Neuer Güter-Bahnhof in Regensburg: Bürger haben Angst

Von Juliana Ried · 21. Juni 2025 um 19:00

Die Bahn plant derzeit neben dem viergleisigen Ausbau bis Obertraubling ein weiteres Großprojekt in Regensburg: Sie will 225 Millionen Euro in einen neuen Umschlagbahnhof für Güter investieren. Den will sie in Burgweinting bauen – direkt neben zwei Wohngebieten. Anwohner fürchten um ihre Gesundheit und ihre Häuser, wie die Bürgerbeteiligung zeigt.

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Für Dienstag hat die Bahn Bürger, die bereits schriftlich Einwände vorgebracht haben, zu einem nicht-öffentlichen Erörterungstermin im Regensburger Marina-Forum eingeladen. Sie will in Burgweinting, voraussichtlich ab 2029, künftig 230 000 „Ladeeinheiten“ wie Container pro Jahr umschlagen. Zu diesem Zweck plant sie fünf Umschlaggleise, vier Portalkrane, dazu Lade-, Fahr- und Abstellspuren und ein Gate mit „Lkw-Vorstauplätzen“.

Bahn: Standort erfüllt „alle wesentlichen Kriterien“

Durch den Neubau wolle sie die deutlich ansteigende Nachfrage nach Umschlagleistungen, die vor allem aus der Automobilindustrie komme, bedienen, erklärt die Bahn auf ihrer Internetseite zum Projekt. Der Standort erfülle „alle wesentlichen Kriterien, die für einen reibungslosen Bau und den effizienten Betrieb nötig sind“. Es gebe ausreichend große Flächen, die bereits heute überwiegend von der Bahn genutzt werden, durch B15 und A3 in der Nähe eine gute Anbindung zur Straße und einen direkten Anschluss an die gut ausgebaute Bahnstrecke München-Regensburg. Durch die unmittelbare Nähe zu wichtigen Unternehmenskunden würden Straßentransporte reduziert.

Die Bahn will bald 230 000 Container im Jahr in Burgweinting umschlagen – direkt neben Wohnhäusern. - Foto: Tino Lex

Der neue Umschlagbahnhof grenzt allerdings auch an zwei Wohnstraßen. Anwohner fragen sich deshalb: „Was kommt an Lärm und Licht auf die Anwohner zu?“, so formuliert es Elisabeth Lengmüller (56), die auch mögliche Druckwellen und Risse in den Häusern fürchtet. Sie sei gegen das Terminal direkt neben den Wohnhäusern, auch wenn sie die Argumente der Bahn für den Standort nachvollziehen könne. Nun wünsche sie sich mindestens eine „schonende Vorgehensweise“ in der Bauzeit und im Betrieb und dass die Bürger besser informiert und „mitgenommen“ werden.

Lengmüller berichtet, sie habe „zum Teil recht trotzige Antworten“ auf ihre Einwendungen erhalten. Sie fragte unter anderem, was die Bahn für Wertminderungen der Häuser eingeplant habe – und erfuhr, dass das Grundgesetz Bürger davor nicht schütze. „Es ist eine Abwertung von den Häusern, Grundstücken“, beklagt auch Tanja Stoll (46). Herbert Haala (74) sagt, er sei von der ökonomischen und ökologischen Notwendigkeit des Projekts überzeugt. Auch er hätte aber einen Standort weiter draußen bevorzugt. „Wir hatten im Vorfeld gehofft, dass man das nach Obertraubling verschieben kann.“

Pächter von 37 Kleingärten sind ebenfalls betroffen

Ebenfalls betroffen sind Pächter von 37 Kleingärten an den Gleisen. Diese müssten zwar in wenigen Jahren wegen der zwei zusätzlichen Gleise nach Obertraubling ohnehin weichen, erzählt Bernhard Regensburger (70), der den Protest der Schrebergärtner organisiert. Sie wollen aber Klarheit, wie lange sie bleiben können – und Ersatzgrundstücke. „Was uns so stinkt ist, dass keine Ausgleichsflächen zur Verfügung gestellt werden“, bestätigt Konrad Winzinger (69), auch die Stadt helfe hier nicht. Regensburger beklagt auch, dass der Standort wohl für die Bahn günstig sei, nicht aber für Mensch und Natur. „Es ist doch ein Beweis, dass der Standort doch nicht so geeignet ist, wenn man eine 15 Meter hohe Lärmschutzwand braucht.“

In ihren Erwiderungen auf die Einwände der Bürger wehrt sich die Bahn gegen den Vorwurf, sie informiere diese nicht ausreichend. Was den möglichen Baubeginn angeht, hält sie sich bedeckt. Eine Sprecherin teilt dazu nur mit, die Kleingärtner könnten die Flächen „noch bis zum Ende der diesjährigen Anbausaison nutzen“. Ursprünglich war von einem Baubeginn 2025 die Rede, zuletzt von 2026. Das hat laut der Sprecherin finanzielle Gründe. Da derzeit „noch nicht alle Infrastrukturprojekte auskömmlich finanziert“ seien, insbesondere solche, die über das Jahr 2025 hinaus gehen, habe die zeitliche Abfolge geändert werden müssen. „Am Projekt selbst halten wir unverändert fest.“ Ob das Sondervermögen Infrastruktur des Bundes, das im September beschlossen werden solle, eine Auswirkung auf den Neubau des Umschlagbahnhofs haben werde, sei noch nicht absehbar.

Das Verfahren

Genehmigung: Derzeit läuft die Bürgerbeteiligung. Dazu gehört auch der Erörterungstermin am Dienstag. Frühestens Ende 2025 rechnet die Bahn mit einem Planfeststellungsbeschluss, der einer Baugenehmigung entspricht.

Erörterung: Bei der Erörterung werden die Einwände Betroffener oder der Öffentlichkeit besprochen. Ziel sei es, „die Interessen aller Beteiligter gegeneinander abzuwägen, um eine ausgewogene Entscheidung zu treffen“.