Unglück am Mauerner See offenbart Probleme: Einsatzkräfte klagen zugeparkte Rettungswege an

Von Jochen Dannenberg · 24. Juni 2025 um 19:00

Im Mauerner See bei Neustadt im Landkreis Kelheim ist am vorigen Donnerstag ein 27-Jähriger ertrunken. Jetzt wird klar, wie dramatisch der Einsatz der Rettungskräfte am Badesee war.

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Die Stadtratssitzung am Montagabend brachte es an den Tag. Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) hatte die Sitzung gerade eröffnet, da meldete sich Stadtrat Stefan Wagner (SPD) zu Wort und regte an, über den Badeunfall am Mauerner See zu sprechen. Memmel sagte zu, aber erst für das Ende der Sitzung – nicht aus fehlendem Respekt, sondern aufgrund der Tagesordnung und der Referenten, die dazu eingeladen waren. Dafür ging es dann aber deutlich zur Sache.

„Es ist ein Ereignis, das die Stadt belastet“, stellte der Bürgermeister fest. „Unsere Gedanken sind bei der Familie des 27-Jährigen.“ Der, ein junger Familienvater, war am Feiertag Fronleichnam, als am Badesee infolge des sommerlichen Wetters – es waren fast 35 Grad – großer Betrieb herrschte und der Strand proppevoll war, aus noch nicht geklärten Gründen untergegangen.

Wenn im Sommer die Sonne scheint, herrscht Hochbetrieb am Stadtweiher, dem Mauerner See. Neben einem Sandstrand locken Spielgeräte und Gastronomie. - Foto: Jochen Dannenberg

Ein Freund, der mit dem jungen Mann im See zum Schwimmen gegangen war, hatte ihn retten wollen. Rettungskräfte, die am See im Einsatz waren, sagen, der Spezl hätte den 27-Jährigen noch an der Hand zu packen bekommen, wäre dann aber fast selbst in die Tiefe des Sees gezogen worden und musste deshalb selbst um sein Leben kämpfen.

Jede Hilfe kam zu spät

Obwohl anschließend binnen weniger Minuten die Rettungskräfte vor Ort waren, kam für den 27-Jährigen jede Hilfe zu spät. Trotz des Einsatzes von 125 Einsatzkräften wurde der Mann erst am nächsten Tag gefunden. Er war ertrunken.

Der Hinweis ist eindeutig: Dennoch werden auch Zufahrten für Rettungskräfte zugeparkt. - Foto: Jochen Dannenberg

Unterdessen hat bei den Rettungsorganisationen, unter anderem waren Feuerwehr, DLRG, Wasserwacht und BRK im Einsatz gewesen, die Aufarbeitung des Geschehens begonnen. Dabei stellte sich heraus, dass der Weiher, der vor rund 20 Jahren von einem bis dahin wilden Badesee zu einer familienfreundlichen Anlage umgestaltet worden war, schlicht unter seiner Beliebtheit leidet.

Kiosk, Gastronomie, Toiletten, Umkleiden, Sandstrand, Klettergerüste und Badeinsel ermöglichen einen abwechslungsreichen Tag – und das ohne Eintritt. Auch die Benutzung des Parkplatzes ist gratis. Der Betrieb am Mauerner See ist über die Jahre stetig gewachsen, der See ist gewissermaßen ein Opfer seines Erfolges.

Es gibt nämlich ein Parkproblem, stellte Bürgermeister Memmel in der Stadtratssitzung klar. Das führt dazu, dass zum Leidwesen der Landwirte nicht nur Feldwege als Parkplätze missbraucht werden, sondern auch Rettungskräfte bei der Zufahrt zum See behindert werden. Hinweisschilder mit Aufschriften wie „Feuerwehrzufahrt“ oder „Rettungsweg“ und Parkverbotsschilder werden ignoriert, Rettungswege zugeparkt

„Es ist total frustrierend“, schilderte Stefan Wagner, der nach dem Unglück als Einsatzleiter des BRK vor Ort war, seine Eindrücke von der Arbeit der Rettungskräfte am Donnerstag. „Die Wildparker sperren die Zufahrtswege für die Rettungskräfte.“ Außerdem sei es gefährlich, über die Slipanlagen Motorboote zu Wasser lassen.

Die Slipstellen, über die die Trailer mit den Booten zu Wasser gebracht werden können, seien mit Schilf und Gras bewachsen. „Beim Einsatz an Fronleichnam ist das ein massives Problem gewesen“, sagte Wagner. Der Bürgermeister bestätigte und kritisierte, dass Autos direkt vor Parkverbotsschildern abgestellt würden. Zugleich betonte er die Überlastung der Parkplätze am See. Aber er kündigte auch an, handeln zu wollen.

Es soll kontrolliert werden

„Wir werden baulich eingreifen müssen“, sagte Memmel. Die Slipstellen, worauf auch Feuerwehrkommandant Jürgen Bucher in den letzten Tagen hingewiesen hat, sollen ertüchtigt werden. Das Problem ist, dass wichtige Maßnahmen erst in den Wintermonaten durchgeführt werden können. Eine andere Aufgabe sei es, „dass wir uns damit beschäftigen, wie wir uns den Falschparkern entgegenstellen“, so Thomas Memmel.

Viele Schilder weisen auf Parkverbote hin. Dennoch halten sich nicht alle Besucher daran. - Foto: Jochen Dannenberg

Eine Maßnahme dürfte an den Geldbeutel von Falschparkern gehen. Der Bürgermeister kündigte an, „dass es Verwarnungen geben muss“. 75 Euro könnten damit fällig werden, was den Besuch am Baggersee zu einem teueren Vergnügen machen würde. Im Einzelfall könnte man die Fahrzeuge von Falschparkern möglicherweise auch abschleppen lassen.

Was auch immer kommen wird – eines scheint sicher: Der Bürgermeister darf sich auf die Zustimmung des Stadtrats verlassen. Der hatte nämlich bereits die eindrücklichen Schilderungen seines Mitglieds Stefan Wagner mit einmütigem und spontanem Beifall quittiert.