Nachbarn wollen die alte Eiche im Regensburger Westen retten

Die große, alte Eiche in einer Siedlung im Regensburger Westen ist in kurzer Zeit zu einem der bekanntesten Bäume in Regensburg aufgestiegen. Ein Eigentümer der Grundstücke, auf der sie steht, will sie fällen lassen. Die anderen Eigentümer wollen sie dagegen behalten - und auch Nachbarn bringen sich jetzt in die Debatte ein.
Die Eiche ist schon von weitem zu sehen. Die Krone des riesigen alten Baums, der in einer Siedlung in der Nähe des Rennplatz-Zentrums steht, ragt hoch über die angrenzenden Häuser hinaus. Doch wie lange noch? Das ist derzeit unklar. Die Stadt hat einen Antrag, der von einem der Grundstückeigentümer gestellt wurde, den Baum fällen zu dürfen, bereits genehmigt. Nun gibt es aber Proteste. Unter anderem hat der Bund Naturschutz Stellung zu dem Fall bezogen. Und auch Nachbarn melden sich öffentlich zu Wort.
„Wie eine Klimazone“
Stefanie Feichtinger wohnt ein paar Häuser von dem Grundstück mit dem Baum entfernt. Ihr ist die Eiche nach eigener Aussage ans Herz gewachsen. Sie sei „entsetzt“, dass er nun weg soll: Der Baum sei wie eine „Klimazone“, sagt sie: „Er sorgt für Kühle und saubere Luft. Die ganze Straße profitiert von ihm.“ Sie findet, dass die Stadt Regensburg ohnehin bereits „total versiegelt ist. Und dabei heißt es, dass immer um jede Grünfläche gekämpft wird, am Ende gewinnt aber immer der Beton“. Das verwundere sie alles sehr, sagt Feichtinger, „vielleicht haben die Menschen auch keine Zeit mehr, sich mit solchen Probleme zu beschäftigen“. Eine weitere Nachbarin meldete sich ebenfalls gegenüber der Mittelbayerischen zu Wort. Sie will ihren Namen allerdings nicht öffentlich nennen. Der Großteil der Menschen in der Siedlung sei ihres Wissens dafür, den Baum zu erhalten, sagt sie. Sie sei auch vor allem auf die Stadt sauer, dass diese überhaupt die Genehmigung für die Fällung erteilt hat.
Die Stadt wiederum will sich zu den Gründen für die Genehmigung oder den Inhalten des Antrags nicht äußern. Aus Gründen des Datenschutzes, sagt sie. Sie erteile auch nur die grundsätzliche Fällgenehmigung. Deswegen habe sie keine Kenntnis, ob und wann der Baum gefällt wird.
BN spricht von amtlich kartiertem Bestandsbaum
Die Regensburger Kreisgruppe des Bund Naturschutzes hat zuletzt öffentlich protestiert und argumentiert, dass die Eiche ein amtlich kartierter Bestandsbaum ist, „der bereits vor dem dortigen Siedlungsbau ungehindert in die Höhe und Breite gewachsen“ sei. Die Eiche müsse dem Bund Naturschutz zufolge deswegen auf der Basis der städtischen Baumschutzverordnung, die Bäume klassifiziert, als ein Baum erster Güte gelten. Und weil der Baumbestand des Areals vor dem Bau der Siedlung von der Stadt als geschützt eingestuft worden sei, dürfe er sowieso nicht beseitigt oder beeinträchtigt werden.
Der Antrag auf Fällung, der bei der Stadt gestellt wurde, liegt der Mittelbayerischen vor. Der Eigentümer, der gegenüber unserer Zeitung keine Stellungnahme zu dem Fall abgeben wollte, argumentierte unter anderem mit der Nähe des Baums zum Haus und gesundheitlichen Problemen, die dieser bei ihm hervorrufe.
Er sorgt für Kühle und saubere Luft. Die ganze Straße profitiert von ihm.
Nachbarin Stefanie Feichtinger
Jochen Bender ist der Hausverwalter des anderen Grundstücks, in das die Eiche hineinragt. Dieses gehört einer Eigentümergemeinschaft. Und diese habe vergangenes Jahr entschieden, dass der Baum bleiben soll, erzählt Bender. An dieser Haltung habe sich seines Wissen auch bislang nichts geändert, es habe auch keine weitere Vollversammlung mehr gegeben. Zuletzt sei nun ein Anwalt eingeschaltet worden.
Könnte es aber vielleicht sein, dass die Eigentümer derzeit einfach auf ein gutes finanzielles Angebot des Nachbarn warten, um der Fällung dann doch zuzustimmen? Bender glaubt das nicht: „Ich gehe davon aus, dass es hier nicht ums Geld geht.“
Klage beim Amtsgericht
Der Anwohner, der die Fällung will, hat nun zwar die Genehmigung der Stadt, kann aber offenbar ohne Zustimmung der Eigentümer des Nachbargrundstücks nicht tätig werden. Er hat deswegen beim Regensburger Amtsgericht Klage eingereicht, um die Fällung durchzusetzen, wie Sprecher Anton Kreuzer bestätigt. Wann eine Entscheidung fällt, sei aber noch nicht absehbar, da zuletzt „noch keine Klageerwiderung bei Gericht eingegangen ist“, wie Kreuzer sagt.

Der Baum wird aber wohl so oder so noch eine Weile stehen. Nachbarn erzählen, dass sie erfahren haben, dass der Eigentümer die Naturschutzverordnung beachten muss. Dies bedeute, dass unter anderem wegen der Nistvögel nicht vor Oktober gefällt werden dürfe. Hausverwalter Bender bestätigt, dass auch er diese Information erhalten habe.