Gewitter im Sommer in Bayern: Fehler, Tipps und Mythen rund um Blitz und Donner

Von Marius Göhl · 25. Juni 2025 um 15:34

Drei Bergwanderer sind Mitte Juni in Tirol an der Mittagsspitze von einem Blitz getroffen worden und gestorben. Im Internet ranken sich zahlreiche Mythen, Tipps und No-Gos darüber, wie man sich bei einem Gewitter und Blitzen verhalten soll? Wir haben bei Markus Michl vom Deutschen Wetterdienst München, nachgefragt – und räumen mit den Mythen auf.

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Speziell in den heißen Sommermonaten kommt es immer wieder zu Gewittern. Dies liege laut Michl primär an der hohen Energie, mit der die Luft im Sommer geladen ist. „Ein Gewitter entsteht, wenn stark unterschiedlich temperierte Luftmassen aufeinander treffen oder in der Atmosphäre zwischen unten und oben besonders große Temperaturunterschiede bestehen“, erklärt der DWD auf seiner Homepage.

In der Folge steigen die leichten, feuchtwarmen Luftmassen auf und bilden sogenannte Cumulonimbus-Wolken. Durch die Bewegung von sich darin bildenden Wasser- und Eisteilchen kommt es zur Luftelektrizität, wodurch sich ein immer größer werdendes elektrisches Spannungsfeld bildet. Dieses gleicht sich dann durch einen Blitz vorübergehend aus. Doch was sollte man tun, wenn man von einem Gewitter überrascht wird?

Das Auto als faradayscher Käfig – Ja oder nein?

Das stimmt. Michl bestätigt, dass das Auto einen sicheren Schutz vor Blitzen bietet. „Das ist das Prinzip von faradayschen Käfig. Wenn man im Auto sitzt und keine metallenen Stellen anfasst, die mit der Karosserie verbunden sind, ist man von dem Strom, der beim Blitzschlag durch die ganze Karosserie fließt, abgeschnitten.“

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Im Freien möglichst klein machen – Ja oder nein?

Richtig. In die Hocke, die Füße eng zusammenstellt und die Arme um die Beine. Am besten sucht man sich noch eine kleine Bodenmulde, um keinesfalls der höchste Punkt zu sein und dem Blitz keine Erhöhung zu bieten, rät der DWD auf seiner Website.

Gebirge und Erhöhungen meiden – Ja oder nein?

Auch das bestätigt Michl. „Man sollte nicht die höchste Geländestufe auswählen. Wenn es geht: runter vom Berg oder dem Hügel.“ Freistehende Bäume als Unterschlupf sind keine gute Idee. In einem geschlossenen Wald hingegen sei es laut Michl vergleichsweise sicher, da ein Blitz dort viele Auswahlmöglichkeiten habe.

Raus aus Fluss, See und Pool – Ja oder nein?

Den Badespaß sollte man bei einem Gewitter schnellstmöglich beenden. In Bach- oder Flusstälern besteht eine höhere Gefahr aufgrund der feuchten Böden, so Michl. Badende in Gewässern sollten bei einem Gewitter umgehend das kühle Nass verlassen und Schutz aufsuchen.

Blitze sind zum Teil auch spektakuläre Naturphänomene. Wenn man sie sieht, sollte man allerdings nicht auf folgende Mythen vertrauen. - Foto: dpa, Alexander Wolf

Buchen sollst du suchen, Eichen sollst du weichen – Ja oder nein?

Dieser Rat ist wahrscheinlich einer der weitverbreitetsten Mythen im Volksmund. Das Problem: Es stimmt nicht. Der Blitz bevorzugt keinen Baum. „Das ist Unsinn. Der Blitz sucht sich alle Bäume aus, die erhöht sind – das ist völlig egal, ob Buche, Fichte oder Eiche“, erklärt Michl.

Duschen bei Gewitter – Ja oder nein?

Dieser Mythos ist pauschal nicht zu beantworten. Denn es geht um das Material der Rohre. Früher waren viele Duschrohre noch aus Metall. „Wenn der Blitz dann ins Haus einschlägt und der Strom auf das Rohr übergeht, kommt der Strom mit aus dem Duschkopf heraus“, sagt Michl. So gilt: Wenn Sie noch Metall-Duschrohre haben, sollten Sie Ihren Waschgang besser verschieben.

Der Blitz trifft nie zwei Mal die gleiche Stelle – Ja oder nein?

„Ein Blitz schlägt nie zwei Mal an derselben Stelle ein“ – So lautet ein weiterer Mythos aus dem Volksmund, dem Michl vehement widerspricht. „Das ist auch Unsinn.“ Der Blitz suche sich einfach das höchste Objekt aus. Beispiel gefällig? Laut Arrow treffen den Willis Tower in Chicago (früher Sears Tower, 442 Meter) im Jahr durchschnittlich 50 Blitze.

Telefonieren bei Unwetter – Ja oder nein?

„Bei Gewittern soll man nicht telefonieren“ – auch das fällt unter die Kategorie Oldschool-Mythos. Denn auch dabei komme es laut Michl auf die Art des Telefons an. Bei alten Festnetztelefonen bestünde Gefahr. Alle Smartphone-Nutzer können sich unbeschwert mit ihren Liebsten unterhalten – natürlich nur solang das Netz in Deutschland hält.

Die Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes gibt im Übrigen Anlass, die Tipps zu befolgen. Am Donnerstag regnet es laut Michl vermehrt über Bayern. Gerade in der zweiten Tageshälfte könne es dann auch zum Teil kräftigen Gewittern kommen.