Das Mosergasserl in Furth im Wald ist jetzt außergewönlicher Kunstraum

Von Alexander Frimberger · 2. Juli 2025 um 05:00

Ein Kunstwerk zerteilen, damit es das Auge wieder zusammensetzen kann, wenn man am richtigen Fleck steht. Allein dieser Gedanke ist schon Kunst. Die Initiative und Durchführung für das Kunstprojekt ging von der Further Familie Hastreiter aus, die damit gleichsam das Mosergasserl zu einem echten Schmuckstück gemacht hat.

Lutz Hastreiter, der sich das Projekt zusammen mit seinem Sohn Philipp federführend ausgedacht hatte, begrüßte im Garten neben dem Mosergasserl zahlreich erschienene Ehrengäste, die alle mit dem Vorhaben in Verbindung standen.

Der Stelengang im Mosergasserl ist ein echter Blickfang - Foto: Alexander Frimberger

Cortenstahl sollte es sein

Dazu gehörten Künstler, Sponsoren, Vertreter der Stadtverwaltung sowie der Landesgartenschau (LGS) oder auch Wera Müller, die vor 30 Jahren die unBehinderten Kulturtage gegründet hat. Der Startschuss für den Verein erfolgte, als Müller über eine Münchner Familie, die einen gehandicapten Sohn hat, von solchen Künstlergruppen erstmals hörte. Daraus entstand ein Kontakt in München, der Rest ist Vereinsgeschichte. Immer wieder hat man sich in dieser Zeit auch auf die Künstlergruppe Freiraum und deren Mitglieder verlassen können, die tatkräftig zur Seite gestanden sind. Müllers Dank ging aber auch an die Further Bevölkerung, Firmen, Vereine und die Stadtverwaltung, „die uns immer unterstützt haben“. Werke der Künstler mit kognitiven Einschränkungen hängen zum Beispiel bei den Stadtwerken und bei der Polizei.

Anlässlich dieses Jubiläums wurde vor einem Jahr begonnen, im Zuge der bevorstehenden Landesgartenschau dieses ungewöhnliche Projekt in die Realität umzusetzen. Die für das Projekt notwendigen Erläuterungen übernahm Liz Turba-Bernhardt, die zusammen mit Helmut Lachhammer für die Umsetzung verantwortlich zeichnete. Der Stelengang „Kunst im Blick“ weist eine Besonderheiten auf: Nachdem das Mosergasserl schmal ist, wollte die Familie Hastreiter „zwei Kunstwerke, jeweils auf die Vorderfläche mehrerer hintereinanderstehender Stelen aufteilen, damit man diese Bilder bereits beim Herankommen wahrnehmen kann“. Als Material für die Stelen war Cortenstahl gewünscht, der sich durch einen hohen optischen Reiz auszeichne.

Wir konnten aus einem Fundus von kraftvollen und farbgewaltigen Werken schöpfen.

Liz Turba-Bernhardt, Künstlerin

„Wir konnten aus einem Fundus von kraftvollen und farbgewaltigen Werken schöpfen“, die in unBehinderten Workshops, geleitet von den Künstlern Patricia Bachl, Alexander Costa und Anne Wild, entstanden sind. Aus dem reichen Bilderschatz hat man sich für vier Werke entschieden. Zwei Figuren wurden auf den Breitseiten der Stelen platziert, Erklärtexte stehen auf den Stelen daneben. Der Clou ist das Bild eines Schiffes. „Dieses Bild wurde in vier Fragmente zerteilt und diese wurden auf die Vorderfläche von vier versetzt hintereinanderstehenden Stelen angebracht“, erklärt Turba-Bernhardt und ergänzt: „Durch den Abstand der Bildteile voneinander ergibt sich allerdings eine perspektivische Verzerrung. Die Bildteile erscheinen umso kleiner, je weiter sie weg sind.“

Kopfzerbrechen verursacht

Wie Hastreiter im Anschluss anekdotisch und amüsant erklärte, verursachte die Arbeit allerlei Kopfzerbrechen und so manch schlaflose Nacht. LGS-Geschäftsführerin Claudia Knoll fand es großartig, dass die Familie Hastreiter den gesellschaftlichen Appell, die Schau für positive Veränderungen zu nutzen, umgesetzt hat. Bürgermeister Sandro Bauer war froh, dass das Mosergasserl nach 30 Jahren wieder eine wichtige Wegverbindung in Furth geworden ist. Aber: Das eine sei der Weg, das andere die Aufwertung. Der Schau und den rund 3000 Veranstaltungen bleibt nur die Erinnerung, aber die Ausstellung ist dauerhaft.