Putzige Zwillings-Raufbolde: Zwei kleine Luchse sind die Attraktion

Von Mittelbayerische Zeitung · 6. Juli 2025 um 16:15

Der Bayerwald-Tierpark in Lohberg meldet auch im Luchshaus Nachwuchs. Beim Anblick der süßen, zarten Racker schmelzen alle Menschenherzen. Die Kleinen laufen ihrer Mutter vor die Füße, stecken ihre Nasen überall hinein, purzeln beim Toben durcheinander und stellen für ihr Leben gern Unsinn an.

Bis sie auf Luchsmama Narnia rumhopsten und sie aus dem Hinterhalt ansprangen, dauerte es allerdings ein bisschen. In den ersten beiden Wochen ihres Lebens waren die Zwillinge nämlich noch blind. Viele Tierkinder kommen klein und hilflos auf die Welt. Sogenannte Nesthocker verbringen die erste Zeit in einem Bau oder einer Höhle, wo sie von ihrer Mutter versorgt und beschützt werden.

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„Zum Fressen süß“, bekennt auch die fachliche Leiterin Claudia Schuh, wenngleich die hübschen Pinselohren natürlich keine Kuschel- sondern Wildtiere sind und bleiben. Luchsmama Narnia hatte in den ersten Lebenswochen gut damit zu tun, die Energiebündel wieder einzusammeln, nachdem sie erste Erkundigungstouren unternahmen. Sie packte sie dabei mit einem Biss in den Nacken und trug sie in das Luchshaus zurück. Mittlerweile sind die Vierbeiner groß genug, um mit Neugierde das Umfeld zu erforschen.

Papa wurde umquartiert

Papa Luis ist erst im Vorjahr als einjähriger Kuder nach Lohberg umgezogen. Heuer war er erstmals reif für eine Paarung. Nach dem Wurf wurde er ins Nachbargehege umquartiert. Was die Verträglichkeit betrifft, harmoniert der Familienverband gut miteinander. Die Trennung ist eine reine Vorsichtsmaßnahme.

Tierische Mutterliebe: Ein Racker saugt an der „Milchtankstelle“ und der zweite lässt sich die Pfote lecken. - Foto: Maria Frisch

Die kleinen Raufbolde tragen unentwegt kleine Rangeleien aus und beziehen sogar die Luchsin in die Balgereien ein. „Sie lassen die Muskeln spielen!“ Da die Mini-Pinselohren dabei fürs Leben lernen, lässt das Weibchen sie gewähren. Nur hin und wieder mischt sie sich ein, verpasst dem einen oder anderen eine Art Ohrfeige als notwendiges Erziehungsmittel.

Newcomer mit Pinselohern überraschen selbst die Pfleger

Die Newcomer haben sich fast unbemerkt auf die Welt geschlichen und überraschten die fachliche Leiterin und die Pfleger, als sie die Kinderstube zu Gesicht bekamen. Inzwischen pirschen die Kleinen neugierig durchs Freigehege und verzücken die Besucher. Am liebsten würde man die flauschigen Mini-Luchse, die jetzt schon fast die Größe von ausgewachsenen Hauskatzen erreicht haben, sofort auf den Arm nehmen und knuddeln. Das geht natürlich nicht! Die Mama der beiden, Luchs-Dame Narnia, würde ihre Nachkommenschaft sofort verteidigen. Ein direkter Kontakt zu den Betreuern besteht nur in wichtigen Fällen, wie etwa bei einer tierärztlichen Untersuchung.

Zwangloses Spiel

Auch Claudia Schuh steht selbst gerne am Zaun der wohlbehüteten Geschwister. Luchsin Narnia schaut von Tag zu Tag entspannter zu, wenn ihre Nachkommenschaft zwanglos spielt. Gut versorgt mit Futter und täglicher Kontrolle, können sie ein ziemlich sorgloses Leben führen. „In Freiheit wäre ihr Alltag um ein Vielfaches schwerer. Die Luchsmama hätte einen anstrengenden Job, die Kleinen satt zu kriegen“, weiß Claudia Schuh.

In Freiheit wäre ihr Alltag um ein Vielfaches schwerer. Die Luchsmama hätte einen anstrengenden Job, die Kleinen satt zu kriegen

Claudia Schuh, Fachliche Leitung Tierpark Lohberg

Die Paarungszeit des Luchses fällt normalerweise in die Monate Februar und März. Weibchen beteiligen sich gewöhnlich das erste Mal in ihrem zweiten Winter an der Ranz. Die Tiere markieren in dieser Zeit mit ihrem stark riechenden Urin ihre Reviere besonders intensiv – bevorzugt auf Nasenhöhe der Luchse zum Beispiel an Wurzelstöcken oder Steinen.

Die Luchskätzin zieht ihre Jungen alleine auf

Auch die lauten Ranzrufe sind häufig zu hören. Hat ein Männchen eine paarungsbereite Luchsin gefunden, hält es sich in dieser Zeit mehrere Tage in ihrer Nähe auf. Nach erfolgreicher Paarung und einer Tragzeit von ca. 70 Tagen kommen im Mai oder Juni in einem sorgfältig ausgewählten Versteck ein bis drei Junge zur Welt.

„Die Kätzin zieht ihre Jungen allein auf und betreut sie bis in den Spätwinter hinein. Im Alter von neun bis zehn Monaten müssen die Halbwüchsigen das mütterliche Wohngebiet verlassen und sich ein eigenes Revier suchen“, schildert die Veterinärin die harten Bedingungen in freier Wildbahn.

Die Jungensterblichkeit sei deshalb bei Luchsen sehr hoch: Von vier geborenen Jungen überlebt nur eines bis zur Etablierung eines eigenen Revieres. Todesursachen sind Verhungern oder Krankheiten sowie Unfälle auf Straße, Schiene oder beim Beutemachen.