Navi leitet Laster ins Centrum: Postbauer-Heng leidet unter dem Ausweichverkehr

Von Peter Romir · 3. Juli 2025 um 05:00

Nichts geht mehr: Seit Mitte Juni ist die B8 in Postbauer-Heng (Landkreis Neumarkt) zwischen Ezelsdorfer Straße und Pyrbaumer Straße komplett gesperrt. Seitdem hat sich der Verkehr im Ortszentrum stark erhöht – obwohl eigentlich eine ganz andere Umleitung existiert.

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Diese ist elf Kilometer lang und beginnt im Westen an der Pyrbaumer Straße. Von dort aus führt sie über die Ortsteile Kemnath, Dennenlohe, An der Heide und Heng in großem Bogen um den Hauptort herum zurück zur B8. Je nach Verkehrslage braucht man für die Umleitung zwischen zehn und 15 Minuten.

Gefährliche Abkürzung durch Postbauer-Heng

Doch nicht alle nehmen diesen Weg auf sich: Bereits nach wenigen Metern empfiehlt das Navi nämlich, die offizielle Umleitung zu verlassen und in den Ort abzubiegen. „Sie haben die kürzeste Strecke gewählt“, gratuliert die App anschließend.

Tatsächlich ist diese Route mit nur zwei Kilometern deutlich kürzer. Was das Navi aber nicht sagt, ist, dass der Weg über Kopfsteinpflaster, durch Tempo-30-Zonen, Wohngebiete mit Rechts-Vor-Links-Regelung und an Marktständen und Kindergärten vorbeiführt.

So berichtet die Johanniter-Kindertagesstätte Löwenzahn am Naturfreibad von stark erhöhtem Verkehrsaufkommen vor der Tür. Auch vor der katholischen Kirche St. Elisabeth in der Ortsmitte hat der Verkehr deutlich zugenommen. „Schön ist das nicht“, sagt Pfarrer Markus Fiedler. „Da entstehen oft gefährliche Situationen, gerade, wenn auch Autos auf der Fahrbahn parken.“

Auch im Rathaus liefen zahlreiche Beschwerden ein: Knapp 60 Anrufe zu dem Thema hat Bürgermeister Horst Kratzer gezählt: „Meist geht es um die Staus am Kreisverkehr“, erzählt er. Aber auch der Lärm spielt eine Rolle: „Früh um halb sechs fahren die ersten LKW über das Kopfsteinpflaster. Das wird dann schon relativ laut.“ Denn es sind nicht nur Autos, die diese Abzweigung nutzen. Auch große Transporter werden von den Navigationssystemen durch den Ortskern gelotst.

Woher kennt das Navi die Oberpfalz?

Doch woher wissen diese Apps eigentlich, dass da eine Straßensperre ist – und warum folgen sie nicht der offiziellen Umleitung? „Die Navis erkennen via Satellit, dass es eine Baustelle gibt und erstellen automatisch eine eigene Umleitung“, erklärt Polizei-Hauptkommissarin Susanne Braun.

Dabei würden die Apps stets den kürzesten Weg auswählen – ganz im Gegensatz zu den regionalen Verkehrsplanern: „Bei uns steht die Sicherheit an erster Stelle“, sagt Braun. Das bedeutet, dass Wohngebiete möglichst vermieden werden. Zudem soll die Strecke für alle Fahrzeugtypen – vom Fahrrad bis zum LKW – geeignet sein.

So kam es auch zu der langen Umleitung bei Postbauer-Heng. Diese wurde vom Amt für Verkehrswesen des Landkreises, der Polizei und Vertretern der Gemeinden gemeinsam entwickelt. Auf das, was im Navi angezeigt wird, hätten die Planer aber keinen Einfluss.

Google reagiert nicht

„Bei früheren Projekten wurde schon versucht, mit Google Kontakt aufzunehmen, um deren Routen zu ändern“, sagt Verena Lang, die im Landratsamt für Verkehrsplanung zuständig ist. „Es gab aber keine Reaktion.“

Eine Möglichkeit, dem entgegenzuwirken, sei das Aufstellen von Schildern mit der Aufschrift „Nicht nach Navi fahren“ – diese hätten sich allerdings nicht bewährt, da sich gerade LKW-Fahrer oft nicht daran hielten, sagt Braun. Stattdessen kam man im Landratsamt auf eine andere Idee: Die Untere Verkehrsbehörde erließ ein Durchfahrtsverbot für LKW in der Ortsmitte. Die entsprechenden Schilder sind laut Lang beantragt, wurden aber bisher noch nicht aufgestellt. An den Ansagen der Navis wird sich durch das Verbot aber nichts ändern: „Wir könnten Google nur mitteilen, wenn wir die Straße für alle Fahrzeugtypen sperren“, sagt Lang. Eine Unterscheidung zwischen Lastwagen und Autos sei aber nicht möglich.

LKW-Verbot für Postbauer-Heng

Deshalb muss das LKW-Verbot auch kontrolliert werden: „Wir werden Stichproben machen“, sagt Hauptkommissarin Braun. „Aber das wird nur unregelmäßig der Fall sein, denn wir haben viele Bau- und Beschwerdestellen.“

Auch wenn es bisher laut Polizei keine Unfälle in dem Gebiet gegeben hat, hält Braun das LKW-Verbot für richtig. Immerhin wird die B8 voraussichtlich noch bis Ende des Jahres gesperrt sein. „Dabei verschiebt sich die Baustelle immer ein Stück weiter“ erklärt Bürgermeister Kratzer und versichert: „Es wird nie jemand eingesperrt sein!“

Nötig wurden die Bauarbeiten, weil die Straße deutlich in die Jahre gekommen sei: Ursprünglich war die Generalsanierung bereits für heuer geplant, wurde aber laut Kratzer aufgrund fehlender Mittel im Bundeshaushalt auf 2027 verschoben. Im Vorfeld der Sanierung muss die Gemeinde die Wasser- und Abwasserleitungen unterhalb der Straße erneuern, die noch aus den 1960er Jahren stammen. Gleichzeitig wird der Glasfaser-Ausbau vorangetrieben.

Nach Abschluss der Arbeiten wird die Straße wieder so hergestellt, dass sie bis zur Sanierung in einem guten Zustand ist.