Mehr Licht für die 1000-jährige Wolframslinde in Bad Kötzting

Von Mittelbayerische Zeitung · 6. Juli 2025 um 05:00

Kaum jemand hat so viele Höhen und Tiefen der Geschichte erlebt: Von den Schlachten des Mittelalters, der Erfindung des Buchdrucks, bis hin zu den beiden Weltkriegen und der Entwicklung künstlicher Intelligenz. Die Wolframslinde in Ried am Haidstein war bei all diesen Ereignissen dabei. Natürlich nicht vor Ort, sie kennt seit Jahrhunderten nur ihren Flecken in dem malerisch gelegenen Ortsteil.

Sie zählt zu den ältesten Linden Deutschlands – und ist ein lebendiges Naturdenkmal. Auf ein Alter zwischen 600 und 1000 Jahren wird der Baum geschätzt. Dass ein Baum ein solches Alter erreicht, erfordert nicht nur den richtigen Standort, sondern kontinuierliche und professionelle Pflege, und für die ist der Landkreis Cham zuständig. Das gilt auch für den heißen Tag Anfang dieser Woche, an dem sich einige Baumpfleger wieder einmal an der – oder besser gesagt – um die Linde zu schaffen machen.

Ohne Pflege kein Baum mehr

„Ohne die sichernden Maßnahmen der Baumpfleger wäre die Linde heute schon längst komplett zerfallen“, weiß Johannes Winter. Er ist Fachmann für den Schutz von Naturdenkmälern in der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Cham, das über die Pflegemaßnahmen informiert. In seiner Eigenschaft koordiniert Winter an diesem Tag auch eine besondere Pflegeaktion. Ausgerüstet mit Karabinern, Kletterseilen und einer Hebebühne hat sich eine Gruppe von Baumpflegern ans Werk gemacht, um in der unmittelbaren Umgebung der Wolframslinde wieder für optimale Bedingungen zu sorgen.

Neben Wasser, Nährstoffen und ausreichendem Wurzelraum seien gute Lichtverhältnisse von zentraler Bedeutung für das Überleben der Linde, erklärt er. „Die umliegenden Bäume werden über die Jahre älter und stärker und drohen, die Linde zu verschatten. Dadurch kann sie weniger Chlorophyll und wichtige Nährstoffe einlagern, was die Widerstandskraft des Baumes enorm schwächen kann“, erläutert Winter den Hintergrund der Maßnahme.

Von den Fachleuten ist bei den Schnittarbeiten rund um die Linde viel Expertise und Fingerspitzengefühl gefragt. In der dicht bewachsenen Umgebung gilt es, das Geäst der bis zu 15 Meter hohen Nachbarbäume gezielt zurückzuschneiden, ohne die empfindlichen Überreste der Wolframslinde zu gefährden.

Die benachbarten Bäume wurden von Fachleuten gestutzt. - Foto: Michi Gruber/Landratsamt Cham

Diese hat einen Großteil ihrer Substanz durch Verfaulungsprozesse über die Jahrhunderte bereits verloren und besteht heute nur noch aus drei Frakturteilen. Spezielle Metallstützen zeugen von einem schweren Sturm, der die Linde im Jahr 1950 getroffen hatte und dem hochbetagten Naturdenkmal beinahe ein Ende bereitet hätte. „Durch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen ist es glücklicherweise gelungen, den Überresten wieder den nötigen Halt zu geben“, erklärt Winter.

Warum jetzt pflegen?

Für die aktuelle Pflegemaßnahme spielt natürlich auch der Zeitpunkt eine wichtige Rolle. Die Sommermonate seien für die Schnittarbeiten der ideale Zeitpunkt, weil die Gehölze besser verheilten und nicht mehr so stark durchtrieben, erklärt der Experte vor Ort. Bei der Umsetzung werde größter Wert darauf gelegt, den Schnitt so schonend wie möglich für Pflanzen und Tiere durchzuführen – insbesondere mit Blick auf die Schonzeit beim Baum- und Heckenschnitt zwischen März und September. Hierfür setzen die Baumexperten neben Kletterseilen auch einen Teleskopsteiger ein, der sie zur Krone des höchsten Nachbarsbaums befördert.

: „Ein wertvoller Beitrag, um unsere einzigartige Natur- und Pflanzenwelt zu erhalten und die beeindruckenden Naturdenkmäler unserer Heimat für die Zukunft zu bewahren.“

Franz Löffler, Landrat

Zum Abschluss der Maßnahme wird hier eine spezielle Sicherung eingebaut, um dem Baum bei möglichen Unwetterereignissen zusätzliche Stabilität zu verleihen. Beteiligt an der Pflegeaktion der unteren Naturschutzbehörde war die Firma Christian Hartl mit ihrem Team. Die Gesamtkosten der Schutzmaßnahme belaufen sich auf rund 4000 Euro, wie es aus dem Landratsamt heißt. Landrat Franz Löffler bedankt sich bei allen Beteiligten und unterstrich den hohen Wert solcher erhaltenden Maßnahmen für die Region: „Ein wertvoller Beitrag, um unsere einzigartige Natur- und Pflanzenwelt zu erhalten und die beeindruckenden Naturdenkmäler unserer Heimat für die Zukunft zu bewahren.“

Gestützt wird die Wolframslinde bereits seit Jahrzehnten. - Foto: Archiv/S. Weber

Sein besonderer Dank galt auch der Sparkasse im Landkreis Cham, die das Vorhaben der unteren Naturschutzbehörde finanziell mit unterstützt hatte.

Die 50-jährige Linde

Vor über 25 Jahren wurde eine Linde aus dem Schatten der Wolframslinde im Kurpark in Bad Kötzting gepflanzt. - Foto: S. Weber

■ 1999: Im Herbst dieses Jahres wurde im Barockgarten des Kurparks eine Linde gepflanzt, die zwischen 1970 und 1980 unter der Wolframslinde zu wachsen begonnen hatte.

■ 2000: Gut ein Jahr später brachen Unbekannte den jungen Stamm.

■ 2001: Vier Knospen, die sich am Stamm entwickelt hatten, trieben aus, und so wuchsen vier Stämmchen nach.

■ Aktuell: Aus den Knospen sind vier Stämme gewachsen, in dessen Schatten heute Gäste des Kurparks auf fünf Bänken sitzen können. „Mein Ziel ist es, auch 1000 Jahre alt zu werden“, heißt es auf der Tafel der Sektion des Bayerischen-Waldvereins unter der Linde: „Schaut mir laufend zu, wie ich die kommenden Probleme meines Lebens meistere.“ (wf)