Landkreis Neumarkt ächzt unter der Hitze – Doch es gibt Hoffnung auf Linderung

Von Kilian Graef, Wolfgang Endlein, Katrin Böhm · 1. Juli 2025 um 17:00

Gegen etwas kühlere Temperaturen hätten wohl die wenigsten im Landkreis Neumarkt etwas. Vorerst bleibt es aber bei 32 Grad und mehr. Gibt es deswegen Hitzefrei für Schüler? Wie schützen Seniorenheime ihre Bewohner? Müssen Landwirte mit großen Ernteausfällen rechnen? Fragen wie diesen gehen wir nach, vor allem aber jener: Wann regnet es wieder?

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Neumarkter Schulen: Hitzefrei gibt es nur in Ausnahmefällen

Die Gesundheit der Kinder stehe an heißen Tagen im Vordergrund, sagt Schulamtsleiterin Claudia Bauer. Hitzefrei wie es frühere Generationen kennen, gibt es zwar theoretisch noch, aber nur in Ausnahmefällen. Die Entscheidungsgewalt darüber hat der jeweilige Schulleiter in Absprache mit den umliegenden Schulen, so Bauer. „Wenn er sagt: Es geht nichts mehr, darf er hitzefrei geben.“ Entscheidend dafür ist die Temperatur in der Schule, nicht die außerhalb. Sowohl beim gebundenen Ganztag, der den Eltern eine gewisse Verlässlichkeit von Schule gewährleistet, als auch in allen anderen Fällen müssen Notgruppen gewährleistet sein, in denen Kinder, die nicht nach Hause gehen können, aufgefangen werden.

Ansonsten wird in den Schulen morgens früh gelüftet, die Jalousien geschlossen. Lehrkräfte haben außerdem die Möglichkeit, den Unterricht an andere Orte zu verlagern – etwa an ein schattiges Plätzchen im Freien. Dass Kinder während des Unterrichts trinken dürfen, sei in der Regel kein Problem mehr, erst recht nicht bei Hitze. „Wir wissen alle, dass das Gehirn genügend Flüssigkeit braucht.“ Was man vermeiden wolle, sei aber, dass Kinder alle fünf Minuten einen kleinen Schluck aus der Flasche nehmen. Trinkflaschen könnten in den Schulen jederzeit mit Wasser aufgefüllt werden.

Seniorenheime in Neumarkt und Pyrbaum setzen bei Hitze auf Trinkrituale wie im Bierzelt

29 Grad hat es in manchen Räumen des Seniorenzentrums Pyrbaum. Und auch im Martin-Schalling-Haus in Neumarkt ist es trotz schattiger Lage nicht viel kühler. Deshalb sei es laut Beate Völkl, Leiterin der beiden Einrichtungen, besonders wichtig, den Senioren durch Fußbäder, feuchte Tücher und ähnliche Maßnahmen Möglichkeiten zur Abkühlung zu bieten. Das Personal achte auch darauf, dass jeder genug trinkt. „Wir führen Trinkrituale durch“, sagt Völkl. „Wir stoßen zum Beispiel beim Frühstück wie im Bierzelt zusammen an.“ Dass motiviere die Bewohner. Gruppenangebote, zum Beispiel Gymnastik, können derzeit nur am kühleren Vormittag angeboten werden. Auch das für Mittwoch geplante Sommerfest findet erst nächste Woche statt. Völkl hofft, dass die Hitzewelle bis dahin abschwächt.

Landwirte im Landkreis Neumarkt: Kühe, Wiesen und Mais leiden unter der Hitze

Kaum eine Berufsgruppe spürt den Klimawandel so stark wie die Landwirte. Er verstärke den Strukturwandel und den Schwund bei den Betrieben zusätzlich, ist Michael Gruber überzeugt. Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands hat einen Hof in Günching (Gemeinde Velburg) mit Milchvieh und Ackerbau. „Wir brauchen dringend Regen“, sagt Gruber. Aus dem Winter mit wenig Niederschlägen sei man schon trocken ins Frühjahr gegangen. In der Zwischenzeit habe es lokal unterschiedlich starke, in der Summe aber zu geringe Niederschläge gegeben. Es werde immer wichtiger, im Frühjahr behutsam mit dem Boden umzugehen und die Feuchte darin zu halten.

Wer Mais früh gesät habe, sei jetzt im Vorteil und die Pflanzen höher als solche, die später gesät wurden. Am Mais lasse sich die Hitze und Trockenheit allerdings aktuell besonders ablesen. Beim Getreide erwartet Gruber hingegen weniger starke Einbußen, sondern durchschnittliche Erträge, auch wenn das Wintergetreide infolge der Trockenheit schneller reife und das Korn sich geringer ausbilde. Der Grünschnitt als Futter für das Vieh sei bislang nicht toll gewesen, „aber es hat gereicht“. Je nachdem, wie es in den kommenden Wochen regnet, könne es auch bei nur drei Grünschnitten in diesem Jahr bleiben, mutmaßt der Landwirt.

Unter der Hitze leiden nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Nutztiere. „Die Hitze macht den Kühen zu schaffen“, sagt Gruber. Sie fressen weniger und geben weniger Milch. Wichtig sei, für Luftdurchzug und ausreichend Wasser im Stall zu sorgen.

Waldbrandgefahr im Landkreis Neumarkt: Leichte Entspannung ist in Sicht

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlicht täglich den Waldbrandgefahrenindex. Basierend auf aktuellen Wetterdaten wie Lufttemperatur, Luftfeuchte, Wind und Niederschlag stuft er das meteorologische Potenzial für Waldbrände ein. Anhand der Station in Parsberg/Eglwang geht der DWD für Dienstag und Mittwoch von einer hohen Gefahr aus, was gleichbedeutend mit der vierten von fünf Gefahrenstufen ist. In den Folgetagen sagt der DWD voraus, dass die Gefahr zurückgeht. Die am stärksten gefährdeten Wälder behalten Luftbeobachter im Blick, deren Flugzeuge unter anderem auch in Neumarkt starten. Piloten der Flugsportvereinigung fliegen ehrenamtlich die Luftbeobachter zweimal am Tag.

Wann regnet es mal wieder im Landkreis Neumarkt? Das sagen Meteorologen

Die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes erwarten für Neumarkt nach Temperaturen von bis zu 34 Grad am Dienstag auch am Mittwoch anhaltende Hitze mit bis zu 35 Grad. Entsprechend gilt weiter eine amtliche Hitzewarnung. Doch am Donnerstag sollen die Temperaturen wieder unter 30 Grad fallen. Am Nachmittag sagt der Wetterdienst Regen vorher. Die darauf folgenden Tage soll es gemäßigt warm werden. Für die kommende Woche sind sogar anhaltender Regen und Temperaturen im niedrigen 20-Grad-Bereich vorhergesagt.

Sonne und Medikamente: Apothekerin aus dem Landkreis Neumarkt erklärt, auf was man achten sollte

Einige Medikamente können die Haut empfindlicher für Sonnenlicht machen, sagt Apothekerin Katharina Eichenseer. Sie ist Pressesprecherin der Apotheker im Landkreis Neumarkt. Die Folge könnten sein: unangenehme Reaktionen wie Hautrötungen, juckende Ausschläge oder Pigmentflecken. Reaktionen hervorrufen können etwa Antibiotika, Entwässerungsmittel oder Schmerzmittel, aber auch pflanzliche Präparate wie Johanniskraut.

„Aber nicht jeder Mensch reagiert gleich“, schränkt Eichenseer ein. In den Apotheken werde individuell anhand der Medikamente und deren Dosierung und möglichen Wechselwirkungen geprüft, ob ein Risiko für Lichtempfindlichkeit bestehe – und wie man sich ohne Therapieeinschränkungen schützen könne. Eigenmächtig dürften Medikamente nicht abgesetzt werden. Hier sei immer die Rücksprache mit Apotheke oder Arzt wichtig.

Grundsätzlich gelte es, intensive Sonne zwischen 11 und 16 Uhr möglichst zu meiden, langärmlige, leichte Kleidung, Hut und Sonnenbrille zu tragen. Angeraten wird außerdem ein hochwertiger Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 50+, und zwar auch im Alltag.