Cham will der Klima-Uhr in die Zeiger greifen: Ein Aktionsplan setzt erste Akzente

Die Zahl der Hitzetage über 30 Grad nehmen seit Jahren stetig zu. Bereits Ende Juni hat die Stadt Cham davon einige hinter sich. Und deren Zahl steigt. Ohne Klimaschutz sollen es Bis Ende des Jahrhunderts sollen es bis zu maximal 36 sein – falls niemand was tut. Die Stadt Cham macht jetzt was – aber wird sie sich schnell genug anpassen können?
Die Klima-Uhr tickt und die Stadt will ihr nun in die Zeiger greifen. Denn Sommertage in der Innenstadt sind zwischen Stein und Asphalt kaum auszuhalten, wo der Schatten fehlt. Wie aber schützt die Stadt ihre Menschen, ihre Bäume und Pflanzen? Mit einem Klima-Aktionsplan sagen Bürgermeister Martin Stoiber und sein Mitarbeiter Christian Weihrauch. Der ist eigentlich Personal-Chef im Rathaus. Jetzt hat er noch den Klimaschutz an der Backe.
Keine Blaupause für Cham
In der Agenda, die demnächst im Chamer Stadtrat diskutiert werden soll, sind Daten, Fakten und Maßnahmen enthalten. Manches hat die Stadt aus den allgemeinen Plänen und Vorschlägen des Landes Bayern übernommen. Dem Bürgermeister ist aber klar, dass er mit Blaupausen nicht weiterkommen wird. Es gibt halt keine Blaupause für die Situation in Cham. „Wir sind in vielen unserer ländlich geprägte Ortsteile noch recht gut aufgestellt, weil es da schon immer mehr Grün gibt. Der Problempunkt ist die Kernstadt“, sagt Stoiber.
Am Ende muss jede Stadt zusehen, dass sie eine maßgeschneiderte Lösung für sich hinbekommt. Jeder hat da andere Voraussetzungen.
Martin Stoiber, Chamer Bürgermeister
„Verhaltensregeln sind das Eine, die Stadt zu verändern ist etwas ganz Anderes“, sagt der Bürgermeister. Verändern könnte sich die Stadt in ihrem Verhältnis zum Fluss. Mehr Grün am Ufer, mehr Möglichkeiten zum Aufenthalt, so wie es beim Birkenwäldchen schön gelungen ist.

Mit den Verhaltensregeln bei Hitze wollen Bürgermeister und Personal-Chef schon in den Kinderkrippen anfangen. Auch gefährdete Bevölkerungsgruppen sollen künftig besser und schneller informiert werden, wenn sich Wetter ankündigt, das ihnen auf die Gesundheit schlagen könnte. Senioren, Pflegebedürftige, Vorerkrankte, Säuglinge, Kinder, Schwangere und Menschen die im Freien arbeiten, zählt Weihrauch dabei auf.
Wasser, Grün, Schatten
Kühle Orte wie Kirchen, beschattete Flussufer oder der Vorraum des Rathauses sollen in Flyern kartiert werden. Es soll Wasserbrunnen und Sprühdüsen in der Innenstadt geben.
Eine weitere Aufgabe wird es sein, mehr Grün in die Straßen, Gassen und auf die Plätze der Stadt zu bringen. Hier könnte die Neuplanung er Spitalplatzes zum Vorbild werden. Erstmals in ihrer Geschichte will die Stadt hier Oberflächenwasser aus Regenfällen im Boden speichern. Ein erster Schritt auf dem Weg zu einer Schwammstadt, die den Regen aufsaugt und ihn bei Hitze an ihr Grün weitergibt. Ein solches System unter der Stadt wäre auch eines der wenigen mittel gegen Starkregen, dem kein Kanalquerschnitt gewachsen ist. Sie müsste bei jeder Straßensanierung erfolgen.
Wie schnell ist „langfristig“
Die Sanierung der Kläranlage soll technische Voraussetzungen für eine gezielte Verwendung des aufbereiteten Wassers bei der Grünpflege in der Stadt bieten. „Da haben wir uns einen Denkanstoß aus Schweinfurt geholt“, sagt Stoiber.

Wie schnell kann „langfristig“ sein? Schnell genug? „Wir werden Nachhaltigkeit und Klimaschutz künftig bei jeder unserer Planungen mitdenken müssen. Andere Dinge können wir schneller erledigen“, sagt der Bürgermeister.