Schmidmühlener Rathaus wird saniert – Erste Kostenschätzungen liegen bei gut 2,5 Millionen Euro

Von Paul Böhm · 2. Juli 2025 um 19:00

Der Marktgemeinderat Schmidmühlen hat kürzlich in einer Sitzung die Sanierung des Rathauses beschlossen. Die Baumaßnahmen werden sich über mehrere Jahre hinziehen. Zusammen mit der Stadtbau Amberg als Planungspartner will man diesen Weg gehen. Eine erste grobe Kostenschätzung liegt bei gut 2,5 Millionen Euro.

Ein Einzeldenkmal zu sanieren dauert und kostet viel Geld. Darauf wird sich der Markt Schmidmühlen einstellen müssen, wenn die Gemeinde die Sanierung des Oberen Schlosses und jetzigen Rathauses in Angriff nimmt.

Wie Bürgermeister Peter Braun (CSU) sagte, ist die Sanierung des Oberen Schlosses eine bautechnisch besondere Aufgabe und ebenso ein kostspieliges Unterfangen. Nicht nur, weil dass das Obere Schloss eines der dominantesten Gebäude in Schmidmühlen darstellt. Sondern auch, weil für die Sicherung der Dachkonstruktion und der einhergehenden Sanierung viel Fingerspitzengefühl im Hinblick auf den Denkmalschutz erforderlich ist.

Schäden bereits sichtbar

Abblätternde Dachziegel sind ein untrügliches Zeichen, dass man tätig werden muss. Dazu kommt der Dachstuhl, der schon vor gut drei Jahrzehnten mit dem Einbau von Eisenbändern entlastet worden ist. „Das Rathaus weist auch an anderen Stellen Bauschäden und Gebrauchsspuren auf, die in den nächsten Jahren behoben werden müssen“. Im Rahmen der Bausicherungsmaßnahmen soll auch die Schaffung eines barrierefreien Zuganges und eine eventuelle Sicherung des Rittersaales im zweiten Obergeschoss einhergehen, war in der Sitzung zu hören.

Mit der Stadtbau Amberg will man einen versierten Partner arrangieren, um dieses Projekt zu stemmen, sagte der Bürgermeister. Wie man dieses Thema jetzt angehen will, diskutierten die Mitglieder des Marktgemeinderates zusammen mit Ernst Zobel von der Stadtbau GmbH. Eine Konzeptstudie und die Verfahrensfindung werden erste Schritte sein, so hieß es in der Sitzung. Dabei wolle man die Fördermittel ausnutzen. Von Seiten des Marktgemeinderates erkundigten sich Richard Fischer und Johann Edenharter (beide CSU) nach möglichen Ausschreibungskriterien, um letztendlich eine optimale Inanspruchnahme von Fördermitteln zu gewährleisten.

Wie Bürgermeister Braun sagte, sei man bemüht, bis Ende des Jahres 2025 eine Konzeptstudie auf dem Tisch zu haben, um dann im ersten Halbjahr 2026 gemeinsam mit einem Ingenieurbüro Ausschreibungen auf den Weg zu bringen. Der Marktgemeinderat beschloss einstimmig, die Sanierung anzugehen. Die Verwaltung wird beauftragt, die erforderlichen Schritte, wie eine Konzeptstudie sowie die Ausschreibung für ein VgV-Verfahren (Vergabeverordnung) in die Wege zu leiten.

Obergrenze bei Stellplätzen

Der Gemeinderat stimmte dem Erlass der Satzung zur Herstellung und Ablösung von Stellplätzen für Kraftfahrzeuge (Stellplatzsicherung) einstimmig zu. Diese Regelung tritt am 1. Oktober 2025 in Kraft, so der Beschluss. Durch das erste Modernisierungsgesetz vom 31. Juli 2024 ist die Stellplatzpflicht kommunalisiert worden. Eine Stellplatzpflicht besteht künftig nurmehr, wenn die Gemeinde dies durch eine Satzung angeordnet hat. Die Gemeinde darf die in der ebenfalls novellierten Anlage zur Garagen- und Stellplatzverordnung die festgelegten Obergrenzen für Stellplätze nicht überschreiten.

Nicht zugestimmt hat der Marktgemeinderat einer Satzung über die Gestaltung und Ausstattung von Kinderspielplätzen. Bisher war geregelt, dass der Bauherr verpflichtet ist, bei der Errichtung von Gebäuden mit mehr als drei Wohnungen einen Spielplatz in angemessener Größe und Ausstattung zu errichten, auszustatten und zu unterhalten. Diese Vorschrift hat der Gesetzgeber außer Kraft gesetzt und jetzt der Gemeinde die Möglichkeit eingeräumt, im Rahmen einer Ortsgestaltungssatzung die Errichtung von Spielplätzen bei neuen Gebäuden mit mehr als nunmehr fünf Wohnungen vorzuschreiben und die Möglichkeit einer Ablöse zu regeln.

Zugestimmt hat der Marktgemeinderat der Jahresrechnung für das Jahr 2024 in Höhe von 11.749.915 Euro.

Erfreulich für die Gemeinde seien die Mehreinnahme bei der Gewerbesteuer mit 171.000 Euro, dem Gemeindeanteil bei der Einkommensteuer mit 24.856 Euro und höheren Zinseinnahmen in Höhe von 20.500 Euro gewesen, informierte der Bürgermeister.

Die Zuführung vom Verwaltungshaushalt zum Vermögenshaushalt wurde in der Sitzung von Kämmerer Manfred Schindler mit 1.151.000 Euro benannt. Der Haushaltsansatz hatte bei 954.000 Euro gelegen. Der Gesamtbetrag der Tilgungsleistungen für 2024 betrug 2.227.357 Euro. Der Schuldenstand lag zum Jahresende 2024 bei 4,32 Millionen Euro. Dies entspreche einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1900 Euro.

Zum Weiterbetrieb der offenen Ganztagesschule der Erasmus-Grasser-Grundschule informierte Bürgermeister Peter Braun, dass es im Schuljahr 2025/2026 wieder zwei kurze Gruppen geben wird.

Zu freiwerdenden Beschlüssen aus nichtöffentlichen Sitzungen informierte Braun, dass es für den Ausbau der öffentlichen Toilettenanlage beim Rathaus weitere Vergaben gegeben hat. Vergeben wurde die Parkplatzerweiterung beim Schloss-Stadl und die Schülerbeförderung. Nicht entsprochen hat der Marktgemeinderat dem Antrag eines Kaufinteressenten für das Baywa-Gelände.

Details zum Oberen Schloss

• Erbauer: Georg Hausner von Winbuch, Pfleger zu Regenstauf, war der Erbauer des Schlosses. Er lebte von 1595 bis 1614. Im Rittersaal findet sich die Jahreszahl 1600.

• Wechselnde Besitzer: Im Jahr 1777 ging das Schloss an das adelige Damenstift Niedermünster in Regensburg. Bei der Säkularisation von 1803 wurde das Schloss eingezogen und 1829 an den Rösslwirt und Posthalter Michael Schmid veräußert. Um 1900 war das obere Schloss unbewohnt. Es diente einige Jahrzehnte zur Aufbewahrung von Hopfen und Getreide. 1919 verkaufte Josef Rubenbauer das Schloss an den Nürnberger Architekten Jakober, der es wieder renovierte und bewohnbar machte. Weitere Besitzer waren Baron von Clanner Engelzhofen aus Prag und Ferdinand Eichenseer.

• Nutzung: Das Obere Schloss wird seit der Nachkriegszeit als Rathaus genutzt und ist Sitz der Gemeindeverwaltung und des Standesamtes.

• Bisherige Sanierungen: Die letzte Maßnahme war im Jahr 2011 eine energetische Sanierung. Von 1977 bis 1980 erfolgte eine gründliche Restaurierung, bei der nicht nur das Schloss selbst, sondern auch der Schlossgarten verändert wurde.