringungen anderer Vereine kommen.

Bisweilen werden gleich mehrere Tiere auf einmal aufgenommen. - Foto: Tanja Rabenbauer

Besonders begrüßen die Tierfreunde, dass sich dieses Jahr die Stadt Bad Kötzting als Mitgliedgemeinde bereits zum zweiten Mal um eine staatliche Förderung für die Kastration von Fundkatzen erfolgreich selbst beworben habe. Damit könne sie sich selbst an den anfallenden Kosten für 100 Tiere beteiligen – und so viele seien es in etwa, die jedes Jahr alleine aus der Stadt selbst nach Miltach kämen.

Ein lobenswertes Beispiel, das gerne auch in anderen Gemeinden Schule machen könnte, wie die Tierfreunde meinen. Ob die Rechnung aufgeht und im nächsten Jahr schon spürbar wird, dass weniger Fundkatzen gebracht werden, das bleibt noch abzuwarten – und ebenso wichtig wäre, dass die dann nicht krank und verwahrlost gebracht werden. Das wäre die Hoffnung.

Vor allem große Höfe wollen die Tierfreunde mit ihrer Aktion ansprechen. - Foto: Tanja Rabenbauer

Die Katzenauffang-Station

■ Erste Auffangstation: Von Oktober 2010 bis Mai 2013 gewährte ein tierliebes Ehepaar aus Bad Kötzting in seinem Haus in einer geräumigen und warmen Wohnung im Souterrain den Tierfreunden eine Heimat.

■ Am 23. Oktober 2010 wurde mit dem Aufbau der Katzenzimmer begonnen. Der Umzug in die neuen Räume erfolgte am 1. November des Jahres 2010.

■ Allerdings war klar, dass das nur eine Unterkunft auf Zeit gewesen war. Darum machte sich der Verein auf die Suche nach einem kleinen Haus oder wieder einer Souterrainwohnung mit eigenem Eingang, möglichst mit Gartenzugang.

■ Die Suche glückte in Miltach, am 6. Oktober 2013 erhielt die Auffangstation den kirchlichen Segen, und die Bevölkerung konnte bei einem „Tag der offenen Tür“ die Anlage besichtigen.

Spenden: Tierfreundekreis Kontonummer: 240 395 335Bankleitzahl: 742 510 20IBAN: DE11 7425 1020 0240 3953 35BIC: BYLADEM1CHMSparkasse im Landkreis Cham