Schlossfestspiele: So verteidigt Gloria von Thurn und Taxis die Einladung umstrittener Gäste

Von Christian Eckl · 6. Juli 2025 um 05:00

Am 18. Juli ist es wieder so weit: Gloria von Thurn und Taxis eröffnet die Schlossfestspiele in Regensburg. Im Interview spricht sie unter anderem über ihre Gäste, das Regensburger Publikum und sagt, was sie von den Boykottaufrufen gegen die Veranstaltung hält.

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Wenn Sie durch den Schlosshof schreiten und die aufgebaute Bühne sehen – welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf?

Gloria von Thurn und Taxis: Mir kommen Gedanken der Dankbarkeit für diese fleißigen, starken Männer, denen ich gerne dabei zusehe, wie sie bei großer Hitze die Sitzplätze und die Bühne aufbauen, die das Festival erst ermöglichen.

Gibt es Konzerte, auf die Sie sich in diesem Jahr besonders freuen?

Von Thurn und Taxis: Natürlich! Ich freue mich auf die italienischen Abende am 23. Juli mit Gianna Nannini und am 24. Juli mit Giovanni Zarella. Da kommt mediterranes Flair nach Regensburg in den Schlosshof.

An welches Ereignis der Festspiele erinnern Sie sich besonders gerne?

Von Thurn und Taxis: Besonders toll war es, als Plácido Domingo kam, als Montserrat Caballe hier war und als die Nachtigall Lucia Aliberti bei uns gesungen hat und Quincy Jones zu Gast war.

Sie sind seit vielen Jahren die Gastgeberin der Schlossfestspiele und laden häufig Ihre Verwandtschaft ein. Was bedeuten die Festspiele für die Familie Thurn und Taxis und die von Glauchau?

Von Thurn und Taxis: Die Verwandtschaft aus Glauchau, Portugal, Frankreich, Spanien, Schloss Schönach, aus Italien, in diesem Jahr sogar aus Ägypten. Freunde und Verwandte sind begeistert, an den Schlossfestspielen teilnehmen zu können.

Wie erleben Sie das Regensburger Publikum? Hat sich da über die Jahre etwas verändert?

Von Thurn und Taxis: Das Regensburger Publikum sieht sehr elegant und fein aus. Und der Wettbewerb ist groß, denn es kommen ja viele Menschen aus allen möglichen Richtungen und mit unterschiedlichen modischen Akzenten. Das macht alles sehr bunt. Veränderungen im Publikum sehe ich nicht unbedingt, es kommen ja sehr viele Stammgäste.

Ich liebe Rockmusik, aber ich liebe auch klassische Musik.

Gloria von Thurn und Taxis

Zwischen Oper – zur Eröffnung gibt es Nabucco von Verdi – und Italo-Rock mit Gianna Nannini ist in diesem Jahr allerlei geboten. Wo schlägt Ihr Herz höher? Rock oder Klassik?

Von Thurn und Taxis: Beides, ich liebe Rockmusik, aber ich liebe auch klassische Musik.

Manche Regensburger beschweren sich über die Preise. Was denken Sie?

Von Thurn und Taxis: Das kann ich gut verstehen, denn alles ist ja durch die unsägliche Inflation teurer geworden. Material, Arbeitskraft, Transport, Energie vor allem. Und man darf nicht vergessen, wie sündhaft teuer es ist, so eine Festspielwoche zu produzieren. Ich denke, dass die an der Veranstaltung Beteiligten das Festival vor allem aus Begeisterung machen, reich wird davon keiner, außer die Bereicherung durch einen wunderschönen Abend.

Bei den Festspielen kommen Gäste teilweise von weit her, lassen Geld in der Stadt. Haben Sie den Eindruck, dass Veranstalter, die etwas auf die Beine stellen, genügend gewürdigt werden?

Von Thurn und Taxis: Das denke ich schon, denn die Würdigung kommt ja vor allem durch die zufriedenen Gäste und deren Echo.

Jedes Jahr gibt es Boykottaufrufe gegen die Festspiele, oft auch Demonstrationen. Wie gehen Sie damit um, denn diese richten sich ja häufig gegen Sie als Person?

Von Thurn und Taxis: Das ist völlig in Ordnung, solange niemand dadurch zu Schaden kommt.

Es wurde kritisiert, dass manche Ihrer Äußerungen in der Vergangenheit nicht mehr zur Vielfalt der heutigen Gesellschaft passen. Wie sehen Sie das selbst?

Von Thurn und Taxis: Wenn man die Leute fragt, was das für Äußerungen waren, merkt man schnell, dass das, was ich zum Besten gegeben habe, durch die Meinungsfreiheit und den aktuellen Wissensstand der Wissenschaft gedeckt ist.

Sie haben sich nach dem Boykottaufruf, bei dem Ihnen unter anderem Homophobie vorgeworfen wurde, mit einer trans Frau getroffen. Hat das etwas an Ihren Einstellungen geändert?

Von Thurn und Taxis: Ich bin seit Jahrzehnten mit einer Transfrau befreundet. Die möchte aber als Frau angesehen und behandelt werden und nicht zu einem dritten Geschlecht zählen. Ich habe noch nie etwas gegen Schwule, Lesben oder Transgender gehabt. Das sind konstruierte Narrative, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben.

Ich lerne auf meinen Reisen die interessantesten Menschen kennen und lade diese dann meistens sofort nach Regensburg ein.

Gloria von Thurn und Taxis

Mehrere Ihrer Gäste bei den Festspielen sind derzeit bei vielen Menschen in Ungnade gefallen. Monika Gruber beispielsweise, mit der Sie zusammen Alfons Schuhbeck im Gefängnis besucht haben. Der war auch mehrfach zu Gast. Und vergangenes Jahr sorgte ein umstrittener AfD-Politiker für Diskussionen. Überdenken Sie deshalb Ihre Gästeliste, weil Sie kritisiert werden, oder ist Ihnen das egal? Wenn ja, wieso?

Von Thurn und Taxis: Über meine Gäste möchte ich mich nicht äußern. Bei mir gehen seit Jahrzehnten immer wieder gesellschaftlich am Rande stehende Leute ein und aus. Das sind meistens Künstler. Früher waren da sowohl Transgender, Schwule und Lesben dabei, heute gehören sie zum Mainstream, dafür sind konservative Politiker jetzt eben an den Rand gerückt worden. So verändert sich eben die Welt.

Ihre Gästeliste ist nicht mehr so prominent wie früher, als noch Wowereit und Westerwelle kamen. Doch vergangenes Jahr war sogar mal die New York Times zu Besuch, weil Sie einen Richter am Supreme Court eingeladen hatten, Samuel Alito. Wo lernen Sie eigentlich so einflussreiche Leute kennen? Der Mann ist vielleicht nicht mächtiger als Trump, hat seinen Job aber bis zum Lebensende.

Von Thurn und Taxis: Ich lerne auf meinen Reisen die interessantesten Menschen kennen und lade diese dann meistens sofort nach Regensburg ein. Viele kommen, sind dann aber meistens inkognito, weil ich mit prominenten Gästen nicht hausieren gehe, in meiner Welt tut man das nicht.

Was ist Ihnen eigentlich wichtig, beispielsweise bei der Tischordnung beim Essen für die Ehrengäste im Zelt von Stephanie und Peter Birnthaler?

Von Thurn und Taxis: Mir ist wichtig, dass jeder Gast einen interessanten, netten oder unterhaltenden Gesprächspartner hat.

In manchen Kreisen wird der Adel mit Naserümpfen wahrgenommen, andererseits erzielen Artikel über Hochzeiten wie kürzlich im Landkreis Regensburg im Internet Spitzenwerte bei den Lesern. Können Sie sich diesen Widerspruch erklären?

Von Thurn und Taxis: Die Nase rümpfen nur die Neider und davon gibt es leider viel zu viele. Die meisten Leute freuen sich, wenn sie etwas am Glamour teilhaben können.